Projekt «007»
Lanciert Blocher eine Gratis-Zeitung?

Alt-Bundesrat Christoph Blocher plant eine Gratis-Sonntagszeitung – das sollen geheimnisvolle Druck-Offerten mit dem Decknamen von James Bond verraten.

Lina Giusto
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Alt-Bundesrat Christoph Blocher verstärkt angeblich seine verlegerischen Ambitionen.

Alt-Bundesrat Christoph Blocher verstärkt angeblich seine verlegerischen Ambitionen.

Keystone

Alt-Bundesrat Christoph Blocher macht mit einem neuen Projekt von sich reden. Wie das Fachmagazin «Schweizer Journalist» in der Ausgabe vom 2. August schreibt, plant der SVP-Stratege eine Gratis-Sonntagszeitung. Aber nicht nur das: Die Auflage soll rund 500 000 Exemplare umfassen. Damit sagt Blocher den etablierten Sonntagsblättern klar den Kampf an.

Das Format soll als Zeitung 64 Seiten umfassen, in der Tabloidform gar 120. Dieser Umfang entspricht etwas denjenigem des «Sonntagsblicks», der «Schweiz am Sonntag» oder der «Sonntagszeitung». Im Unterschied zum Blocherschen Projekt sind diese aber nicht gratis. Diversen Medienberichten zu Folge gelangten Informationen über eingeholte Offerten bei verschiedenen Schweizer Druckereien mit dem Codenamen «007» an die Öffentlichkeit. Dahinter soll niemand Geringeres als das Polit-Schwergewicht aus Herrliberg und seine Mitarbeiter stehen. Wie der «Schweizer Journalist» weiter schreibt, gibt es bereits Druckstandorte für die Gratis-Zeitung. Demnach soll bei der Druckerei der Berner Zeitung, bei der Somedia-Druckerei in Haag und bei der NZZ-Tochter Zollikofer in St. Gallen gedruckt werden.

Laut Gerüchten schaut sich Medienmäzen Blocher noch nach einem vierten Standort um. Auf Anfrage sagt die Sprecherin der AZ Medien, zu der diese Zeitung gehört, Monica Stephani: «Bei der Mittelland Zeitungsdruck AG ging keine Offerten-Anfrage mit dem Codenamen ‹007› ein.»

Anlaufkosten von 100 Millionen

Stimmen die Informationen, ist Blochers Plan – wie gewohnt – ambitioniert. Als Chefredaktor der neuen Gratiszeitung wäre Markus Somm vorgesehen. Aktuell amtet dieser als Chefredaktor und Verleger bei der «Basler Zeitung». Verantwortlich für das Sonntagszeitungs-Konzept sei indes «Basler Zeitung»-Präsident Rolf Bollmann. Gegenüber «persoenlich.
com», dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft, sagt er: «Ich kann nur bestätigen, dass wir eine neuartige Idee für den Sonntagsmarkt in der Schublade haben.» Und weiter: Ein solches Projekt hätte Anlaufkosten von etwa 100 Millionen Franken – ohne Garantie auf Erfolg.

Tauschhandel mit Tamedia?

Im Zuge der Neulancierung erwägt Christoph Blocher offenbar, sein baslerisches Standbein gegen eines in Zürich einzutauschen. Demnach plant er einen Tausch der «Basler Zeitung» mit den Landzeitungen der Tamedia. Darunter fallen «Der Landbote», die «Zürichsee-Zeitung», der «Zürcher Oberländer» und der «Zürcher Unterländer». Christoph Zimmer, Mediensprecher von Tamedia, sagt auf Anfrage: «Ein Verkauf oder Abtausch ist für uns kein Thema. Deshalb gibt es dazu auch keine Verhandlungen.»

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