Coronavirus

Macht vorwärts mit Schnelltests! Roche warnt: «Irgendwann können wir die Kapazitäten nicht mehr zurückhalten»

Der Sitz von Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz, Zug

Der Sitz von Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz, Zug

Die Wirtschaft fürchtet sich vor einem zweiten Lockdown. Zudem kommt sie die Quarantäneregel immer teurer zu stehen. Jetzt fordert der Dachverband Economiesuisse, rasche Taten zu den Schnelltests – und schickt einen Brief an den Bundesrat.

Die Wirtschaft fürchtet einen zweiten Lockdown. Chefökonom-Economiesuisse Rudolf Misch sagt, die steigenden Fallzahlen seien beunruhigend. «Einen zweiten Lockdown gilt es unter allen Umständen zu verhindern.» Der Verband Swissmem betont, Industriefirmen seien nicht die Ursache für die steigenden Fallzahlen. Direktor Stefan Brupbacher fordert «ein Bekenntnis, dass Industriefirmen ausgenommen würden, wenn es erneut zum Lockdown käme».

Economiesuisse verspricht sich viel von neuen Schnelltests. Mittlerweile spreche alles dafür, dass einige dieser Schnelltests gut genug seien, um den Umgang mit dem Virus fundamental zu verändern. Der Wirtschaftsdachverband hat dem Bundesrat darum einen Brief geschrieben. Chefökonom Minsch sagt: «Mit dem Brief wollen wir unterstreichen, dass wir die Chance der Schnelltests nicht vor lauter Abklärungen verschlafen dürfen.»

Das BAG testet noch

«Wenn die Schweiz wie die alte Fasnacht daherkommt, werden die Schnelltestkapazitäten längst vergeben sein.» Bund, Kantone und Behörden müssten heute schon an einer Strategie arbeiten, wie die Schnelltests am besten einzusetzen sind.

Das BAG testet noch. Die Validierung soll gegen Ende Oktober abgeschlossen sein. Doch man sei in der Zwischenzeit längst nicht so untätig gewesen, wie von Economiesuisse befürchtet. Ein Sprecher sagt auf Anfrage: «Das BAG hat schon früh mit Lieferanten Kontakt aufgenommen. Es wurden grössere Mengen an Schnelltests zur Verwendung in der Schweiz gesichert.» Weitere Details könne man im Moment nicht bekannt machen.

Allzu viel Zeit sollte sich das BAG jedoch nicht mehr nehmen. Das hat heute der Pharmakonzern Roche an einer Pressekonferenz zu den Geschäftszahlen für das dritte Quartal klar gemacht. Roche-CEO Severin Schwan sagte, man reserviere derzeit Kapazitäten für die Schweiz. Aber die globale Nachfrage übersteige das Angebot bei Weitem.

Einige Länder würden geradezu verzweifelt auf neue Schnelltest warten. «Irgendwann können wir die reservierten Kapazitäten nicht länger zurückhalten. Wir brauchen eine feste Zusage der Schweiz.» Es wäre nicht fair, so Schwan weiter, Produkte zurückzuhalten, wenn es in anderen Ländern solch eine starke Nachfrage gäbe. 

Zugleich sagte Schwan aber auch, wenn das BAG den angekündigten Zeitplan einhalten werde, dann sei dies «okay». Die Schweiz sei auf einem guten Weg, aber man bräuchte nun eine feste Zusage.

Das BAG will die Validierung bis Ende Oktober abgeschlossen haben. Bei Roche heisst es, solche Validierungen würden zum normalen Prozess gehören. Andere Länder hätten diesen Prozess jedoch schon abgeschlossen. Man habe keinen Grund zur Annahme, dass die Resultate in der Schweiz anders sein würden. Zudem habe man natürlich eigene Daten.

Kein kommerzieller Grund, um auf die Schweiz zu warten

Roche betonte auch, keinen kommerziellen Grund zu haben, um einzelne Länder wie die Schweiz zu bevorzugen. Man verlange überall auf der Welt den gleichen Preis. Und die neuen Schnelltests seien vielleicht geringfügig weniger genau als die heute üblichen PCR-Tests, bei denen das Testergebnis erst nach zwei Tagen vorliegt. Diese PCR-Test seien jedoch heute schon knapp. So sei die Alternative zu den Schnelltests schlicht: «Nichts zu tun.» Auch könne man mit den Schnelltests nahezu 100 Prozent jener Personen erkennen, die tatsächlich ansteckend sind und das Virus weitergeben.

Die Kantone sollten Fallzahlen für jede Gemeinde einzeln ausweisen, so wie es der Kanton Bern macht. So lautet eine weitere Forderung von Economiesuisse. Die Menschen würden ihr Verhalten rasch ändern, wenn die Ansteckungen in ihrer Gemeinde zunehmen, ist Minsch überzeugt. Economiesuisse setzt sich in diesen Tagen verstärkt in der Politik ein. Es gehe immer um Massnahmen, die einen möglichst hohen Nutzen bringen und zugleich möglichst geringe Kosten verursachen.

Im Contact Tracing müssten die Kapazitäten zudem weiter ausgebaut werden, was eine sehr effiziente Massnahme sei. Die Covid-App scheine etwas eingeschlafen zu sein, sei aber eigentlich ebenfalls ein gutes Mittel, sagt Minsch. Und das Gleiche gelte auch für eine Ausweitung der Maskenpflicht. Zuletzt haben verschiedene Kantone die Maskenpflicht ausgeweitet in Cafés und Restaurants.

Die Industrieunternehmen stossen mittlerweile an die Grenzen der virtuellen Kommunikation. Es müsse dringend wieder einfacher werden, Mitarbeiter aus der Schweiz nach Deutschland schicken zu können - und umgekehrt, sagt Swissmem-Direktor Brupbacher.  

Derzeit würden Innovation und Zusammenarbeit leiden mit den deutschen Kunden, die insgesamt durchschnittlich etwa 25 Prozent des Umsatzes der MEM-Firmen ausmachen (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie). Das Thema Auslandsreise werde immer virulenter.

«Irgendwann muss man vor Ort sein», sagt Brupbacher. Sonst könne man keine Servicearbeiten mehr machen, Inbetriebnahmen oder Projektarbeiten. Darunter leide auch die Innovation. 

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