Die Vorwürfe gegen Migros und Coop sind happig: Das Personal im Bereich der Self-Scanning-Kassen stehe permanent unter Stress, habe nicht mal Zeit, einen Schluck zu trinken. Hinsetzen sei nicht erlaubt, ältere Angestellte hätten mit Fuss- und Rückenproblemen zu kämpfen.

Das ist nur ein Auszug aus dem Fazit einer Studie, welche die Unia bei der Universität Bern in Auftrag gegeben hat. Die Studie soll die Auswirkungen von Self-Scanning-Kassen auf das Personal aufzeigen.

Detailhänder distanzieren sich

Coop weist die Vorwürfe entschieden zurück. Es treffe nicht zu, dass sich das Personal nicht hinsetzen dürfe oder es nicht erlaubt sei, etwas zu trinken, so Alena Kress, die Mediensprecherin von Coop. Dass sich Kunden im Self-Scanning-Bereich schlecht verhalten würden, habe man bei Coop nicht festgestellt.

Auch den Vorwurf, das Personal nicht genügend geschult zu haben, weist Coop zurück. «Coop investiert jedes Jahr 45 Mio. Franken in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden. Den grössten Anteil der Schulung macht die Ausbildung der Kassierer und Mitarbeitenden an den Self-Checkout-Kassen aus.»

Coop werde die Studie mit der Unia aber besprechen und sei bereit, bei Bedarf Optimierungen vorzunehmen. Trotzdem betont Kress: «Eine Studie, die nur auf 10 Befragungen basiert, erachten wir als nicht repräsentativ.» National durchgeführte Mitarbeiterumfragen hätten jeweils keine Beschwerden ergeben.

Kress betont ausserdem, dass die Self-Checkout-Kassen bei den Kunden beliebt seien. «Uns ist dabei die Wahlfreiheit unserer Kundinnen und Kunden wichtig: Sie sollen selber wählen, ob sie lieber an eine Self-Checkout-Kasse oder an eine bediente Kasse gehen wollen», so Kress.
Die Migros will zu den einzelnen Vorwürfen keine Stellung beziehen. Mediensprecher Patrick Stöpper betont aber: «Die Migros nimmt ihre Verantwortung als Arbeitgeberin und somit auch den Schutz ihrer Angestellten sehr ernst.»

Die Arbeitsbedingungen würden intern regelmässig überprüft und angepasst. Zusätzlich verweist er auf den Gesamtarbeitsvertrag der Migros, der gemeinsam mit internen und externen Sozialpartnern ausgearbeitet worden sei. Unter anderem mit der Landeskommission der Migros. Einzelne Punkte der Studie würden jetzt aber geprüft. «Sollte tatsächlich Handlungsbedarf bestehen, werden wir diesen angehen.»