Heute Abend startet der Circus Monti in die heisse Zürcher Phase. Bis zum 25. November gastiert er auf dem Kasernenareal mit dem aktuellen "Villa Monti"-Programm. Eine illustre Truppe von Artisten, Clowns und Magiern teilt sich die Manege. Doch der Haussegen in der "Villa" hängt schief. Nicht, weil sich die Artisten zerstritten hätten, sondern weil ein ungebetener Gast mit aggressivem Getue ins Zirkuszelt drängt: der Ticket-Weiterverkäufer Viagogo, der seinen Kunden mit falschen "nur noch 10 Tickets" und "fast ausverkauft"-Nachrichten Eintrittskarten zu Kultur- und Sportevents zu massiv überhöhten Preisen verkauft.

Der Circus Monti ist eines der Opfer von Viagogo. In einem Aufruf an seine Stammgäste schrieb das Monti-Team deshalb am Sonntag, Viagogo versuche "sehr aktiv", Monti-Tickets zu verkaufen. Der Zirkus warnt die Gäste: "Lassen Sie sich nicht von falschen Saalplänen und unkorrekten Bezeichnungen von Kategorien täuschen – lassen Sie sich nicht von massiv überhöhten Preisen und Buchungsgebühren abzocken." Bis zu 20 Franken Gebühren pro Ticket würde Viagogo in die eigene Tasche umleiten. Das Monti-Team bittet die Zirkusfans, ihre Tickets unbedingt über offizielle Verkaufspartner oder am besten über die Monti-Homepage zu kaufen.

62 statt 27 Franken

Ein kurzer Preisvergleich zeigt: Monti hat recht, Viagogo zockt die Kunden ab. Tickets für die Abendvorstellungen in Zürich kosten auf der Monti-Page zwischen 27 und 58 Franken, auf Viagogo mindestens 62 Franken.

Dass der Ticketweiterverkäufer Kunden hinters Licht führt und viel zu hohe Preise verlangt, ist bei weitem nicht neu. Im vergangenen Herbst hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ein Strafverfahren gegen Viagogo eingeleitet. Im Juni 2018 hat die Fifa bei der Genfer Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Firma wegen unlauterem Wettbewerb eingereicht. Und auch in München läuft derzeit ein Verfahren gegen Viagogo. Stellung nehmen wollte das Unternehmen mit Sitz in Genf auf Anfrage nicht.

Röschtigraben beim Konsumentenschutz

Nun weht Viagogo in der Schweiz aber neuer Wind entgegen. Der Westschweizer Konsumentenschutz (FRC) hat am Mittwoch eine Aufklärungskampagne mit dem Titel "Ticket Check" lanciert. Bedauerlicherweise lasse das Phänomen der Ticketweiterverkäufer, die Kunden mit falschen Anreizen anlocken und ihnen Tickets zu überhöhten Preisen verkaufen, nicht nach. Rechtlich könne man wenig tun. Anders als in Frankreich, wo Ticketweiterverkäufe verboten seien, sei das Vorgehen von Viagogo in der Schweiz legal. Es sei deshalb nötig, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für dieses Problem zu schärfen. Der FRC arbeitet dafür u.a. mit dem Béjart Ballet, dem Paleo Festival, Starticket, Ticketcorner und dem Branchenverband SMPA zusammen. Über die Weihnachtstage soll die Kampagne ihren Höhepunkt erreichen.

Nicht bei der Kampagne mit dabei ist die Stiftung Konsumentenschutz. "Wir wurden angefragt, haben den Westschweizer Kollegen aus Unabhängigkeitsgründen aber abgesagt", erklärt Konsumentenschutz-Sprecher Alex von Hettlingen auf Anfrage. Aufklärung sei zwar wichtig. Die "Ticket Check"-Kampagne aber sei von Veranstaltern finanziert. "Da sind wir sehr strikt, wir lassen uns nicht vor den Karren von privaten Unternehmen spannen", sagt von Hettlingen. Die Stiftung Konsumentenschutz kriege kontinuierlich Anfragen von Personen, die sich von Viagogo geprellt fühlten. "Wir informieren seit Jahren über alle verfügbaren Kanäle über das Problem." Ob Viagogo die neuesten Gegenangriffe der Veranstalterbranche überstehen wird oder ob das Problem dank der "Ticket Check"-Kampagne verschwindt, wird sich weisen.