Russland bietet als Handelspartner der Schweiz Chancen, ist Peter Spuhler, Chef des Schweizer Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail, überzeugt: «Russland ist für uns ein sehr interessantes Land mit grossem Potenzial.» Vor gut einem Jahr bekam die Firma den Auftrag, 25 Doppelstockzüge für Moskau zu bauen.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sind bei der Schweizer Botschaft in Moskau rund 200 in Russland tätige Schweizer Firmen gemeldet. In den letzten zehn Jahren hat sich der Export von Schweizer Produkten beinahe verdreifacht: von 1,1 Milliarden Franken 2003 auf fast 3 Milliarden Franken 2012. Im vergangenen Jahr rangierte Russland mit einem Handelsvolumen von 4,1 Milliarden Franken auf Platz 15 der wichtigsten Schweizer Handelspartner.

Zu den grössten Schweizer Firmen in Russland gehört der Nahrungsmittelhersteller Nestlé. Er betreibt vor Ort elf Fabriken mit 10 000 Mitarbeitern. Die Pharmabranche mit Roche und Novartis hält mit 34 Prozent den grössten Anteil am Export. Die Maschinenbranche folgt mit 24 Prozent. ABB betreibt in Russland fünf Fabriken mit 1 300 Mitarbeitern. Im

Vergleich zu Deutschland oder Frankreich ist das Handelsvolumen mit Russland noch klein: Schweizer Firmen exportierten 2012 Waren im Wert von 42 Milliarden Franken nach Deutschland und Güter im Wert von 15 Milliarden Franken nach Frankreich. Nichtsdestotrotz heisst es beim Seco: «Das Interesse schweizerischer KMU verzeichnete 2012 eine positive Tendenz.»

Freihandelsabkommen gefährdet

Neben Island, Liechtenstein und Norwegen ist die Schweiz Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation Efta. Die Organisation könnte mit dem geplanten Freihandelsabkommen mit Russland einen weiteren wirtschaftlichen Schub bringen. Die nächste Verhandlungsrunde ist im April geplant. Ob es allerdings zum Treffen kommt oder ob die Verhandlungen auf Eis gelegt werden, dürfte wesentlich von der weiteren Entwicklung abhängen.

Grundsätzlich sehen Schweizer Firmen ihrer Zukunft in Russland aber gelassen entgegen. Die Swatch Group, die in Russland eine Filiale betreibt, erwartet keine besonderen Auswirkungen, teilt sie auf Anfrage mit. Auch Stadler-Rail-Chef Spuhler ist gelassen: «Angst haben wir wegen der aktuellen Situation keine.» Doch Spuhler mahnt: «Ich bin der Meinung, dass Wirtschaftssanktionen meist nicht zielführend sind.» Denn je stärker ein Land in den internationalen Handel eingebunden sei, desto geringer seien die Chancen, dass die Situation eskaliere, sagt der ehemalige SVP-Nationalrat.