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Manors neues Labor: Erste Berner Filiale soll für Händler wegweisend werden

Die Mode bleibt einer der wichtigsten Umsatztreiber für Manor. Christine Strub

Die Mode bleibt einer der wichtigsten Umsatztreiber für Manor. Christine Strub

Der Stolz ist Jérôme Gilg anzumerken. Am Mittwoch lud der neue Manor-Chef zu einem Mediengespräch im ersten Manor-Warenhaus der Stadt Bern, das heute seine Türen öffnet. «Es hat uns immer geschmerzt, dass wir hier nicht präsent waren.» Bern – das war bisher das Territorium der einheimischen Warenhauskette Loeb. Manor, im Besitz der verschwiegenen Maus-Frères-Gruppe, gelang die Expansion in die Hauptstadt nie. Doch nun ist es so weit. In der Altstadt, wo einst der Modehändler Charles Vögele und dessen Nachfolger OVS hausten, konnte Manor auf sechs Etagen einziehen – inklusive Restaurant mit Dachterrasse.

Zuletzt machte Manor über längere Zeit mit Negativmeldungen Schlagzeilen: Stellenabbau, der Abgang von CEO Stéphane Maquaire und weiterer Kaderleute sowie der juristische Streit um das Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse (Status: noch immer ungelöst). Geschäftszahlen gibt die Gruppe seit 2016 nicht mehr bekannt. Doch in der Branche ist bekannt, dass die Umsätze in den vergangenen Jahren stark geschrumpft sind. Insofern ist die heutige Neueröffnung etwas Balsam für die Seele der Basler. Er hoffe, dass die Neueröffnung den Umsatz etwas ankurbeln werde, sagt Gilg. Denn das bisherige Geschäftsjahr sei nach wie vor schwierig, das erste Quartal negativ.

Keine Sport-Abteilung

Dem 61. Warenhaus von Manor gilt nicht nur wegen der örtlichen Premiere besonderes Augenmerk: «Das neue Geschäft ist für uns ein Testladen», sagt der 44-jährige Gilg, der zuvor die Do-it-yourself-Kette Jumbo führte, die ebenfalls zu Maus Frères gehört.

Anhand des Berner Geschäfts will Gilg neue Konzepte testen, um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen. Am augenfälligsten ist die Grösse: Während die Manor-Häuser in Zürich oder Genf eine Fläche von über 10 000 Quadratmetern aufweisen, sind es in Bern nur 4500. Heute müsse man nicht mehr das ganze Sortiment im Geschäft physisch präsentieren, sagt Gilg. Eine Sport- oder Papeterie-Abteilung fehlen zum Beispiel, da die Konkurrenz vor Ort in diesem Bereich gross ist. Bei allfälligen Neueröffnungen werde man auf ähnlich grosse Flächen setzen mit 4000 bis 5000 Quadratmetern, sagt Gilg. «Oder sogar noch weniger.»

Das Verkaufspersonal ist zudem mit Tablet-Computern ausgerüstet, um die Kunden auf das grössere Online-Sortiment aufmerksam machen zu können. Online bestellte Modeartikel lassen sich in einem separaten sogenannten «Click and Collect»-Bereich abholen. Dort können die Kunden die Kleider anprobieren und je nach dem kaufen oder gleich wieder retournieren. «Wir müssen die Grenze zwischen Onlineshop und Filiale aufbrechen», sagt Gilg.

Mehr hippe Marken

Und was ist mit den bestehenden, deutlich grösseren Warenhäusern? Hier müsse man agiler werden, sagt der im Kanton Zürich wohnhafte Elsässer. Man wolle vermehrt exklusive Partnerschaften mit Herstellern eingehen, die einzelne Flächen im Warenhaus für sich selber mieten können. Heute würden viele Marken durch Influencer auf Instagram quasi über Nacht hip. «Diese Marken wollen wir im Laden haben, aber auch schnell reagieren können, wenn sie nicht mehr ‹in› sind», sagt Gilg. Bedeutender werde auch die Inszenierung. So bietet aktuell ein französisches Start-up im Berner Geschäft die Möglichkeit, Pullis und T-Shirt im Geschäft individuell bedrucken zu lassen.

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