Ebikon LU

«Mall of Switzerland»: Zweitgrösstes Einkaufszentrum der Schweiz zieht zur Eröffnung die Massen an

Einkaufen, essen, erleben: In Ebikon LU hat die Mall of Switzerland nach 41 Monaten Bauzeit am Mittwoch Tür und Tor geöffnet. Neben der Frage nach der Zukunft klassischer Einkaufstempel war auch die Verkehrssituation viel diskutiertes Thema an der Eröffnung.

Es spielte die Feldmusik Ebikon auf, bevor um 9.13 Uhr passierte, worauf sich seit 2001 in der Luzerner Vorortgemeinde Investoren freuten und wovor Gewerbler und Anwohner bangten: Das Einkaufszentrum "Mall of Switzerland" liess die Kunden den 65'000 Quadratmeter weiten Shopping- und Freizeitpark stürmen.

3 Jahre in 60 Sekunden: Der Bau der Mall of Switzerland im Zeitraffer.

Mall of Switzerland: 3 Jahre Bauzeit in 60 Sekunden

Das symbolische rote Band zerschnitten die Gemeindepräsidenten von Ebikon und Dierikon, Center Manager Jan Wengeler und Regierungsrat Robert Küng. Dieser war schon beim Spatenstich dabei, damals am 11. Juni 2014, ebenfalls ein Mittwoch. In der Zwischenzeit ist nach den Plänen der Architekten Burckhardt+Partner eine Überbauung gewachsen aus Parkhaus, Shopping-Center sowie Kino- und Fitnesspalast. Von über tausend neuen Arbeitsplätzen ist die Rede.

Mut und Innovation brauche es, damit das Projekt in Ebikon funktioniere, in einer Zeit, in der klassische Einkaufszentren darben, sagte Küng in seiner Rede. Die Umsätze schrumpfen und der fünfte Shoppingcenter Marktreport prophezeit in weniger als einem Jahrzehnt eine grosse Umnutzung von Ladenflächen in Schweizer Einkaufszentren. In der Mall of Switzerland sei das freilich keine Option, sagte Center Manager Wengeler.

Werfen Sie einen Blick in die «Mall of Switzerland»

Werfen Sie einen Blick in die „Mall of Switzerland“

Am 8. November 2017 öffnet die „Mall of Switzerland“ in Ebikon LU ihre Tore. Mit insgesamt 65'000 Quadratmetern Gesamtfläche handelt es sich dabei um das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz. Das futuristische Bauwerk beinhaltet neben über 150 Verkaufsläden und Gastrobetrieben ebenfalls die erste stehende Indoor-Surfwelle der Schweiz, das schweizweit grössten Kinderland, die landesweit grösste IMAX-Kinoleinwand sowie ein Multiplex-Kino mit zwölf Sälen.

Zur Fuss zur Migros

Die Migros könne sie nun zu Fuss erreichen. Das sei der einzige Vorteil des Baus, findet eine Anwohnerin aus Dierikon, die zur Eröffnung kam. Sorgen bereiten ihr der Mehrverkehr. Heute sei er mit dem ÖV angereist, sagt der Angestellte eines Sportgeschäfts in der Mall. Doch er wolle irgendwo in der Nähe einen Parkplatz mieten, damit er künftig mit dem Auto zur Arbeit kommen könne. Das Gebäude sei modern, man spüre den arabischen Touch, findet er und zeigt auf die Ornamente einer weissen Abdeckung im Gang.

Ein Streifzug durch die Gastromeile der Mall of Switzerland

Ein Streifzug durch die Gastromeile der Mall of Switzerland

Die Bauarbeiten am zweitgrössten Einkaufszentrum der Schweiz laufen auf Hochtouren. Auf 65'000 Quadratmeter sind über 150 Geschäfte und Gastrobetriebe sowie Wohnungen, Kinos und Sportanlagen geplant. (Urs Flüeler / SDA, 29.03.2017)

450 Millionen Franken hat der Staatsfonds von Abu Dhabi (ADIA) über eine Tochtergesellschaft in Ebikoninvestiert. Platz gibt es hier für 140 Retail- und Gastronomiebetriebe - davon sind rund hundert bereits vergeben, 16 an Restaurants. Im Untergeschoss ist die Migros als Hauptmieterin untergebracht.

Warten auf die Welle

Bis zu fünf Millionen Besucher im Jahr erhoffen sich die Betreiber. Dafür bieten sie auch regelmässige Modeschauen und Ausstellungen, 12 Kinosäle, die täglich über 60 Filme zeigen, ein Fitness-Center und 1500 Quadratmeter Kinderspielfläche. Im Frühjahr 2018 soll zudem die Indoor-Surfwelle anrollen.

Dann wird es 17 Jahre her sein, dass der Liftehersteller Schindler das Projekt ins Rollen gebracht hatte. Das Unternehmen wollte 2001 seine Landreserven loswerden und suchte dafür einen Abnehmer, der dort unter dem Namen Ebisquare eine Einkaufs- und Freizeiteinrichtung realisiert.

Gegenwind bliesen Politik und Verbände - aus Angst vor dem Verkehrskollaps - sowie das lokale Gewerbe. Im Februar 2005 billigte das Stimmvolk Ebikons mit 55 Prozent den Bebauungsplan. Am 26. September 2007 - es war ein Mittwoch - begann der Bau an Zubringer und Autobahnanschluss A14. Das Strassenprojekt kostete 126 Millionen Franken.

Autobahnausbau gefordert

Der Zubringer sei wohl ein Hauptargument für das Ja an der Urne gewesen, sagte Daniel Gasser, Gemeinderat von Ebikon. Sein Amtskollege aus Dierikon betont, der Autobahnabschnitt müsse nun auf sechs Spuren ausgebaut werden.

Vom Zubringer fährt man heute direkt ins Parkhaus des Einkaufszentrums auf einen der 1600 Parkplätze. Zugelassen sind 8280 Fahren pro Tag. Bei der Anreise setzt die Mall auf den öffentlichen Verkehr: Sie hat eine eigene Passerelle von der S-Bahn-Station und eine Busstation. Alle siebeneinhalb Minuten fährt ein Bus von und nach Luzern.

Mit dem Bau der Direktverbindung von der Autobahn fand sich 2008 auch ein erster Investor für das Projekt: Die französische La Société Générale Immobilière sprang aber ein Jahr später wohl im Zuge der Finanzkrise wieder ab. 2011 sicherte sich die Immobilien-Projektentwicklerin Halter das Projekt, taufte es in den heutigen Namen um und realisierte es fortan als Totalunternehmerin für ADIA. Schindler erhielt 75 Millionen Franken.

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