Barack Obama wäre stolz auf Nestlé. Schliesslich ist der US-Präsident und Besitzer der Hunde Bo und Sunny bekennender Fan des nationalen «Take your dog to work day» – dem Tag, an dem viele Amerikaner ihren Bello oder Lumpi ins Büro nehmen dürfen. Die Schweizer Tochter des Nahrungsmittelkonzerns hat diesen Sommer ihr neues Bürogebäude in Vevey VD nahe dem internationalen Hauptsitz am Genfersee eröffnet. Das Spezielle daran: Eine Etage ist für Mitarbeitende mit Hunden gedacht, die bisher zu Hause bleiben mussten. Zur Ausstattung gehören Spielecken, Bettchen, Futter und Wasser. «Derzeit machen rund 15 Mitarbeitende von dieser Möglichkeit Gebrauch», sagt Sprecherin Nina Kruchten.

An einem Testtag wird geschaut, ob die Labradore, Chihuahuas und Möpse umgänglich und an fremde Menschen gewöhnt sind. Ist dies der Fall, darf der Hund zur Arbeit mitgebracht werden. Das Feedback sei bisher nur positiv, sagt Kruchten. Die Hundehalter würden die neue Policy schätzen, da sie so ihren Arbeitstag einfacher organisieren könnten.

Zudem verweist Nestlé auf Studien, wonach die Präsenz von Hunden im Büro den Stress reduziere, die Angestellten beruhige und und sie näher zusammenbringe. Das fördere wiederum das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen. Dass mal ein Hund bellt, gehöre dazu. Aufgrund des Erfolgs sei es durchaus möglich, dass das Konzept auf weitere Nestlé-Standorte angewandt werde, sagt Kruchten.

«Hatschi!»

Nestlé ist ein Einzelfall, wie eine Umfrage bei bekannten Schweizer Grosskonzernen wie UPC, DKSH, Swisscom, Novartis, Coop, ABB oder Migros zeigt. Bei den meisten heisst es, es bestehe kein Bedürfnis beim Personal, Haustiere ins Büro mitzunehmen, oder sie seien sogar explizit untersagt. Die Gründe sind klar: Manche Leute halten die Vierbeiner für eine unnötige, geruchsstarke Ablenkung, sind auf sie allergisch oder mögen sie schlichtweg nicht.

So auch bei den SBB, jedoch betont Sprecher Daniele Pallecchi mögliche Ausnahmen, namentlich Tiere, die im gesundheitlichen Zusammenhang ärztlich verschrieben sind, wie zum Beispiel Blindenhunde.

Eine interne Umfrage beim Personal der Fluggesellschaft Swiss hat kürzlich ergeben, dass sich jeder vierte Mitarbeitende wünschte, dass er an einem Tag pro Woche sein Haustier zur Arbeit mitnehmen dürfte. Entsprechende Anfragen würden derzeit nach der jeweiligen individuellen Situation entschieden, sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott.

Kollegen müssen das Okay geben

Beim Suchmaschinenkonzern Google tönt es etwas lockerer: Den Mitarbeitern sei es grundsätzlich erlaubt, ihre Hunde mit an den Arbeitsplatz zu nehmen. Vorausgesetzt werde dafür einzig, dass die unmittelbaren Arbeitskollegen damit einverstanden sind. Wie viele Hunde sich in den Zürcher Google-Büros tummeln, wird nicht gesagt.

Das Entgegenkommen der Unternehmen gegenüber den Hundehaltern passt zum Trend, wonach sich viele Grosskonzerne verstärkt darum bemühen, ihr Personal mit verschiedenen Massnahmen bei Laune zu halten. Ihre Absicht ist klar: Durch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz soll die Firma von der höheren Produktivität und Loyalität profitieren. In den Büros selbst werden Relax-Zimmer und japanische Gärten zur Erholung installiert und Yoga-Stunden über Mittag angeboten. Das konventionelle Grossraumbüro hat ausgedient.

28 Prozent arbeiten zu Hause

Wer trotzdem lieber zu Hause arbeiten will, soll das auch können. So hat eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte kürzlich ergeben, dass bereits 28 Prozent der Schweizer mindestens einen halben Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Und bei der Hälfte aller hierzulande Beschäftigten gäbe es die Home-Office-Möglichkeit dazu. Für Deloitte ist klar: Der tägliche Gang ins Büro und der fixe Arbeitsplatz verlieren zunehmend an Bedeutung. Insgesamt könnte rund die Hälfte der 4,9 Millionen Beschäftigten in der Schweiz mobil arbeiten.

Von den 72 Prozent der Befragten, die nach wie vor vor Ort in der Firma tätig sind, würde jeder Dritte gerne auch in den eigenen vier Wänden arbeiten. Und 85 Prozent derjenigen, die schon jetzt Home Office betreiben, möchten daran festhalten oder noch häufiger daheim arbeiten.

Als weitere Alternative zum Büro und zum Home Office nennt Deloitte die sogenannten Coworking Spaces – Bürogemeinschaften, die Arbeitsplätze auf Stundenbasis anbieten. In der Schweiz gibt es heute rund 50 solcher Spaces. In den nächsten zwei Jahren wollen 42 Prozent der Firmen ihr Angebot ausbauen.