Medienkolumne
Der Anti-Harry: Warum Alain Berset gut fährt mit seiner Schweige-Strategie

Im Gegensatz zu Prinz Harry ist Bundesrat Berset sogar still, wenn er im Zentrum eines Skandals steht. Bei der Bewältigung von Skandalen ist diese Strategie schon beinahe fortschrittlich, schreibt Matthias Ackeret.

Matthias Ackeret*
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Für Berset wichtiger als Indiskretionen: Das Posieren mit Ski-Star Beat Feuz.

Für Berset wichtiger als Indiskretionen: Das Posieren mit Ski-Star Beat Feuz.

Peter Schneider / KEYSTONE

Als vergangenen Samstag dieses Portal über die geheimen E-Mails zwischen dem Ringier-CEO Marc Walder und dem früheren Berset-Sprecher Peter Lauener berichtete, war der kritisierte Bundespräsident bereits auf rutschigem Gelände: am Lauberhorn. Umjubelt von Tausenden Skifans machte er unzählige Selfies.

Als sich die Restschweiz über die publizierten E-Mails wunderte, erkundigte sich der SRF-Sportreporter fast schon investigativ nach der Zahl der gemachten Fotos. Gegen Abend postete Berset ein Bild mit der Aufschrift «Bravo». Er meinte damit nicht die Rechercheleistung von CH Media, sondern den Zweitplatzierten Marco Odermatt.

Die Coolness, mit der Berset die Krise aussitzt, ist awardverdächtig. Die NZZ titelte verzweifelt: «Der Druck steigt, Berset schweigt.» Es ist das Berset-Prinzip, sich im entscheidenden Moment wegzudrücken; die Gegen­these zu Prinz Harry, der mit seiner Plaudrigkeit sich und das englische Königshaus beschädigt.

Damit straft der Innenminister alle Kommunikationsgurus Lügen, die in der Krise absolute Transparenz fordern. Ob bei seinen amourösen oder seinen aviatischen Spielereien, bislang ist Berset damit gut gefahren. Die deutsche Verteidigungsministerin hat nach einem medialen Tsunami den Bettel hingeschmissen, Berset würde das nie tun. Sogar beim Skandal war er fortschrittlich: Während Trump und Biden ihre Geheim­nisse in Villa und Garage lagern, hatte Berset diese ausgelagert. An den Ringier-Verlag.

*Matthias Ackeret ist Verleger der Kommunikationszeitschrift «Persönlich».

3 Kommentare
Klaus Berger

So, wie ich das sehe, zerstört der Egomane die Demokratie, das Vertrauen in Regierung und Parlament und schlussendlich zündelt er wieder die Stimmung in der Bevölkerung. Für einen Rücktritt ist er nun definitiv zu spät, der irreparable Schaden ist angerichtet.

Marcel Müller

Herr Bundesrat Berset von der SP eignet sich mit seinen diversen Mauscheleien nicht als Bundesrat. Deshalb sollte man ihn baldmöglichst abwählen in der Bundesversammlung. Wir brauchen in der Regierung integre Leute.