Lebensmittel
Katzen und Kaffee lassen bei Nestlé die Kassen klingeln – nur China fällt hinten ab

Der Lebensmittelkonzern hat im vergangenen Jahr vom starken Online- und Detailhandel profitiert. Die Konsumenten deckten sich insbesondere mit Tierfutter, Nespresso und Gesundheitsprodukten ein.

Sarah Kunz
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Die Marken Purina und Felix von Nestlé trugen im vergangenen Jahr stark zum Wachstum des Konzerns bei.

Die Marken Purina und Felix von Nestlé trugen im vergangenen Jahr stark zum Wachstum des Konzerns bei.

Keystone

Die Coronapandemie konnte Nestlé nicht bremsen. Im Gegenteil: Zum dritten Mal in Folge steigerte der Lebensmittelkonzern mit Sitz in Vevey VD das organische Wachstum, die Rentabilität und die Gesamtkapitalrendite. Dies verkündete CEO Mark Schneider an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag. Insgesamt wuchs Nestlé um 3,6 Prozent. Dies entspricht dem höchsten Wachstum seit fünf Jahren.

Nestlé-CEO Mark Schneider.

Nestlé-CEO Mark Schneider.

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Am stärksten zulegen konnten die Heimtierprodukte wie Purina. Die Sparte Tierfutter konnte davon profitieren, dass mehr Menschen zu Hause blieben und sich ihren tierischen Begleitern widmeten. Nicht zuletzt legten sich im Coronajahr mehr Haushalte ein Haustier zu. Aber schon seit Jahren verzeichnet die Kategorie laut Schneider ein grosses Wachstum. Weiter seien Milchprodukte im hohen einstelligen Bereich gewachsen sowie Kaffee im mittleren einstelligen Bereich.

Als lohnende Investition habe sich auch der Vertriebsdeal mit Starbucks erwiesen: Der Umsatz mit den entsprechenden Produkten kletterte auf 2,7 Milliarden Franken und generierte 2020 einen zusätzlichen Umsatz von über 400 Millionen. Dabei gelangten die Verkaufssteigerungen vor allem über Kanäle wie den Detail- und Onlinehandel. Die Onlineumsätze stiegen indes um fast die Hälfte und steuern inzwischen 12,8 Prozent zum Umsatz bei.

Verkauf von US-Wassergeschäft als Teil einer Strategie

Folglich konnte Nestlé vor allem bei der Nachfrage nach Produkten für den Konsum zu Hause zulegen. Hingegen ging der Umsatz mit Süsswaren und Wasser zurück. Dies unter anderem, weil das Wassergeschäft stark von Hotels und Restaurants abhängt.

Erst am Mittwoch gab Nestlé den Verkauf des nordamerikanischen Wassergeschäfts an die US-Finanzinvestoren One Rock Capital Partners und Metropoulos & Co für 4,3 Milliarden Dollar bekannt. Nestlé hält einzig an internationalen Premium-Marken wie Perrier, S. Pellegrino und Acqua Panna fest. Damit beweist der deutsch-amerikanische CEO, dass er weiterhin an seiner Strategie festhält: Was zu wenig Gewinn abwirft, wird dicht gemacht oder verkauft.

Zu dieser Strategie passt auch der Verkauf des US-Glacégeschäfts und des Yinlu-Geschäfts mit Erdnussmilch und Reisporridge-Konserven in China. Die Veräusserungen sowie der starke Schweizer Franken gegenüber den meisten Währungen schmälerten aber den Umsatz: 2020 hat der Lebensmittelkonzern insgesamt einen Umsatz von 84,3 Milliarden Franken erwirtschaftet. Das sind 8,9 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Flexibles Arbeiten wird weiterhin für Aufschwung sorgen

Grosse Sorgen bereitete das Geschäft in China. «Damit sind wir überhaupt nicht glücklich», sagte Schneider an der Medienkonferenz. China verbuchte einen Rückgang des organischen Wachstums im hohen einstelligen Bereich, ein negatives internes Realwachstum und leicht negative Preisanpassungen. Das negative Wachstum sei dem Zeitpunkt des chinesischen Neujahrs, dem Rückgang in den Ausser-Haus-Kanälen und dem begrenzten Aufbau von Vorräten bei den Konsumenten während der Lockdowns zuzuschreiben.

Für die Aktionäre hält Nestlé eine freudige Nachricht parat: Der Konzern kündigt eine Erhöhung der Dividende an. Sie soll um 5 Rappen pro Aktien auf 2,75 Franken erhöht werden. Zudem will Nestlé den Aktionsplan zur Erreichung von Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 vorantreiben und Plastikabfälle minimieren. Für das laufende Jahr erwartet Nestlé ein «anhaltendes organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich.» Dies unter anderem, weil das flexible Arbeiten von zu Hause aus dem Geschäft zugutekomme.

Der CEO kam an der Bilanzmedienkonferenz ausserdem auf den Vorwurf der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen zu sprechen. Vergangene Woche reichte die Organisation IRAdvocates im Namen von acht Männern eine Klage gegen mehrere Schokoladenproduzenten wegen Kindersklaverei ein – unter anderem auch gegen Nestlé. Schneider hielt fest, dass Kinderarbeit keinen Platz im Unternehmen habe und Nestlé sich stark gegen Sklaverei ausspreche. Man setze sich unablässig für die Beendigung von Kinderarbeit ein und bekämpfe ihre Ursachen mit dem Nestlé Cocoa Plan, so Schneider.