Robert Wildi

Für Hans Wiesner gibt es keinen Zweifel: «Erlebnisreiche und qualitativ hochwertige Reisen werden immer auf Nachfrage stossen», sagt der Vollbluttouristiker. Wiesner leitet die Geschicke des Luxusferien-Anbieters Windrose Reisen, der erst im vergangenen Frühling mit einem Büro in Zürich gestartet ist.

In der Wirtschaftsflaute neue Luxusferien-Angebote zu unterbreiten, wirkt mutig. «Mit der bisherigen Nachfrage sind wir allerdings zufrieden», sagt Wiesner, der mit Windrose so genannte Lebensart-Rundreisen anbietet.

Das Konzept ist ein Mix aus Erlebnis und Luxus. Darunter fallen Langstreckenflüge in der Business- klasse und persönliche Schweizer Reisebegleitung. Beispielsweise hat Wiesner eine Kreuzfahrt in Ägypten im Angebot. Eine Wochenreise im November ist in der Doppelkabine für knapp 3000 Franken zu haben.

Reduktionen weitergeben

Mindestens 100 Kunden will Wiesner im ersten Jahr für eine seiner hochwertigen Reisen gewinnen. Er setzt dazu auch auf die Zusammenarbeit mit Reisebüros. Bei Kuoni, dem grössten Schweizer Reiseveranstalter, zeigt sich die Kundschaft indes zurückhaltend. «Per Ende August lag der Buchungsstand im Segment der Luxusferien 16 Prozent unter dem Vorjahr», räumt Kuoni-Sprecher Peter Brun ein.

Ähnlich sieht es bei der M-Travel Switzerland mit ihrer Premium-Reisemarke Globus Reisen aus. «Unser Luxusangebot spürt den Rückgang im gleichen Ausmass wie das Pauschalferien-Segment», sagt Unternehmenssprecherin Prisca Huguenin.

Um die Kunden bei der Stange zu halten, senken die Veranstalter die Hotelpreise. Davon profitiert der Kunde: «Wir konnten zum Beispiel in Dubai Preisreduktionen von bis zu 40 Prozent erzielen, die wir natürlich den Kunden weitergeben», sagt Brun.

Auch bei Globus Reisen sind viele Angebote zurzeit günstiger zu haben. Der Glaube an mittelfristig gute Wachstumschancen im Luxusferien-Segment ist bei der Migros-Reisetochter ungebrochen, weshalb sogar in diese Sparte investiert wird. Im Frühling 2009 wurden fünf neue Globus-Reisen-Lounges eröffnet.

Bei den Luxusferienspezialisten ist der Glaube an eine Erholung ihres Kerngeschäfts ohnehin gegeben. «Mittelfristig streben wir einen festen Platz in der Landschaft der Schweizer Nischenveranstalter an - fokussiert auf anspruchsvolle Reisen mit einer gewissen Tiefe», sagt Wiesner. Im Vorteil gegenüber den grossen Reiseveranstaltern sieht sich auch der Anbieter Reisen TCS, der unter dem Label «Wunderwelt» hochwertige Luxusreisen organisiert. «In der Krise leiden vor allem Reiseanbieter, die rasch viel Geld machen wollen und Prestigeprojekte im Luxusbereich über Nacht umsetzen», sagt Philipp Achermann von Reisen TCS.

Stammkundschaft hilft

Für das eigene, bereits 30-jährige Rundreiseprogramm könne man auf viele Stammkunden zählen. Achermann: «Wir haben deshalb beim Umsatz gegenüber dem Vorjahr nicht verloren, obschon die Preise auch bei uns um 100 bis 500 Franken pro Person gesunken sind.»
Zu den aktuellen Angeboten gehört zum Beispiel eine Woche auf der Atlantikinsel Madeira für 2750 Franken. Genau wie Hans Wiesner ist Achermann überzeugt, dass «echten und professionell organisierten Luxusreisen» die Zukunft gehört.