Industrie

Krise bei General Electric: Nun muss der CEO selber von Bord – droht ein erneuter Stellenabbau?

Hatten den Verkauf ganzer Sparten von General Electric eingeleitet: CEO John Flannery tritt nach nur einem Jahr zurück.

Hatten den Verkauf ganzer Sparten von General Electric eingeleitet: CEO John Flannery tritt nach nur einem Jahr zurück.

In seiner Ära gingen bei GE-Schweiz rund 2400 Arbeitsplätze verloren. Nun muss John Flannery selber seinen Posten als CEO des amerikanischen Industriekonzerns räumen – nach nur einem Jahr als Chef. Kommt es bei GE nochmals zum Stellenabbau? Der Konzern beruhigt.

John Flannery muss seine beiden Posten beim Industriekonzern General Electric räumen. Kaum ein Jahr im Amt wird er als CEO und Verwaltungsratspräsident schon wieder abgelöst. Damit muss jener Mann von Bord gehen, der in der Schweiz für den Abbau von über 2000 Industrie-Arbeitsplätzen steht.

Nun hat es ihn selber erwischt. John Flannery muss seinen Posten als CEO von General Electric räumen, nachdem er erst im Juni 2017 das Ruder übernommen hatte. Damit muss jener Mann gehen, der in der Schweiz für den Abbau von über 2000 Industrie-Jobs steht.

In der Medienmitteilung ist Flannery dem US-Industriekonzern gerade noch einen einzigen Satz wert: «Mr. Culp (der neue CEO, die Red.) wird John Flannery als Verwaltungsratspräsident und CEO ablösen.» Keine Worte des Dankes.

Dabei war Flannery zuvor über dreissig Jahre für den Konzern tätig. Auch im Internet war der Wandel rasch. Auf Wikipedia wird Flannery bereits als «arbeitsloser amerikanischer Unternehmensleiter» geführt.

Flannery wurde die Energiesparte zum Verhängnis, die wichtige Funktionen im Kanton Aargau hat. Der Konzern werde die angekündigten Werte nicht erreichen, weil sich die Energiesparte erneut schlechter als erwartet entwickle, hiess in einer Medienmitteilung.

Alle anderen Sparten würden ihre Ziele voraussichtlich erreichen. Schon in den vergangenen Quartalen wurde GE stark durch die Energiesparte belastet. Analysten bezeichnen diese mitunter als Fass ohne Boden, weil der Abwärtstrend nicht zu stoppen scheint.

Architekt der Übernahme

Offenbar ist der GE-Verwaltungsrat zum Schluss gekommen, dass die Energiesparte dauerhaft die finanziellen Erwartungen nicht wird erreichen können. Der Konzern rechnet damit, den gesamten Firmenwert der Kraftwerkssparte abschreiben zu müssen. Derzeit wird dieser noch mit 23 Milliarden in den Büchern geführt. Die Abschreibung wird voraussichtlich in diesem Jahr zu einem hohen Verlust führen. GE hatte die Energiesparte dem französischen Konzern Alstom für fast 10 Milliarden Dollar abgekauft.

Der Niedergang im Energiegeschäft ist immens. 2010 wurde in der Branche gerechnet mit einer Nachfrage von jährlich rund 300 grossen Gasturbinen. Die tatsächliche Entwicklung blieb weit unter den Erwartungen, 2017 waren es noch 122 Gasturbinen. Für 2018 zeichnet sich nochmals ein markanter Rückgang ab. Generell hat sich der Markt von Turbinen für traditionelle Kraftwerke weg verschoben und hin zu erneuerbaren Energieformen.

Architekt der Übernahme der Energiesparte war John Flannery, der damals noch Chef der Abteilung «Business Development» war. Flannery lobte sich damals gleich selber. Die Übernahme sei «hochgradig strategisch» und habe «exzellente langfristige Wachstumsperspektiven». Stattdessen musste er später tausende von Stellen abbauen.

Im Dezember 2017 wurde die weltweite Streichung von 12'000 Arbeitsplätzen bekannt gegeben. In Europa traf es die drei Schweizer Standorte am härtesten: Baden, Birr und Oberentfelden. Total wurde damals die Streichung von 1400 Stellen verkündet, nach den Verhandlungen mit den Sozialpartnern waren es am Ende noch 1200. Damit beläuft sich der gesamte Abbau in der Schweiz auf rund 2400 Stellen.

Anfang 2016, also kurz nach der Übernahme, zählte General Electric noch 5300 Stellen in der Schweiz. Im Juni 2018, also rund zwei Jahr später, waren es noch 2800 Stellen, also 2500 weniger. Davon gingen etwa 100 zum Schweizer Industriekonzern ABB über, da dieser von GE das Geschäft «Power Industrial Solutions» gekauft hatte. Also gingen unter GE insgesamt etwa 2400 Stellen verloren.

Börse reagiert positiv auf neuen Chef

Neuer Chef wird mit Lawrence Culp ein Externer. Culp war zuvor von 2000 bis 2014 der CEO und Präsident von Danaher, ein anderer amerikanischer Mischkonzern. Culp machte trotz des offensichtlichen Niedergangs von GE auf Optimismus: «GE ist noch immer ein starkes Unternehmen.» Es sei ein Privileg, für so ein solch ikonisches Unternehmen zu arbeiten.

An der US-Börse hat GE jedoch seit Anfang 2017 rund 65 Prozent an Wert verloren. Zuletzt flog der Konzern nach über 100 Jahren aus dem Leitindex Dow Jones, ein weiterer Statusverlust dieses einstigen Flagschiffs der US-Wirtschaft.

Zumindest der Verwaltungsrat von GE verspricht sich nun von Culp eine Kehrtwende. Diesem sei die Umwandlung von Danaher gelungen von einem industriellen Hersteller in ein Forschungs- und Technologieunternehmen.

Ausdrücklich lobt der Verwaltungsrat, Culp habe einige erfolgreiche Übernahmen und Verkäufe bewältigt. Indirekt hob er damit nochmals Flannerys missglückte Akquisition der Alstom-Energiesparte hervor. An der Börse wurde Culp freudig begrüsst. Zwischenzeitlich zog der Kurs von GE um rund 12 Prozent an.

Kommt es nochmals zum Stellenabbau?

Am Standort Schweiz bleibt die Frage, ob Culp es bei den aktuellen Massnahmen belassen wird. An der Börse gehen Analysten davon aus, dass er wird Teile der Energiesparte verkaufen müssen.

Dazu sagt ein Sprecher: «Die bereits angekündigten Geschäftspläne und der Sozialplan von GE Power für die Schweiz bleiben unverändert.» Das ist allerdings eine Momentaufnahme. Ob es dabei bleibt, werden die nächsten Monate zeigen.

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