AKW

Kuhhandel im Streit um AKW-Gesuche

Alpiq plant AKWs nun mit Axpo und BKW, dafür wird die Beteiligungsquote der Oltner sinken. Doch die entscheidende Frage nach dem Standort ist weiterhin nicht geklärt.

«Ein Meilenstein», «ein wichtiger Durchbruch», «ein Bekenntnis zur Versorgungssicherheit des Landes» – die Stromkonzerne Alpiq, Axpo und BKW überschlagen sich mit Superlativen in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung. Doch was der Öffentlichkeit als grosse Einigung verkauft wird, ist bestenfalls ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen AKW-Gesuch.

Denn die entscheidende Frage nach dem Standort ist weiterhin nicht geklärt. So werden die drei Projekte in Beznau AG, Mühleberg BE und Gösgen SO «vorläufig parallel und gleichwertig weiterentwickelt». Eine «definitive Einigung», wann und wo die beiden AKWs gebaut werden sollen, wollen Alpiq, Axpo und BKW spätestens Mitte 2012 erzielen. Dann wird der Bundesrat über die Rahmenbewilligungsgesuche entscheiden.

Sollten sich bis dahin die Stromkonzerne nicht zusammenraufen können, kommt die «Ausserbetriebnahme der bestehenden Anlage» zum Tragen. In diesem Fall würde das Alpiq-Kraftwerk in Gösgen als jüngstes AKW nicht ersetzt werden.

Nach dem Bundesrat wird das Parlament über die Gesuche befinden. Das letzte Wort wird voraussichtlich Ende 2013 das Volk haben.

Konzertiertes Vorgehen

Worin also besteht die jetzige Einigung? Axpo, Alpiq und BKW wollen künftig als Trio die beiden Ersatz-AKWs planen. Dies soll die Kosten in ungenannter Höhe verringern, indem man beispielsweise mögliche Reaktortypen gemeinsam evaluiert und sich schliesslich auf eine technische Lösung einigt. Dieses konzertierte Vorgehen soll auch das Verfahren gegenüber dem eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi vereinfachen und beschleunigen.

Dazu beteiligen sich die Stromkonzerne zu je einem Drittel an einer Planungsgesellschaft mit noch unbekanntem Namen, Sitz und Personalgrösse. Auch muss die Gesellschaft erst noch gegründet werden.

Tochtergesellschaft mit 40 Mitarbeitern

Allerdings unterhalten Axpo und BKW mit der Firma Resun bereits jetzt eine Tochtergesellschaft mit 40 Mitarbeitern, welche die Rahmenbewilligungsgesuche der beiden Stromkonzerne vorantreiben. Für BKW-Sprecher Antonio Sommavilla ist deshalb klar: «Resun wird um Alpiq erweitert.» Demgegenüber versteht Alpiq-Konzernsprecher Andreas Werz die neue Planungsgesellschaft als eigenständiges Konstrukt. Für Zündstoff unter den «Partnern» ist also bereits gesorgt.

Fest steht jedoch, dass Resun bereits Anfang Dezember Aufträge im Umfang von 14 bis 18 Milliarden Franken für neue AKWs in Beznau und Mühleberg öffentlich ausgeschrieben hat. Am Verfahren, das noch bis kommenden April läuft, halte man fest, sagt Sommavilla von der BKW. Alpiq dagegen wollte für ihren Standort Gösgen erst Ende 2011 mit dem Beschaffungsprozess beginnen.

Der Oltner Stromkonzern dürfte sich diese eigenständige Ausschreibung wohl sparen. Insofern ist Alpiq, die bisher im Alleingang agierte, Nutzniesserin der neuen Planungsgesellschaft. Verringern sich doch damit insgesamt die Vorinvestitionen und werden künftig auf drei Stromkonzerne verteilt.

Ausgleich gestaltet sich schwierig

Im Gegenzug musste Alpiq Zugeständnisse machen. Um die Kapital- und Energiebezugsverhältnisse wurde lange und intensiv gerungen. Denn kommt das erste Ersatz-AKW dereinst ans Netz, produziert Gösgen weiter Strom. Alpiq verzichtet deshalb auf drei Prozent am nuklearen Produktionsmix.

Der Anteil geht an die Berner und nicht an den Axpo-Konzern. Dies, weil die Nordostschweizer Kantone und damit vollumfänglich die öffentliche Hand schon heute mit 59 Prozent das grösste Risiko tragen. Dies auch im Vergleich zum Anteil am Versorgungsmarkt. Die Beteiligungsquote der BKW an den Partnerwerken erhöht sich dereinst auf 18,5 Prozent. Jene der Alpiq wird sich auf 22,5 Prozent verringern. 

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