Kreuzfahrten boomen nach wie vor. Geschätzt 30 Millionen Touristen werden in diesem Jahr ihren Urlaub auf einem Ozeanriesen verbringen – ein Rekord. Zwar machen die schwimmenden Kolosse nur einen kleinen Teil des globalen Schiffsverkehrs aus. Nichtsdestotrotz stossen sie jede Menge Schadstoffe und Klimagase aus. Das wird sich jetzt langsam ändern. Zumindest bei einigen Schiffen.

Im kroatischen Dubrovnik hat man die Notbremse gezogen. Seit diesem Jahr lässt die Adriastadt nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe pro Tag in den Hafen. So soll die Zahl der von Bord gehenden Touristen auf ein erträgliches Mass reduziert werden. Und es gibt noch einen zweiten Effekt: Weniger Schiffe sorgen für weniger Umweltbelastung durch Russpartikel, Schwefel- und Stickoxide in Hafennähe. Diese Schadstoffe gefährden die Gesundheit massiv. Sie sind es auch, die der Kreuzfahrtbranche viel Kritik eintragen.

Neuartiger Elektroantrieb

Einige Anbieter arbeiten daran, die Ökobilanz zu verbessern. Die norwegische Postschiffreederei Hurtigruten etwa. Im Mai legt ihr neustes Flottenmitglied ab, die MS Roald Amundsen. Wie bei Kreuzfahrten üblich, wird es an Bord viel Amüsement geboten. So überträgt das Schiff die Bilder von Unterwasserdrohnen live auf Bildschirme.

Das Besondere an dem Schiff ist aber der Elektroantrieb. Es kann mit Strom fahren. Das ist eine Neuheit in der Branche. Allerdings übernimmt die Batterie vorerst nur für kurze Zeit, hauptsächlich geht es ganz konventionell mit Marinediesel voran. Dennoch senkt die Hybrid-Technologie, gemeinsam mit «fortschrittlicher Rumpfkonstruktion» und effizienter Nutzung des Bordstroms, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen um 20 Prozent, wie die Reederei Hurtigruten schreibt. Man wolle die Kapazitäten zudem ausbauen, sodass künftig auch längere Fahrten mit Elektroantrieb möglich sind. Hurtigruten sieht künftig eine «geräuschlose und emissionsfreie» Schifffahrt. Passagieren können sich laut der Firma dann über ein «intensiveres Naturerlebnis ohne Motorenkrach» freuen.

Auch Aida Cruises, die deutsche Tochter des Konzerns Carnival, strengt sich an, nachhaltiger zu werden. Die «Aidanova», seit November unterwegs, fährt zu 100 Prozent mit Flüssigerdgas, kurz LNG (liquified natural gas). Hier wird Erdgas zwecks Verflüssigung auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt. So hat es viel weniger Volumen und kann besser gelagert und transportiert werden.

Laut Aida Cruises verringern sich die Stickoxid-Emissionen der «Aidanova» dank LNG um 80 Prozent und der Ausstoss von Russpartikeln und Schwefeloxiden um 100 Prozent. In Sachen Gesundheit ist dies eine klare Verbesserungen gegenüber Schweröl und Marinediesel. Ob LNG auch fürs Klima besser ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Aida Cruises gibt für sein LNG-Schiff 20 Prozent weniger CO2-Emissionen an. Jedoch hat Flüssigerdgas grundsätzliche Nachteile. So wird Erdgas zum Teil mittels Fracking gefördert – eine sehr umstrittene Methode. Zudem besteht es hauptsächlich aus Methan, welches um ein Vielfaches klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Bei Transport und Einsatz auf dem Schiff kann es entweichen. Ein weiteres Minus: Die Infrastruktur für die Betankung muss erst geschaffen werden.

Trotzdem gilt die «Aidanova» aktuell als Vorzeigeschiff der Branche. Die deutsche Naturschutzorganisation NABU setzte es beim Kreuzfahrt-Ranking 2018 auf Platz 1. Von der allgemeinen Entwicklung zeigt sich die Organisation aber enttäuscht. 75 der 76 untersuchten Schiffe, darunter acht der neun neuen, würden am «dreckigsten aller Kraftstoffe», dem Schweröl, festhalten. Besonders die Branchenriesen MSC Cruises, Celebrity Cruises und Royal Caribbean hätten beim Umweltschutz «kaum etwas zu bieten».

Noch keine Trendwende in Sicht

Nur Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises können laut der Organisation bei der Luftreinhaltung einigermassen mithalten. Ihre jüngsten Flottenzugänge hätten Stickoxid-Katalysatoren oder seien für die Versorgung mit Landstrom während des Hafenbetriebs gerüstet. Einen Partikelfilter zur Senkung der besonders gesundheitsschädlichen Russpartikel suche man jedoch auch bei diesen Schiffen vergeblich. Ein massiver technologischer Wandel sei nötig.

Fabian Weber vom Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern zeigt sich ähnlich kritisch: «Zwar haben sich die Antriebe bei einigen neuen Schiffen in puncto Umweltbelastung verbessert, allerdings auf sehr tiefem Niveau. Die allermeisten Schiffe sind nach wie vor mit umweltschädlichen Antrieben unterwegs.» Eine generelle Trendwende erkennt Weber nicht. Vom klimaneutralen Kreuzfahrtschiff, das zu 100 Prozent mit Ökostrom fährt, sei man noch weit entfernt.

Zwar hat sich die Weltschifffahrtorganisation IMO verpflichtet, die Emissionen bis 2050 zu halbieren, was zu weiteren Verbesserungen führen sollte. «Ein wesentliches Mass an Umweltbelastung bei Kreuzfahrtschiffen bleibt aber bestehen.» Zumal von den Passagieren wenig Veränderungsdruck ausgehen dürfte. «Der ökologische Gedanke steht bei Kreuzfahrttouristen, wie übrigens auch bei den meisten anderen Touristen, nicht im Vordergrund. Er spielt beim Buchungsentscheid kaum eine Rolle.» Ein zunehmendes Bewusstsein für nachhaltiges Reisen lasse sich aber erkennen, wenn auch momentan auf tiefem Niveau. Möglicherweise helfe die aktuelle Klimabewegung, das Umweltbewusstsein auch bei den Kreuzfahrtpassagieren zu schärfen.