Frau Baumann, Sie haben vor zehn Jahren das traditionsreiche Läckerli Huus übernommen. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Miriam Baumann: Das Läckerli Huus ist klein, aber fein. Das Unternehmen ist gut aufgestellt und hat eine gute Grösse – mit Potenzial nach oben. Als ich damals auf der Suche nach einer unternehmerischen Herausforderung war, fiel mir der Entscheid für das Läckerli Huus relativ leicht. Es musste ein Unternehmen sein, dessen Geschäftsführung ich mir zutraute, bei dem ich etwas bewirken konnte und natürlich auch, von dessen Produkten ich Fan war.

Sie studierten Lebensmittelingenieurin und wurden später Produktionschefin beim Getränkehersteller Thurella. Was bewog Sie dazu, selber unternehmerisch tätig zu werden?

In den verschiedenen Führungspositionen, in denen ich tätig war, habe ich viel gelernt, aber auch vieles gesehen, das ich anders gemacht hätte. Irgendwann sagte ich mir: «Das kann ich auch.» Und dann ergab sich diese Gelegenheit beim Läckerli Huus.

Als Sie das Unternehmen übernahmen, war das Erstaunen gross. Wie haben Sie die Gemüter beruhigen können?

Das Erstaunen war vor allem in der Presse gross. Seit mittlerweile zehn Jahren führe ich nun das Läckerli Huus – meine Aufgabe war es stets, für die Zufriedenheit unserer Kunden zu sorgen, und nicht, die Medien zu beruhigen – aber das eine ergab dann wohl das andere.

Sie übernahmen das Unternehmen mit damals zwei Produktionsorten und haben diese an einem neuen Standort zusammengeführt. Was gab den Ausschlag für diesen Entscheid?

Unser Hauptsitz in Münchenstein war sehr alt und in den folgenden fünf bis zehn Jahren hätte sich sowieso eine Sanierung aufgedrängt – die Bodenlast war ungenügend, wir mussten bei jeder Investition den Boden verstärken und zudem die Raumhöhe anheben, weil sie zu tief war. Darüber hinaus war der Bau energetisch ungenügend – wir hätten alle Fenster austauschen müssen. Zudem entsprach das Gebäude natürlich nicht mehr den modernsten Anforderungen an eine Lebensmittel-Produktion aufgrund zu langer Wege und der Aufteilung auf mehrere Gebäude. Wir haben uns dann für einen Neubau entschieden und dabei auch unsere kleine Caramel-Produktion integriert.

Sie wollen das Läckerli Huus stetig ausbauen, um die steigenden Kosten aufzufangen. Wie gut gelingt Ihnen dies?

Dies ist keine Frage des Wollens, sondern des Müssens. Die Kosten für Regulierungen, Abgaben und so weiter steigen in allen Bereichen. Diese Ausgaben müssen wir über Wachstum auffangen. Wir sind auf einem guten Weg, aber der Prozess ist wohl nie abgeschlossen.

Wie stark wollen Sie im Ausland wachsen?

Aktuell generieren wir zirka zehn Prozent unseres Umsatzes im Ausland – wir stecken punkto Export also noch in den Kinderschuhen. Unsere beiden Hauptexportmärkte Japan und Deutschland pflegen wir weiter, bleiben aber natürlich auch da in der Nische. Für die nächsten Jahre setzen wir unseren Fokus aber auf den Heimmarkt Schweiz. Dies tun wir, indem wir zum Beispiel mit unserem neuen Schokoladesortiment die Kundenbasis vergrössern.

Was raten Sie anderen Frauen, die sich schwertun, trotz guter Qualifikation Karriere zu machen?

Nichts, das muss wohl jede für sich selber entscheiden. Entscheidet sich eine Frau für die Karriere, dann soll sie ihren Weg unbeirrt gehen, durch Leistung auffallen und sich nicht unter Wert verkaufen.

Sie werden demnächst zum zweiten Mal Mutter. Wie managen Sie die Doppelbelastung als erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter?

Mal besser, mal weniger gut. Mein Mann (Möbel-Pfister-Chef Matthias Baumann; Anm. d. Red.) und ich haben uns gut organisiert und glücklicherweise ein gesundes und unkompliziertes Kind – das erleichtert einiges.

Glauben Sie, dass Politik und Wirtschaft sich stärker für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen sollten?

Ich erlebe, gerade auch bei uns im Läckerli Huus mit einem Frauenanteil von 70 Prozent, dass bei Frauen oft das Karrieredenken in den Hintergrund rückt, sobald Kinder da sind. Die Prioritäten werden dann meistens anders gesetzt – dies gilt es zu respektieren.

Ihr Vater Christoph und Ihre Schwester Magdalena prägen die Schweizer Politik, während Sie in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend auftreten. Reizt Sie die Politik?

Ich bin aktive Stimmbürgerin und setze mich via verschiedene Verbände für unsere Anliegen ein. Aber für Politik fehlt mir die Zeit – und ich bin dafür wohl auch zu egoistisch.

Sie sind Mitaktionärin der Ems-Chemie. Wie stark engagieren Sie sich dort?

Da ich dort einen Teil meines Vermögens angelegt habe, interessiere ich mich natürlich, wie sicher mein Geld dort ist – beziehungsweise, wie gut die Anlage rentiert. Diese Beurteilung nehme ich aber als normaler Aktionär vor. Ich habe da kein «Ämtli».