Kampagne

Krisengebeutelter Tourismus: Herbstliche Kurztrips sollen Unterländler in Berge locken

Die warme Herbstsonne in den Bergen geniessen.

Die warme Herbstsonne in den Bergen geniessen.

Einst vernebelt, heute golden: Der Herbst soll zum Geldbringer für den krisengebeutelten Bergtourismus werden. Dafür will eine Kampagne sorgen.

Die Gewohnheiten verändern sich in der Schweiz. Daraus will der alpine Tourismus nun Kapital schlagen. Einst verkrochen sich die Unterländer im Herbst tendenziell lieber daheim oder in der nahegelegenen Beiz. In den letzten Jahren wurde die einst nasskalte und vernebelte Jahreszeit abgelöst vom «goldenen Herbst»: Sonnenschein, milde Temperatur, ideal für Ausflüge in die Berge. Das blieb nicht unbemerkt. Eine neue Kampagne von Schweiz Tourismus soll den Unterländern den Herbst noch verlockender erscheinen lassen.

Diese Woche lanciert die Marketingorganisation allerlei Rabatte und Schnäppchen. Vorschläge für Kurztrips, Webcams und tagesaktuelle Herbstbilder sollen spontane Reisen auslösen. Bergbahnen und Hotels bleiben länger offen. Die Zahl der Herbstübernachtungen soll so nach einer Aufbauphase ab 2022 jedes Jahr um 200 000 Logiernächte zulegen. Zum Stand von 2017 ist das jeweils ein Plus von 3 Prozent. Im noch immer krisengeplagten alpinen Tourismus wäre das ein sehr willkommener Zuwachs.

Dabei helfen soll das Wetter. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Herbst schon seit Anfang der Neunzigerjahre spürbar höher – um 0,8 Grad – als in den sechs davor liegen- den Jahrzehnten. Das zeigen Zahlen von Meteo Schweiz, dem Bundesamt für Meteorologie. Herbstliche Stürme gibt es hingegen weniger als früher, Nebeltage ebenfalls. Und der erste Schnee kommt später im Jahr. Das verkürzt zwar die Wintersaison, die Bergbahnen können weniger Schneesportler rauf- und runterfahren – aber die Zeit für Wandern und Biken nimmt zu.

In den letzten Jahren zeigte sich der Wandel der herbstlichen Gewohnheiten bereits in den Statistiken. In den Monaten September, Oktober und November kamen 6,3 Prozent mehr Gäste in touristischen Destinationen als fünf Jahre zuvor. Mit diesem Zuwachs konnte aufgefangen werden, dass die Gäste weniger lange bleiben. Die Aufenthaltszeiten verkürzten sich um 5 Prozent. Unter dem Strich kam so ein Zuwachs von immerhin 1 Prozent bei den Logiernächten heraus.

So sonnig wie in 50 Jahren nicht

Das klingt so weit so gut. Indessen dürften die letzten Zahlen durch besonders grosses Wetterglück etwas geschönt gewesen sein. Im Herbst 2017 erlebte das Mittelland einen Altweibersommer allererster Güte: Es war der sonnigste Oktober in über 50 Jahren. Solche ungetrübten Herbsttage müssen nicht unbedingt häufiger werden. Der Herbst wird zwar wärmer, es regnet bislang jedoch noch die gleichen Mengen herunter. Meteo Schweiz sagt: «Im Herbst ist in allen Regionen der Schweiz keine signifikante Änderung der Niederschlagsmengen feststellbar.» Nur im Winter sei in der Messperiode ab 1864 eine Änderung zu erkennen: Der Niederschlag hat zugenommen.

So oder so ist der alpine Tourismus auf Wachstum angewiesen. Das zeigt schon die Debatte um die Verkündigung einer «Trendwende» im alpinen Tourismus. Im Winter hatte sich die Marketingorganisation Schweiz Tourismus getraut zu vermelden: «Der Turnaround ist geschafft». Nach acht harten Jahren habe man wieder mehr Logiernächte gehabt von Gästen aus der Eurozone. Aber natürlich gelte es noch viel aufzuholen. Auch diese vorsichtige Formulierung ging zu weit, fand die Arbeitsgemeinschaft der Berggebiete, die alle Bergkantone vertritt. «Von einer Trendwende kann nicht die Rede sein», schrieben sie über den Sommer in ein Positionspapier hinein.

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