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Langzeit-Arbeitslose: Es gibt mehr Männer und mehr Schweizer

Männer sind häufiger langzeitarbeitslos als Frauen (Symbolbild).

Männer sind häufiger langzeitarbeitslos als Frauen (Symbolbild).

Die Zahl der Menschen, die seit mehr als einem Jahr auf Arbeitssuche sind, hat sich gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent erhöht. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Schweizer eher als Ausländer. Wieso?

In der Schweiz gibt es 4,3 Millionen Menschen, die einer Arbeit nachgehen wollen. Wie die heute publizierten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, waren im September 131‘072 Personen oder 3 Prozent bei den Regionalen Arbeitsvermittlungs-Ämtern (RAV) als arbeitslos gemeldet. 21‘020 Personen oder 0,5 Prozent gelten als Langzeitarbeitslose. Sie beziehen schon länger als ein Jahr Arbeitslosengeld.

Gemäss dem geltenden Recht haben Personen, die mehr als 18 Monate Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben, Anrecht auf 400 Taggelder (rund 18 Monate). Danach wird der Arbeitslose ausgesteuert und gilt als Sozialfall. Langzeitarbeitslose sind also besonders betroffen vor einem Abstieg in die Sozialhilfe und der damit einhergehenden Stigmatisierung durch die Gesellschaft.

Die Folgen können gravierend sein, wie eine Studie der Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich (Amosa) von 2007 aufzeigte. «Mit der Dauer der Arbeitslosigkeit sinken die Chancen einer Person, wieder eine Stelle zu finden», so die Amosa-Studie. Soziale, psychische und physische Probleme seien die Folge. Zudem würden sich Qualifikation und Berufserfahrung mit der Abwesenheit vom Arbeitsmarkt entwerten. «Schliesslich hat sich in den Befragungen der Arbeitgeber gezeigt, dass Arbeitgeber Langzeitarbeitslose stigmatisieren, weil sie davon ausgehen, dass mit Personen, die lange arbeitslos sind, etwas nicht in Ordnung ist», heisst es im Amosa-Papier.

Frauen melden sich trotz Arbeitslosigkeit beim RAV ab

Männer sind diesen Gefahren stärker ausgesetzt als Frauen. Wie die Seco-Zahlen zeigen, ist der Männeranteil bei den Langzeitarbeitslosen mit 11‘675 Personen deutlich höher als der Frauenanteil mit 9345 Personen. Gemäss Isabelle Wyss vom RAV Baden habe das damit zu tun, dass Frauen eher als Männer bereit seien, auch eine schlechter qualifizierte Arbeit zu akzeptieren. «Ein Teil der Frauen meldet sich aber auch beim RAV ab, ohne dass sie eine neue Arbeit gefunden haben, weil ihr Mann schon einer Arbeit nachgeht, und man zur Einsicht gelangt, dass auch ein Lohn reicht», so Wyss im Gespräch.

Auch zwischen Schweizern und Ausländern tut sich bei den Langzeitarbeitslosen eine Schere auf. 11‘506 Schweizer stehen 9514 Ausländern gegenüber. Wyss führt das darauf zurück, dass sich Ausländer tendenziell auf Stellen bewerben, die weniger hohe Ansprüche bezüglich Qualifikation stellen. Bei Schweizern müssen dagegen das Stellenprofil und die Entlohnung eher stimmen.

Am stärksten betroffen von Langzeitarbeitslosigkeit sind Branchen, die stark den konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt wie Gastgewerbe und Hauswirtschaft, Handel und Verkauf. «Das sind auch Branchen, wo gespart wird, und Arbeitslose deshalb tendenziell länger suchen müssen, bis sie eine neue Beschäftigung finden», so Wyss.

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