Detailhandel

Lidl Schweiz weist Rückzugspläne weit von sich

Der deutsche Harddiscounter will einen weiteren Ausbau in der Schweiz. walter bieri/key

Drei Lidl-Beschäftigte in Winterthur

Der deutsche Harddiscounter will einen weiteren Ausbau in der Schweiz. walter bieri/key

Der deutsche Harddiscounter hat angekündigt, er werde den weiteren Ausbau in der Schweiz «wie geplant» realisieren. Die nächsten Filialeröffnungen finden in Grenchen und bei Interlaken statt.

Gute zwei Jahre nach dem Markteintritt im Frühjahr 2009 kam die Filialexpansion von Lidl ins Stocken, die zweite Logistikdrehscheibe wurde nicht gebaut, diverse gebaute Läden nicht eröffnet und Mitte Oktober nahm Landeschef Andreas Pohl den Hut, um «ausserhalb des Unternehmens» neue Aufgaben anzupacken.

Rückzug wäre kein Novum für Lidl

Vor diesem Hintergrund begann sich das Gerücht zu verdichten, Lidl Schweiz erwäge den Generalabmarsch – was grundsätzlich kein Novum darstellte: Anno 2008 zog die Lidl-Kette in Norwegen nach vier Jahren Aufbau und mit damals 50 Verkaufsstellen die Reissleine und trat den Rückzug an. Der neue Landesverantwortliche, Matthias Oppitz, habe offenbar den Auftrag, die Expansion in der Schweiz auf den Prüfstand zu stellen, spekulierte der «Tages-Anzeiger» in seiner gestrigen Ausgabe. Lidl indes reagierte am späten Mittwochvormittag mit einem glasklar gehaltenen Dementi: Das Gerücht entbehre jeglicher Grundlage. Die Geschäftstätigkeit in der Schweiz sei «erfolgreich»; sie werde fortgeführt und die geplante Expansion realisiert. Die Lidl-Führung hielt kategorisch fest: «Ein Rückzug vom Schweizer Markt war und ist ausgeschlossen.»

Auf Rückfrage der az bei der Firmenzentrale in Weinfelden TG konkretisierte Lidl Schweiz die nächsten Expansionsschritte: Nach der Eröffnung von Reconvilier BE vor zehn Tagen wird am 17. November 2011 mit Grenchen Filiale Nummer 74 eröffnet, am 8. Dezember folgt mit Matten bei Interlaken Filiale Nummer 75 (davon befinden sich 57 in der Deutschschweiz). Aktuell zählt Lidl rund 1700 Mitarbeitende. Verschiedentlich war kolportiert worden, das Unternehmen sei weit von den angestrebten Umsätzen entfernt. Angesprochen auf den Geschäftsgang bekräftigte Lidl Schweiz, mit der Entwicklung der bisher eröffneten Filialen sei man «sehr zufrieden».

Rund ein Dutzend Geisterfilialen

Zur Expansionsstrategie mag sich Lidl Schweiz nicht weiter äussern. Das Wachstum erfordere «eine gewisse Flexibilität in der Planung». Eine ganze Reihe von Faktoren müssten dabei berücksichtigt werden. Entsprechend könne es sein, dass eine Filiale bereits erstellt sei, «aber erst einige Zeit später» eröffnet werde. Dem Vernehmen nach verfügt das Unternehmen gegenwärtig über rund ein Dutzend solcher «Geisterfilialen».

In Sévaz FR verfügt Lidl über eine rechtskräftige Baubewilligung für das Warenverteilzentrum in der Westschweiz. Zurzeit werde mit den Behörden von Kanton und Gemeinde «die Erschliessungsthematik» erarbeitet.

Wie viel ist das Dementi wert?

Der Nennwert der gestern von Lidl Schweiz publizierten «Bestätigung« ihres Engagements in der Schweiz wird sich naturgemäss erst in einigen Monaten überprüfen lassen. Über die wahre Umsatzentwicklung muss mangels Tatsachen (weiter) spekuliert werden. Zu den Fakten gehört hingegen, dass Lidl in Konsumenten-Befragungen grosse Mühe hat, punkto Discounter-Image mit der ungleich solider verankerten Aldi-Süd-Kette mitzuhalten. Sechs Jahre nach dem Start verfügt Aldi in der Schweiz über 144 Verkaufsstellen.

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