Megamerger der digitalen Marktplätze
Volle Kasse und eine leere Pipeline für die TX Group

Mit Ringiers Hilfe hat der Börsenkurs der TX Group einen grossen Sprung gemacht. Es kommt viel Geld in die Kasse. Pläne, was damit getan wird, sind allerdings keine erkennbar.

Christian Mensch
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Ringier macht die Verlegerfamilie Coninx-Supino richtig reich. Die Ankündigung, die beiden Medienkonzerne würden ihre digitalen Marktplätze zusammenlegen, hat den Aktienkurs der familiendominierten TX Group explodieren lassen.

War die 69-Prozent-Beteiligung der Familie vor dem angekündigten Zusammenschluss 636 Millionen Franken wert, so hat der gleiche Anteil heute einen Börsenwert von 987 Millionen Franken. Insgesamt stieg der Wert der TX Group von 920 Millionen auf 1,4 Milliarden Franken. Und diese Reise nach oben soll ihr Ziel noch lange nicht erreicht haben.

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) errechneten, der «faire Preis» einer TX-Group-Aktie liege bei 203 Franken. Die TX Group hätte dann eine Marktkapitalisierung von 2,1 Milliarden Franken; der Anteil der Familie einen Wert von 1,45 Milliarden Franken.

Einzelteile der TX Group sind teurer als das Ganze

Grund für die Wertsteigerung sind die Fantasien, die mit der neuen Firma mit den digitalen Handelsplattformen verbunden sind. Die Bankanalysten meinen, die Scout24-Gruppe von Ringier und die TX-Produkte Homegate, Carforyou, Ricardo und Tutti hätten zusammen einen Wert von 2,7 Milliarden Franken. Da die TX-Produkte 41 Prozent beitragen, sind diese «Marketplaces» mit 1,1 Milliarden Franken alleine schon höher bewertet, als es zuvor die ganze Gruppe war. Die «verblüffte» Erkenntnis der börsenfixierten ZKB-Analysten: Der Verlagsbereich mitsamt der Vermarktungsfirma Goldbach habe nur gerade noch einen Wert von 300 Millionen Franken.

Das Börsenspiel könnte noch eine Fortsetzung finden. Sowohl das Joint Venture als auch die vom Zusammenschluss nicht erfasste Plattform ‹JobCloud› solle mittelfristig für Investoren geöffnet werden. Letzteres hat die TX Group gegenüber den ZKB-Analysten geäussert. Das getrennte Vorgehen hat vor allem kartellrechtliche Ursachen. Denn mit «JobCloud» läge das Joint Venture nicht unter der meldepflichtigen Umsatzschwelle von 500 Millionen Franken. Die Wettbewerbskommission hat deshalb keine Handhabe zur Fusionskontrolle.

Ein Freipass zur Gewinn­maximierung ist deshalb nicht ausgestellt. Denn sollte eine marktbeherrschende Stellung entstehen, dürfe sich das Unternehmen in dieser nicht missbräuchlich verhalten. Es dürfe weder Konkurrenten in ungerechtfertigter Art und Weise behindern noch sich ausbeuterisch verhalten. Sonst könnte die Wettbewerbskommission eingreifen, erklärt die Kommission auf Anfrage.

Pietro Supinos Vermögen wächst stark.

Pietro Supinos Vermögen wächst stark.

Sandra Ardizzone

Was macht die Familie mit den Millionen?

Unklar ist, was die Verlegerfamilie der TX Group nun mit dem aktivierten Reichtum anstellt. Die Prognose der Analysten offenbart ein Luxusproblem der besonderen Art: Die liquiden Mittel im Konzern steigen bis zum Jahresabschluss 2023 auf 558 Millionen Franken.

Auf der operativen Seite schwinden die Margen. 2018 wies der Konzern noch einen Reingewinn von knapp 100 Millionen Franken aus. 2023 – wenn die Coronakrise samt Nachwirkungen überwunden sein sollte – wird der Reingewinn gemäss Prognose noch knapp 30 Millionen Franken betragen.

Welches Unternehmen die TX Group in zwei Jahren sein wird, ist allerdings offen. Bereits der Börsengang im Jahr 2000 hatte nicht zuletzt familieninterne Gründe. Mit dem Verkauf von 30 Prozent der Aktien konnten Familienmitglieder abgegolten werden, die kein Interesse mehr am Unternehmen hatten.

Eine Bereinigung des Aktionärspools ist einfacher geworden

Mittlerweile zählt der Aktionärspool 26 Personen, die zu einem guten Teil im Ausland leben. Deren Ansprüche zu koordinieren und zu moderieren, ist nicht zuletzt die Aufgabe des Verlegers Pietro Supino. Der bisher bekanntermassen tiefe Börsenkurs hatte die Familienbande eher zusammengeschweisst: Ein Aktienverkauf war wenig attraktiv, da zusätzlich ein Discount von 20 Prozent auf den aktuellen Kurs gewährt werden musste, wenn ein Familienmitglied sein Vorkaufsrecht geltend machte. Dieser Abschlag ist leichter zu verschmerzen, wenn sich der Kurs auf Rekordhöhe bewegt.

Mit dem Deal mit Ringier hat Supino dazu die entscheidenden Weichen gestellt.

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