Wirtschaft

Machtkampf um Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach: Jetzt spricht Aktionär und Amag-Erbe Martin Haefner

Martin Haefner (65) in seinem Büro in Cham.

Martin Haefner (65) in seinem Büro in Cham.

Der Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach braucht dringend frisches Kapital – sonst droht der Konkurs. Amag-Erbe und Aktionär Martin Haefner erklärt seinen Rettungsplan.

Grauer Anzug, Aktentasche, Brille. Wer Martin Haefner trifft, sieht in ihm eher den Mathematiklehrer, der er bis vor 14 Jahren auch tatsächlich war, als einen der reichsten Schweizer und Besitzer des wichtigsten Autoimporteurs Amag. Der im luzernischen Horw wohnhafte Zürcher meidet normalerweise die Öffentlichkeit und kann die Interviews, die er in seinem Leben gegeben hat, an einer Hand abzählen.

Nun aber äussert sich Haefner erstmals ausführlich zum Machtkampf beim angeschlagenen Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B). Dem Unternehmen mit weltweit 10'000 Arbeitsplätzen – davon über 700 im Stahlwerk in Emmenbrücke LU – droht der Konkurs (siehe Box unten). Seit Monaten tobt bei S+B ein Streit zwischen Haefner und dem russischen Investor Viktor Vekselberg, der über die von ihm kontrollierte Liwet mit einem Anteil von knapp 27 Prozent grösster S+B-Aktionär ist. Haefner, der aktuell 17,5 Prozent der Aktien besitzt, will den Stahlhersteller mit mindestens 325 Millionen Franken sanieren – dafür aber künftig einen Anteil von 37,5 Prozent besitzen. Der Einfluss von Vekselberg soll dabei zurückgebunden werden.

Immobilien spielen keine Rolle

Doch welche strategischen Absichten hat Martin Haefner? Der ehemalige Chef des Luzerner Stahlwerks, André von Moos, hatte vor einem Monat im Gespräch mit unserer Zeitung gemutmasst, Haefner interessiere sich vor allem für die potenzielle Umnutzung des riesigen Areals von Swiss Steel in Emmenbrücke. Haefner widerspricht dem: «Ich bin weder Immobilienspekulant noch Immobilienentwickler. Eine mögliche Umnutzung des Areals spielt zum jetzigen Zeitpunkt für mich überhaupt keine Rolle», sagt er bei einem Besuch unserer Zeitung in seinem Büro in Cham.

Seiner Meinung nach ist die Lage des Stahlwerks zudem «nicht unbedingt die attraktivste» für Wohnungen oder Firmen. Was also hat er vor? «Ich bin der langfristig denkende und handelnde Ankeraktionär, den Schmolz+Bickenbach dringend braucht», sagt Haefner. S+B habe in den letzten zehn Jahren immer von der Hand in den Mund gelebt, und Streitereien unter den Grossaktionären seien an der Tagesordnung. «Es ist Zeit, Ruhe und Stabilität ins Unternehmen zu bringen», so Haefner. Und hierfür sei die Kapitalerhöhung unerlässlich.

US-Sanktionen könnten auch Amag treffen

Liwet als grösste Aktionärin von S+B soll dabei aber zurückgebunden werden. Warum? Haefner spricht von einem gordischen Knoten, den man durchschlagen müsse. «Gewisse Grossaktionäre haben der Gesellschaft in der jüngsten Vergangenheit nicht gut getan. Die Konstellation stimmt nicht mehr.»

Er sieht das Hauptproblem darin, dass Viktor Vekselberg auf der US-Sanktionsliste steht. Letztes Jahr musste der russische Investor darum seine Anteile an S+B und Oerlikon reduzieren, damit die Firmen nicht auch noch ins Fadenkreuz der USA gerieten. Haefner gibt aber zu verstehen, dass seiner Meinung nach Viktor Vekselberg weiterhin ein Risiko darstellt. «Meine Anwälte haben mich sehr deutlich darauf hingewiesen, dass in bestimmten Fällen US-Sanktionen auch auf meine Person oder auf Amag zurückfallen könnten», sagt er, und ergänzt: «Ausserdem haben die Banken signalisiert, dass sie eine Erhöhung der Beteiligung von Liwet nicht goutieren würden.»

Liwet wehrt sich gegen die Verwässerung

Die Seite von Viktor Vekselberg stellt sich allerdings auf den Standpunkt, Liwet selber stehe nicht auf der Sanktionsliste und müsse gleich behandelt werden wie all die anderen Aktionäre. Darum wehrt sich das Unternehmen gegen die Verwässerung. Ausserdem kritisiert Liwet, dass der Sanierungsplan nicht vom Management sondern von Haefner vorgelegt worden ist. «Das stimmt so nicht, der Sanierungsplan wird zurzeit von externen Experten zusammen mit den kreditgebenden Banken entwickelt. Aber ausser mir gibt es niemanden, der bereit ist, das nötige Kapital zur Verfügung zu stellen, um die Firma zu retten», entgegnet Haefner.

325 Millionen Franken Eigenkapital seien jedoch das Minimum, das die Gesellschaft brauche. «Wir setzen darauf, dass sich auch die Einzelaktionäre an der Kapitalerhöhung beteiligen werden», sagt Haefner. Aktuell beträgt der Streubesitz 45,5 Prozent. Wie diese Aktionäre abstimmen werden, wird man an der ausserordentlichen Generalversammlung vom nächsten Montag sehen. Für Haefner ist die Situation klar: «Wenn die Kapitalerhöhung am 2. Dezember scheitert, ist der Gang zum Konkursrichter unvermeidlich.»

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