Industrie
Künstliche Intelligenz: Das plant ABB mit dem IBM-Supercomputer Watson

Der Schweizer Elektrokonzern spannt mit dem IT-Riesen IBM zusammen. Guido Jouret, Digitalchef des Technologiekonzerns ABB, erklärt die neue Kooperation: ««Schätzungsweise werden wir die ersten Lösungen im Laufe der nächsten sechs Monate auf den Markt bringen.»

Fabian Hock
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Guido Jouret, Digitalchef des Technologiekonzerns ABB. Getty Images

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Bloomberg via Getty Images

ABB drückt in Sachen Industrieautomation aufs Gas. Anfang April kaufte der Elektrokonzern aus Zürich Oerlikon die österreichische «Industrieperle» B&R für geschätzte 1,8 Milliarden Dollar und schloss damit eine «historische Lücke» in der Automatisierung von Fabriken, wie Konzernchef Spiesshofer zu sagen pflegt. Die Kooperation, die ABB gestern bekannt gab, dürfte der Division weiteren Schub geben: Der Schweizer Konzern spannt mit dem IT-Riesen IBM zusammen.

Damit hat ABB nun einen Partner, der beim Thema künstliche Intelligenz dank seines Supercomputers Watson in der ersten Liga spielt. Dieser Technologie will sich ABB nun bedienen. Profitieren soll dabei die Automationssparte – aber nicht nur diese: Gleich von Beginn an soll auch die Division Stromnetze aus der künstlichen Intelligenz Vorteile ziehen. Dank der vor kurzem lancierten Digitalplattform ABB Ability werde auf lange Sicht der gesamte Konzern von den Vorzügen profitieren, erklärt ABB-Digitalchef Guido Jouret im Interview.

Herr Jouret, Was erwarten Sie von der Kooperation mit IBM?

Guido Jouret: Mit der Partnerschaft wollen wir Probleme unserer industriellen Kunden lösen. Die Kombination von ABB-Technologie und der Watson-Technologie von IBM erlaubt es uns, unsere Maschinen mit kognitiver Intelligenz auszustatten. Hier geht es um automatisierte, autonome Entscheidungen und komplexe Messaufgaben, die Sensoren allein nicht durchführen können.

In welchen Bereichen soll das zum Einsatz kommen?

Wir wollen im Bereich der erneuerbaren Energien beginnen, zum Beispiel bei der Windenergie, sowie in der Qualitätskontrolle in der Industrie.

Welche ABB-Divisionen betrifft die Zusammenarbeit?

Letztendlich werden durch unser konzernweites digitales Angebot ABB Ability fast alle davon profitieren. Kurzfristig werden es die Bereiche Industrieautomation und Stromnetze sein.

Mit IBM Watson will ABB seine Smart-Grid-Technologie verbessern. Wie genau soll das gehen?

Eine Sache, die wir bei den Smart Grids optimieren wollen, ist die Integration der erneuerbaren Energien. Hier gibt es grosse Schwankungen sowohl bei der Bereitstellung als auch bei der Nachfrage von Energie. Je genauer man vorhersagen kann, wie viel Energie wann gebraucht und wie viel Energie wann und wo produziert werden kann, desto besser. Für die Stromproduktion können historische Daten herangezogen werden, etwa auf Basis der installierten Leistung oder auch des Kalenders. Auf dieser Grundlage lässt sich mithilfe der IBM-Technologie abschätzen, wie viel Energie benötigt wird und auch, wie viel produziert werden kann.

Mit dem IT-Riesen Microsoft hat ABB bereits eine Partnerschaft in Sachen Datenspeicherung. Wie wird sich die Kooperation mit IBM hier einfügen?

Die Partnerschaft mit IBM ist komplementär dazu. Microsoft ist unser wichtigster Partner für die Cloud. Mit IBM Watson bringen wir die künstliche Intelligenz in die Industrie.

Warum ausgerechnet IBM Watson?

Watson ist hier sehr gut aufgestellt, denn IBM ist in vielen Industriebereichen historisch präsent. IBM hat auch in Sachen Services und Lösungen einiges anzubieten. Microsoft ist in erster Linie ein horizontaler Service-Anbieter. Die horizontalen Werkzeuge wie etwa die Cloud sind wichtig, und wir werden sie auch weiter nutzen. Aber wir werden diese Möglichkeiten mit der Technologie von IBM Watson vergrössern.

Wie lang wird es dauern, bis die Kooperation Profit abwirft?

Im Moment prüfen wir die Chancen und wägen ab. Wir sprechen mit Kunden und führen Tests durch. Schätzungsweise werden wir die ersten Lösungen im Laufe der nächsten sechs Monate auf den Markt bringen.

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