Mit dem 15-stündigen Streik auf Langstrecken-Flügen wollen die Piloten im festgefahrenen Tarifstreit den Druck erhöhen. Passagiere müssen sich wegen der mittlerweile fünften Streikwelle der Piloten erneut auf Verspätungen und Flugausfälle gefasst machen.

Lufthansa arbeitet an einem Sonderflugplan. Die Flüge der Swiss sowie jene der übrigen Konzerngesellschaften Austrian, Germanwings, Brussels Airlines und Air Dolomiti finden gemäss Lufthansa planmässig statt. Auch der Kurz- und Mittelstreckenverkehr soll nicht betroffen sein, ebenso Langstreckenflüge ab München und Düsseldorf.

Die Planungen für einen Sonderflugplan seien sofort begonnen worden. Bedroht seien im Streikzeitraum 56 Überseeflüge, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Der Sonderflugplan sollte im Laufe des Tages auf der Lufthansa-Website veröffentlicht werden. Das Unternehmen informiert betroffene Kunden zudem direkt über SMS und E-Mail.

Früherer Streik abgesagt

Zwei Wochen zuvor war es den Lufthansa-Planern gelungen, bei einem ebenfalls für Frankfurt angekündigten Langstreckenstreik dennoch sämtliche Verbindungen anzubieten. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte den Streik daraufhin abgesagt und die inzwischen wieder gescheiterten Verhandlungen zwischenzeitlich neu aufgenommen.

Hintergrund der Streiks ist der Tarifkonflikt um die Versorgung von rund 5400 Lufthansa-Piloten beim Übergang in den Ruhestand. "Da das Lufthansa-Management auch weiterhin kein kompromissfähiges Angebot vorgelegt hat, sehen wir uns zu diesen weiteren Massnahmen gezwungen", teilte VC mit.

Man sei aber weiterhin jederzeit einigungsbereit, um Streiks abzuwenden. Die VC hat bereits bei vier Streikwellen 4300 Flüge ausfallen lassen, Hunderttausende Reisende waren betroffen.

Externe Piloten

Der Konflikt zwischen Management und Pilotengewerkschaft eskaliert auch an anderer Stelle. So prüft das Unternehmen den Einsatz externer Piloten auf Langstreckenflügen unter der Marke Lufthansa.

Unter dem Projektnamen "Jump" hatte die Lufthansa unter anderem von den Gewerkschaften Kostenzugeständnisse verlangt, um mit abgespecktem Service-Angebot ohne First Class kostengünstiger zu eher touristischen Zielen fliegen zu können. Die VC soll sich laut Lufthansa nicht zu Einsparungen bereiterklärt haben, was allerdings von der Gewerkschaft bestritten wird.

VC-Sprecher Jörg Handwerg bestätigte die Lufthansa-Einschätzung, dass der geplante Schritt nicht gegen gültige Tarifverträge verstosse. Allerdings könnten sich Kunden dann nicht mehr darauf verlassen, dass in einem Lufthansa-Cockpit auch tatsächlich Lufthansa-Piloten sässen. Das wäre ein Novum, sagte Handwerg. "Wir bedauern, dass man so vorgeht."