Tourismus
Kuoni-Übernahme: Der Reisekonzern läutet eine neue Epoche ein

Die Übernahme von Kuoni durch die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT ist besiegelt. Bald verschwindet der Tourismuskonzern von der Börse und blickt einem fundamentalen Wandel entgegen.

Rico Kutscher
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Kuoni soll bald reichhaltiger und günstiger werden. (Archivbild)

Kuoni soll bald reichhaltiger und günstiger werden. (Archivbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Mit der ausserordentlichen Generalversammlung gestern in Zürich hat für den Traditionskonzern der Reisebranche Kuoni ein neues Zeitalter begonnen. Seit den Ursprüngen des Unternehmens, die bis ins Jahr 1906 zurückreichen, hat sich nicht nur der Reisemarkt gewandelt, sondern auch die Firma verfolgt nunmehr ein anderes Geschäftsmodell.

Der zweite Mai des Jahres 2016 wird für den Reisekonzern Kuoni in die Annalen eingehen. An diesem Tag sind zwei Vertreter des schwedischen Beteiligungsunternehmens EQT in den Verwaltungsrat eingezogen und die Kuoni-und-Hugentobler-Stiftung, ein langjähriger Ankeraktionär des Reisekonzerns, ist in die Rolle des Juniorpartners geschlüpft.

Zudem wurden die Vinkulierung der Aktien und die Stimmrechtsbeschränkung aufgehoben, die jahrelang der Stiftung das Sagen bei Kuoni gesichert hatten.

Fundamentaler Wandel

Notwendig geworden waren all diese Änderungen aus Sicht des Managements und der Stiftung, weil sich der Reisemarkt beispielsweise mit dem Einzug des Internets und somit vermehrten Online-Buchungen komplett gewandelt hat.

EQT und die Stiftung, deren Zweck der langfristige Erhalt der Kuoni Reise Holding ist, konzentrieren sich daher nach einer Lagebeurteilung nur noch auf drei Dienstleistungsbereiche für die globale Reiseindustrie und für Regierungen.

Erstens bietet Kuoni seit Anfang 2015 spezielle Dienstleistungen wie Übernachtungen, Transfers oder Exkursionen für andere Reiseunternehmen an. Zweitens verkauft Kuoni fortan Gruppenreisen vorwiegend an asiatische Reiseveranstalter.

Und drittens bearbeitet Kuoni im Auftrag von Regierungen bestimmte Visa-Anträge. Alle anderen Geschäfte, wie das Reiseveranstaltergeschäft, die Reisebüros, den Onlinevertrieb, die indischen Reiseaktivitäten, die Fluggesellschaft Novair, ein Ferienressort auf Fuerteventura und selbst die Liegenschaft des Hauptsitzes «Neue Hard» in Zürich wurden verkauft.

Als Kernregionen nimmt das Unternehmen künftig vermehrt Asien, den Mittleren Osten sowie Afrika ins Visier.

In genau diesem strategischen Fokus sieht EQT gute Chancen für Wachstum in dem starken Verwerfungen unterworfenem Reisemarkt. So sollen alle drei Geschäftsbereiche unabhängig voneinander weiterentwickelt werden. Ohne zu konkret zu werden, schwebt EQT beispielsweise der Ausbau des Visa-Geschäfts auf Studentenvisa vor. Auch Akquisitionen seien geplant.

Ob und bis wann nach der Übernahme von Kuoni durch die schwedische Beteiligungsgesellschaft ein erneuter Börsengang oder Teilbörsengang geplant ist, wollte gestern niemand verkünden. Allerdings ist es normalerweise das Geschäftsmodell von Private-Equity-Gesellschaften, die Übernahmeobjekte nach einer Umstrukturierung wieder mit Gewinn zu verkaufen.

Ein schneller Wiederausstieg von EQT, laut der Stiftung, sei aber nicht zu befürchten. Der Finanzinvestor verfolge einen langfristigen Anlagehorizont, und diesbezüglich gäbe es zwischen den Grossaktionären gewisse Vereinbarungen.

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