Alessandra Paone

Die Erhöhung der Krankenkassenprämien für das Jahr 2010 trifft den Kanton Baselland stark. Sowohl bei den Erwachsenenprämien (+11,1%), als auch bei den Prämien für junge Erwachsene (+15,8%) und den Kinderprämien (+12,3%) liegt der Wert deutlich über dem Schweizer Durchschnitt, wie aus den gestern veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hervorgeht. In Basel-Stadt hingegen fällt die Prämiensteigerung unterdurchschnittlich aus.

«Es ist ein massiver Anstieg, der aber zu erwarten war», kommentiert Regierungsrat Peter Zwick die Zahlen. Im Frühjahr sei für den Kanton Baselland sogar eine Erhöhung von 15 Prozent prognostiziert worden.

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor befürchtet, dass den Versicherten im nächsten Jahr Ähnliches blüht. Denn die Kassen hätten im laufenden und letzten Jahr zu tiefe Prämien verlangt und somit Reserven abgebaut. Um diese wieder aufzustocken, müssten deshalb nun die Prämien erhöht werden.

Peter Zwick sieht im BAG den Hauptschuldigen für den Prämienschock und bezeichnet dessen Handlungsweise gar als «Sauerei». Das BAG habe zu wenig Einfluss auf die Krankenkassen genommen und sie einfach machen lassen.

Im vergangenen halben Jahr hat der Baselbieter CVP-Regierungsrat immer wieder das Gespräch gesucht mit dem BAG und dem abtretenden Gesundheitsminister Pascal Couchepin - jedoch vergebens. «Ich habe sie davor gewarnt, den ganzen Nachholbedarf bei den Reserven der Krankenkassen auf einen Schlag auf die Prämienzahler abzuwälzen.»

So würde nur die Kaufkraft der Bevölkerung geschwächt. Die Prämiensteigerungen hätten auf die nächsten zwei Jahre aufgeteilt werden sollen, so dass die jährliche Prämienerhöhung unter zehn Prozent geblieben wäre. Ausserdem seien die Reserven des Kantons Baselland im grünen Bereich. «Mit der aktuellen Prämienpolitik werden Einkommensschwache noch mehr geschwächt», betont Zwick.

Dies bedauert auch sein Basler Kollege Carlo Conti. «Mittelstandsfamilien und Jugendliche leiden am stärksten unter der Prämienexplosion», bestätigt der Vizepräsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz.

Für den enormen Anstieg der Prämien für junge Erwachsene macht Conti klar die Kassen verantwortlich - und nicht etwa die Kostenentwicklung. Die Krankenkassen hätten nämlich in den vergangenen Jahren von den jungen Menschen tiefere Prämien verlangt, als eigentlich nötig gewesen wären, um sie an sich zu binden.

Trotz der unterdurchschnittlichen Prämienerhöhung bleibt Baselstadt auch 2010 der teuerste Kanton - noch vor dem Kanton Genf, den er bei den Prämien für 2009 an der Spitze abgelöst hatte. Carlo Conti relativiert aber die Spitzenposition von Basel-Stadt: Diese Platzierung stimme nur, wenn man von der Durchschnittsprämie ausgehe.

Denn: «Der Unterschied zwischen der billigsten und der teuersten Erwachsenenprämie beträgt 200 Franken», bemerkt der Basler Gesundheitsdirektor. Dies ändere aber natürlich nichts daran, dass die Basler Prämien vergleichsweise hoch seien. Der Grund dafür seien die demografische Entwicklung und allgemein die hohe Anzahl pflegebedürftiger Menschen.