Kryptowährungen
Neue Härte: China zieht Bitcoin-Minern den Stecker

Bis zu drei Viertel aller Bitcoins wurden in den besten Zeiten in der Volksrepublik geschürft, doch nun greift die Regierung rigoros ein - weil sie Bitcoin misstraut und eigene Pläne verfolgt.

Fabian Kretschmer aus Peking
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Bitcoin ist in China omnipräsent. Das gefällt der Regierung gar nicht.

Bitcoin ist in China omnipräsent. Das gefällt der Regierung gar nicht.

Sopa Images / LightRocket


Sie lassen sich überall dort finden, wo die Strompreise günstig und die Behördenkontrollen lax sind: am Fusse des Himalajas, in den nebelverhangenen Bergdörfern der Provinz Guizhou oder entlang der Kohlfabriken in der Inneren Mongolei. Ihre Server-Räume sind jedoch keineswegs auf den offiziellen Landkarten verzeichnet. Nur das konstante Summen der Maschinen verrät ihre Existenz.

Will China bis 2060 karbonneutral machen: Xi Jinping

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Zhang Ling / AP

Die Rede ist von Chinas Bitcoin-Minern, die in den besten Zeiten bis zu drei Viertel aller Coins weltweit geschürft haben. Doch damit ist jetzt Schluss: Eine Provinz nach der anderen geht mit aller Härte gegen die Miner vor. Zuletzt folgte die Provinz Sichuan mit einer Null-Toleranz-Politik. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Chinas Regierung dem Schürfen von Kryptowährungen den Riegel vorschiebt. Geduldet wurde die Branche ohnehin nur, weil sie in strukturschwachen Gegenden etlichen Chinesen ein Einkommen sicherte.

Allerdings widerspricht die energieintensive Tätigkeit den strengen Klimazielen der Zentralregierung, hat doch Staatschef Xi Jinping versprochen, sein Land bis 2060 zur Karbonneutralität zu führen.

Bitcoin lässt sich schlecht zentral kontrollieren

Am Montag forderte die chinesische Volksbank die wichtigsten Vertreter der Branche auf, keine Dienstleistungen in Verbindung mit Kryptowährungen mehr anzubieten. Diese «stören die Finanzordnung und bringen auch Risiken für kriminelle Aktivitäten wie illegale, grenzüberschreitende Vermögensübertragungen und Geldwäsche mit sich», hiess es in einer Stellungnahme.

Peking ist ohnehin der Bitcoin-Idee gegenüber kritisch eingestellt: Eine dezentrale Währung, deren Transaktionen nicht von der Staatsmacht überwacht werden können, widerspricht der Kontrollwut der chinesischen Regierung, die strenge Kapitalverkehrskon­trollen aufrechterhält, um eine Abwanderung der chinesischen Währung RMB zu verhindern. Dementsprechend rasch hat die Staatsführung den Handel mit Bitcoin als erste grosse Volkswirtschaft im Jahr 2017 verboten. Weiterhin legal ist nur der blosse Besitz.

Der Anti-Bitcoin respektive E-Yuan ist auf dem Vormarsch

Doch dass China ausgerechnet jetzt so harsch gegen die Krypto-Branche vorgeht, hat noch einen weiteren Grund. Seit sieben Jahren arbeitet die Zentralbank der Volksrepublik an der ersten staatlichen Digitalwährung, die sich als eine Art «Anti-Bitcoin» verstehen lässt: Sie wird zentral herausgegeben und macht jede Transaktion für die staatlichen Behörden überwachbar. Derzeit wird der «E-Yuan» in Pilotprojekten im ganzen Land ausprobiert.

Von der Benutzeroberfläche ähnelt der digitale Yuan den omnipräsenten mobilen Bezahldiensten wie «WechatPay» und «AliPay»: Man lädt eine App auf das Handy, die als virtuelles Portemonnaie fungiert, und kann dann via QR-Code Geld empfangen oder zahlen.

Eine regelrechte Revolution

Für die Wirtschaftsplaner der Zentralregierung jedoch ist die neue Digitalwährung eine regelrechte Revolution, verhindert sie doch jede Zweckentfremdung: Wenn etwa die Regierung im Zuge einer Pandemie die Gastronomie durch Finanzhilfen unterstützen möchte, dann aktiviert sich die überwiesene Summe erst, wenn sie auch tatsächlich beim Hotelbesitzer angelangt ist. Auch lässt sich die Währung mit einem Ablaufdatum versehen, etwa wenn die Regierung den Binnenkonsum ankurbeln möchte. Und sollte die Digitalwährung das Bargeld irgendwann einmal flächendeckend ersetzt haben, dann wäre es für die Regierung problemlos möglich, Negativzinsen in die Währung einzuarbeiten.

Für die Bitcoin-Community bedeutet Pekings Vorgehen gegen seine Miner kurzfristig Kurseinbrüche, doch langfristig sind sie eine zentrale Sorge los: Dass nämlich China durch die unzähligen Krypto-Schürfer im Land ihre massive Hebelwirkung irgendwann einmal gezielt als «Finanzwaffe» gegen den Bitcoin einsetzen könnte.

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