Krankenkassen-Prämien

Kundenansturm kostet Groupe Mutuel 12 Millionen

Der Westschweizer Krankenkasse Groupe Mutuel rennen die Kunden die Türe ein.

Der Westschweizer Krankenkasse Groupe Mutuel rennen die Kunden die Türe ein.

Der Sieger der «Krankenkassen-Völkerwanderung» steht fest: Konsumenten rennen der Westschweizer Groupe Mutuel die Türe ein. Dieser Kundenanstieg könnte den Versicherer allerdings teuer zu stehen kommen.

Wie in den vergangenen Jahren steigen auch 2011 die Krankenkassenprämien überdurchschnittlich stark an. Dieser Misstand hat dazu geführt, dass seit Veröffentlichung der neuen Prämien im Herbst die Konsumenten in Scharen ihre Krankenkassenpolice kündigen und zum günstigeren Anbieter wechseln.

Nun zeigen Recherchen der az, dass die Westschweizer Krankenkasse Groupe Mutuel in diesem Jahr als Sieger der «Krankenkassen-Völkerwanderung» hervorgeht.

Die Groupe Mutuel rechnet für das Prämienjahr 2011 mit 120 000 Neukunden in der Grundversicherung und wird damit die magische Marke von einer Million Kunden überschreiten.

Eine Woche im Rückstand

Im Zuge dieses Ansturms zeigt sich, dass die Mitarbeiter der Westschweizer Krankenkasse mit der Bearbeitung der neuen Krankenkassenpolicen mit mindestens einer Woche im Rückstand sind. «Der Herbst und die ersten Monate des Folgejahrs sind jedes Jahr von Mutationen und Neueintritten geprägt. Wir tragen dem mit zusätzlichen Temporärkräften Rechnung», bestätigt Groupe-Mutuel-Sprecher Christian Feldhausen. Der Versicherer verzichte allerdings darauf, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Damit wird sich der Bestand von 1500 Mitarbeitenden nur unwesentlich ändern.

Prämienanstieg nur um drei Prozent

Die Kasse führt den enormen Kundenzustrom auf den vergleichsweise bescheidenen Prämienanstieg zurück. «Die Prämien 2011 für die Grundversicherung sind im Vergleich zum Vorjahr im schweizweiten Durchschnitt um drei Prozent gestiegen», sagt Groupe Mutuel-Sprecher Christian Feldhausen. Laut Bundesamt für Gesundheit steigen die Krankenkassenprämien im nächsten Jahr im Schnitt um 6,5 Prozent.

Der Krankenversicherer könne auch deshalb attraktivere Prämien anbieten, weil sie laufend die «administrativen Prozesse optimiere» und die Leistungsabrechnungen der Versicherten kontrolliere. So sparte die Groupe Mutuel 2009 laut eigenen Angaben 273 Millionen Franken an Kosten. Dieses Jahr rechnet der Konzern mit Einsparungen von 285 Millionen Franken.

Mutuel hat «gesundes» Wachstum

Zudem legt die Groupe Mutuel Wert darauf, dass sie den Zustrom an Neukunden als «gesund» erachtet. Schliesslich lägen die Reserven der Kasse bei 18,4 Prozent.

Hintergrund der Diskussion: Ein zu starker Anstieg von Neukunden wird für viele Krankenversicherer zur finanziellen Belastung. So auch für die Assura - den letztjährige Sieger der «Krankenkassen-Völkerwanderung» (siehe Box).

Assura-Reserven fallen

Während die Assrua in den vergangenen zwei Jahren 290 000 Neukunden zu verkraften hatte, verringerten sich deren Reserven von 35 auf 17 Prozent. «Anders als bei der Pensionskase, verlässt ein Versicherter eine Krankenkasse ohne aufgebaute Reserven», sagt Assura-Generaldirektor Jean-Bernard Pillonel im Gespräch mit der az.

Neben dem Anstieg der Neukunden äussern sich die beiden Krankenversicherer Assura und Groupe Mutuel gegenüber der az erstmals über die Kosten eines Krankenkassenwechsels und legen offen, über welchen Kanal die Neukunden zu ihnen gelangen.

Wechsel kostet 100 Franken pro Kopf

Assura-Generaldirektor Jean-Bernard Pillonel bestätigt Recherchen der az, wonach ein Wechsel der Grundversicherung die Kasse pro Kopf 100 Franken an administrativen Aufwand kostet. Die Groupe Mutuel will diese Zahlen zwar nicht kommentieren. Treffen die Berechnungen der Brancheninsider jedoch zu, dann könnten die Neukunden den Krankenversicherer gegen 12 Millionen Franken kosten.

Vermittler bescheren «dynamisches Wachstum»

Die Groupe Mutuel bestätigt hingegen, dass Neukunden - welche von Versicherungsberatern oder Vermittlern zur Krankenkasse kämen - den grössten Anteil der Neukunden ausmachen würden. «Wir arbeiten seit Jahren mit selbständigen Vermittlern zusammen, die uns besonders in der Deutschschweiz ein dynamisches Wachstum ermöglicht haben. Sie sind es auch, die durch ihre umfangreiche und zeitaufwendige Beratung beim Kunden auf die Möglichkeiten und Prämienvorteile der alternativen Versicherungsmodelle hinweisen, aber auch ihre Funktionsweise erklären», sagt Groupe Mutuel-Sprecher Christian Feldhausen. 

Da die Assura laut eigenen Angaben nicht mehr mit dem Vergleichsdienst Comparis zusammenarbeite, kämen die Neukunden der Assura entweder über dessen Homepage oder durch Vermittler zur Westschweizer Krankenkasse. Diese Verhältnis hält sich laut Pillonel die Waage.

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