Detailhandel

Manor entlässt seine Warenhausdirektoren

In der Zürcher Manor-Filiale herrscht Ausverkaufsstimmung.

In der Zürcher Manor-Filiale herrscht Ausverkaufsstimmung.

Die Warenhauskette strafft seine Organisation um 50 Stellen, um Mittel für ihre Onlinehandel frei zu machen – und um den Ausfall der Zürcher Vorzeigefiliale zu kompensieren.

Die Zeiten, als jedem Warenhaus ein Direktor vorstand, sind nun auch bei Manor Geschichte. Doch die Entmachtung geht nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Bevor der Detailhandelskonzern die neue Struktur kommuniziert hat, leakten Direktoren, die ihre Änderungskündigung nicht akzeptiert haben, beim Newsportal «Nau». Dieses berichtete: Filialleiter, von denen einige über dreissig Jahren für Manor tätig gewesen waren, seien per sofort freigestellt worden!

Der Informationsgau war für Manor angerichtet. Mit einer vorgezogenen Kommunikation versuchte der Konzern Stunden später den Schaden zu begrenzen. Die Hiobs-Botschaft mutierte darin zu einer «effizienteren Retail-Organisationsstruktur»: Die 60 Warenhäuser würden in 28 «Verkaufseinheiten» gebündelt. Ein Dutzend Direktoren müssen gehen und mit ihnen vierzig Mitarbeiter der dezentralen Struktur.

Manor zieht sich bei drei Standorten zurück

Der Konzern kündet gleichzeitig die Schliessung ihrer Filiale im zürcherischen Bachenbülach per Ende April an. Dabei wurde diese erst im Herbst 2016 eröffnet. Für die Menschen in der Umgebung gehe ein Traum in Erfüllung, schrieb Manor damals; nun ist es das Industriegebiet, das Besucher abschrecke. Die Supermärkte in Liestal und Delémont würden zudem Mitbewerbern angeboten.

Die 79 Mitarbeiter, die mit der Mitteilung ihre Stelle verlieren, gesellen sich zu den 480 Personen, die per Ende Monat ohne Job sind, wenn an der Zürcher Bahnhofstrasse der Flagship-Store schliesst. Der dahinterliegende Konflikt mit der Vermieterin Swiss Life kommt Manor teuer zu stehen. Denn zu den Entlassungen wird auf der Ertragsseite der zweistellige Millionenumsatz fehlen, der an bester Lage erzielt worden ist.

An finanzieller Substanz scheint es dem grössten Schweizer Warenhausbetreiber grundsätzlich nicht zu fehlen. Immerhin war er bereit, für die Immobilie eine halbe Milliarde Franken zu bezahlen und 100 Millionen in einen Ausbau zu stecken. Doch für Swiss Life ist die Liegenschaft unverkäuflich.

Der neue Konzernchef steht unter Zugzwang

Obwohl für 270 Zürcher Manor-Angestellte bereits eine Anschlusslösung gefunden werden konnte, ist Jérôme Gilg nach einem Jahre an der Konzernspitze bereits ein grösserer Jobkiller als sein Vorgänger Stéphane Maquaire. Dieser galt als kaltschnäuzig, strich in seiner kurzen Amtszeit 200 Stellen in der Zentrale und pflügte die Firma um. Gilg, der von der Manor-Tochter Jumbo an die Spitze stiess, hat demgegenüber den Ruf, nahe beim Personal zu stehen. Er lässt sich häufig in den Filialen sehen und trennte sich in der Unternehmensleitung lediglich vom Verkaufschef.

Von tiefen Einschnitten lässt sich aber auch Gilg nicht abhalten. Der Wandel im Detailhandel schreite «zügig» voran, lässt er sich in der Medienmitteilung zitieren. Die freiwerdenden Mittel sollen in die Digitalisierung und ins Onlinegeschäft investiert werden. Rund 50 Millionen Franken seien schon für ein neues Kassen- und Warenbewirtschaftungssystem eingesetzt worden. Dreissig Stellen würden im Digitalbereich geschaffen.

Das gesteckte Ziel von Manor ist es, das «führende Omnichannel Warenhaus» zu werden. Im Onlinehandel ist der Weg dorthin allerdings weit. So betrug der Online-Umsatz bei Manor im Jahr 2018 nach einer Schätzung 63 Millionen Franken. Die Migros-Tochter Digitec/Galaxus erreichte im gleichen Zeitraum 950 Millionen Franken.

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Autor

Christian Mensch

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