Alstom

Krise: Alstom geht die Power aus

Industrie leidet unter Krise.

Krise: Alstom geht die Power aus

Industrie leidet unter Krise.

Beim Energie- und Bahnkonzern brechen Aufträge im ersten Halbjahr um 20 Prozent ein.

Seit Anfang Jahr hat die Alstom-Aktie einen Viertel ihres Werts eingebüsst. Was die Börse im Kurs bereits eingepreist hat, wird nun auch in den Geschäftszahlen sichtbar. Der französische Transport- und Kraftwerkkonzern steckt in der Krise, wie das Halbjahr von April bis September zeigt.

Dabei gilt es, die dritte Konzernsparte Stromübertragung im Resultat auszuklammern, entstand Alstom Grid doch aus der Übernahme des Übertragungsgeschäfts von Areva für 2,3 Milliarden Euro und wird erst seit vier Monaten separat bilanziert.

Ohne Grid aber resultiert in allen wichtigen Kennzahlen ein deutliches Minus: Ob Umsatz, Reingewinn, Auftragseingang oder operative Marge: Alstom schneidet gegenüber der Vorjahresperiode durchs Band schlechter ab. Insbesondere der Auftragseinbruch um einen Fünftel gibt zu denken. Ganz zu schweigen von der Kraftwerksparte Power, die zwei Drittel zum Gesamtumsatz beisteuert und von Baden aus geleitet wird. So konnten die Franzosen im ersten Halbjahr kein einziges Grossprojekt, mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro, an Land ziehen. Vielmehr sackte der Auftragseingang von 1,8 Milliarden auf noch rund 870 Millionen Euro ab.

Hausgemachte Probleme

Alstom-Chef Patrick Kron verwies an der gestrigen Telefonkonferenz denn auch auf die schleppende wirtschaftliche Erholung in den westlichen Industriestaaten, welche auf die Stromnachfrage drückt. Mit der Konsequenz, dass die Energieversorger den Bau neuer Kraftwerke auf die lange Bank schieben und Alstom im Turbinenbau das nötige Auftragsvolumen fehlt.

Krons Ausblick dagegen ist verhalten optimistisch: Der Alstom-Chef hält am Zielband von sieben bis acht Prozent operativer Marge für das Gesamtjahr fest. Und auch bei Ausschreibungen für neue Aufträge sieht der 57-jährige Pariser wieder deutlich mehr Bewegung als noch Anfang Jahr.

Dennoch: Die Krise bei Alstom ist mehr als das konjunkturelle Leiden eines Spätzyklikers. Es gesellen sich einige hausgemachte Probleme dazu: Während die direkten Konkurrenten Siemens und ABB mit Wind- und Solarlösungen vom (subventionierten) Boom bei den erneuerbaren Energien profitieren, hat Alstom diesen Trend verschlafen und zu lange auf konventionelle Kraftwerklösungen gesetzt. Diese Strategie rächt sich nun doppelt: In den Industriestaaten setzen regulatorische Auflagen wie die EU-Klimaziele dem Wachstum enge Grenzen. Und in Asien sieht sich Alstom bei den wichtigen Kohlekraftwerken einem scharfen Wettbewerb mit lokalen Anbietern ausgesetzt.

Dies ist umso schmerzhafter, als Alstom rund 70 Prozent seiner Angestellten in Europa und den USA beschäftigt, aber bereits die Hälfte seiner Aufträge aus Schwellenländern bezieht. Kron müsse also darauf pochen, dass Alstom vermehrt dort produziert, wo auch die Aufträge herkommen.

Vor diesem Hintergrund ist auch der geplante Stellenabbau von 4000 Stellen, davon 760 in der Schweiz, zu verstehen. Diese Rosskur soll dem Industriekonzern in den nächsten vier Jahren Einsparungen von 450 Millionen Euro bringen. Vorausgesetzt natürlich, Alstom setzt sich mit geplanten Restrukturierungskosten von 200 Millionen Euro beim europäischen Betriebsrat durch.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1