Detailhandel

Manor überprüft Standorte und baut Stellen ab – die Probleme bleiben

Das Warenhaus kündigt den Abbau von 200 Stellen an

Das Warenhaus kündigt den Abbau von 200 Stellen an

Der Warenhauskonzern Manor befindet sich in Schwierigkeiten. Der Umsatz schwindet seit Jahren. Nun reagiert der neue Chef, der Franzose Stéphane Maquaire, mit einem Kahlschlag.

Am Hauptsitz in Basel gehen bis zu 200 der rund 1000 Stellen verloren. Hauptgrund: Die Rentabilität hat sich zuletzt markant verschlechtert. Die Hälfte der Reduktion soll über Auslagerungen und durch Nichtbesetzungen von frei werdenden Stellen geschehen, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Die Mitarbeitenden wurden gleichentags über die Abbaupläne informiert. Es sei ein von der Personalkommission genehmigter Sozialplan erstellt worden.

Bereits Anfang 2015 wurden 150 Stellen gestrichen. Für Manor, der zur Maus-Frères-Gruppe gehört, geht die Misere somit weiter. Zunehmend bleiben seine Geschirr-Sets, Blusen und Kerzenständer im Regal liegen, weil die Kundschaft einen Bogen um das Warenhaus macht. Der einzige Trost: Man ist nicht allein. Im vergangenen Geschäftsjahr haben alle Warenhäuser gelitten. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK gingen die Umsätze bei den Konsumtempeln Globus, Jelmoli, Coop City und Loeb um bis zu sechs Prozent zurück. Die Migros-Tochter Globus gab am Mittwoch den Abbau von 30 Stellen bekannt im Zuge der Zusammenführung der Globus-Warenhäuser mit dem Migros-Modekonzern Schild. Und die Warenhäuser von Coop City befinden sich ebenfalls seit längerem im Krebsgang und werden einem Facelifting unterzogen.

Nebst dem starken Franken und dem daraus resultierenden Einkaufstourismus sind es aber vor allem strukturelle und hausgemachte Probleme, welche den Schweizer Warenhausumsatz in den letzten Jahren schrumpfen liessen. Strukturell, da viele Kunden nicht nur im Ausland einkaufen, sondern zunehmend online, insbesondere Kleider und Elektronikprodukte – oftmals Kernsortiment der Warenhäuser. Insbesondere bei Manor spielt das Textilgeschäft eine grosse Rolle.

Onlinezug verpasst

Doch hier kommen die hausgemachten Probleme ins Spiel. Manor und Co. haben es verpasst, auf den Onlinezug aufzuspringen und ihren Vorteil mit einem breiten Filialnetz auszunutzen, also die eigenen Shops auch als Abholstation zu etablieren. So hatten Zalando, Amazon und andere Onlinehändler genügend Zeit, eine eigene Kundschaft heranzuzüchten. Bei den Warenhäusern fehlte hingegen lange eine eigene, überzeugende Webshop-Strategie – so auch bei Manor.

Auch in den Läden selbst fehlten die Impulse. Vielfach wirken die Geschäfte heute gleich wie vor zehn Jahren. Mit dem französischen Kosmetikbrand Sephora wurde bei Manor letztes Jahr eine zugkräftige Marke mit eigenen Shop-Ecken lanciert. Doch es blieb bei vereinzelten Highlights, die zündenden Ideen blieben aus. Dabei ist gerade für Warenhäuser der Faktor «Erlebnis» entscheidend, soll doch der Kunde möglichst lange im Geschäft verweilen.

Dieses Versäumnis hat der langjährige Manor-Chef Bertrand Jungo mitzuverantworten. Er verliess den Konzern Anfang Jahr, nachdem er ihn seit 2006 geführt hatte. Jungo wurde durch den Franzosen Stéphane Maquaire ersetzt, der zuvor unter anderem die französische Discount-Warenhauskette Monoprix geleitet hatte. Auch andere langjährige Kader-Angestellte mussten zuletzt gehen. Die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit wurde auf ein Minimum reduziert, Umsatzzahlen nicht mehr bekannt gegeben. Jungo hat inzwischen bei der Vermarktungsallianz Admeira angeheuert.

Der Personalabbau ist gemäss Mitteilung eine erste Etappe eines «unerlässlichen Transformationsplans». In zwei Jahren wolle das Unternehmen dann einen Wachstumsplan starten mit einem erneuerten Angebot. Eine mutige Ankündigung, denn die Herausforderungen werden nicht kleiner, wie auch der Blick ins Ausland zeigt. Dort hat der Online-Shoppinggigant Amazon kürzlich die Bio-Kette «Whole Foods» für 13,7 Milliarden Dollar aufgekauft und sich damit in den stationären Handel vorgewagt. Und vorgestern wurde bekannt, dass der Silicon-Valley-Riese Google mit dem grössten Detailhändler der Welt, der US-Kette Walmart, eine Kooperation eingeht. Neu sollen über Google auch Produkte von Walmart gekauft werden können. Und Alibaba – quasi das Amazon von China – befindet sich ebenfalls auf Expansionskurs. Hierzulande wollen kommende Woche die Schweizerische Post und Jelmoli über neue E-Commerce-Tests informieren.

Abzug aus der Bahnhofsstrasse?

2010 führte Manor 70 Warenhäuser, heute sind es noch 63. Ob weitere schliessen werden, liess CEO Maquaire gestern offen. Jedoch werde es künftig regelmässig eine Überprüfung der Standorte geben. Und weiterhin in der Schwebe ist die Zukunft des Flaggschiff-Geschäfts an der Zürcher Bahnhofstrasse. Dort droht vom Vermieter der vorzeitige Rauswurf. Manor hat nun beschlossen, gegen den Entscheid des Zürcher Handelsgerichts Beschwerde zu erheben, um weiterhin an der Einkaufsmeile bleiben zu können.


Lesen Sie dazu den Kommentar von Rahel Koerfgen:

Weder Fisch noch Vogel

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