Dem Schweizer Winter entfliehen und am Strand eine Woche Sonne tanken: Der Flug führt um diese Zeit oft nach Ägypten – zumindest in den vergangenen Jahren. Aber die Lieblingsdestinationen der Sonnenhungrigen an den ägyptischen Stränden des Roten Meeres sind verlassen. Nach der Reisewarnung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten für Ägypten und Tunesien wurden alle Reisen bis 31. März annulliert.

Da nördliche Mittelmeerdestinationen zum Baden noch zu kalt sind, weichen viele Sonnenhungrige auf die Kanarischen Inseln aus. «Im Februar und März wird es auf den Kanaren etwas enger als üblich», sagt Peter Brun, Pressesprecher von Kuoni. Etwa die Hälfte der annullierten Reisen würden umgebucht. Davon der grösste Teil auf die Kanaren.

Weniger Last-Minute-Angebote

Kuoni hat auf die gesteigerte Nachfrage reagiert: «Bis Anfang April haben wir zusätzlich zwei Flüge pro Woche auf die Inseln.» Auch TUI Suisse hat wegen der Umbuchungen die Kapazitäten auf die Kanaren erhöht. «Dort herrschen ähnliche klimatische Bedingungen wie zurzeit am Roten Meer», sagt Roland Schmid, Pressesprecher von TUI Suisse.

Die Verlagerung auf die Kanaren wirkt sich auf das Last-Minute-Angebot aus, da Hotels und Flüge sehr gut ausgelastet sind. «Diesen Winter wird es für die Kanaren kaum ein Last-Minute-Geschäft geben», sagt Brun. Der Reiseveranstalter L’Tur, spezialisiert auf Last-Minute-Reisen, sieht die Preislage noch etwa gleich wie 2010. «Im Moment spielt hier noch der tiefe Eurokurs mit. Der kompensiert höhere Preise», sagt Andreas Kindlimann, Verantwortlicher L’Tur-Shops Schweiz. Durch die Annullationen für Ägypten und Tunesien laufe das Last-Minute-Geschäft sehr gut. «Viele buchen kurzfristig um.»

«Ägypten wird sich erholen»

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Ägyptens und bringt dem Land Devisen. Der Terroranschlag 1997 in Luxor setzte dem Nilstaat stark zu. Brun glaubt aber nicht, dass Ägypten diesmal längerfristig Schaden nehmen wird. «Wenn sich die Situation nachhaltig stabilisiert, denke ich, dass die Touristen sehr schnell zurückkehren werden», so Brun. Die Gewalt hätte sich nie gegen Touristen gerichtet, in den Badeorten selbst gab es keine Unruhen und die Infrastruktur sei intakt. Schmid von TUI Schweiz unterstützt diese Aussage seines Kollegen: «Die momentanen Unruhen lassen sich nicht mit dem Terroranschlag von 1997 vergleichen.» Die Schweizer wüssten, dass die ägyptische Bevölkerung vom Tourismus abhängig sei, sagt Brun. «Um die Menschen vor Ort zu unterstützen, werden die Schweizer wieder nach Ägypten reisen.»