In knapp drei Wochen ist es soweit: Ab dem 1. Juli dürfen Konsumkredite höchstens zu 10 Prozent verzinst werden. Heute sind es 15 Prozent. Mit diesem Schritt verfolgt die Politik ein Hauptziel: Die Kredite sollen weniger kosten, die Kreditnehmer sollen sich nicht mehr so hoch verschulden. Ausserdem trägt man dem Tiefzinsumfeld Rechnung. Kreditinstitute haben in den vergangenen Jahren satte Margen auf dem geliehenen Geld erhalten. Den Kreditnehmern haben sie dagegen während dieser Zeit kaum eine Zinserleichterungen gewährt.

Drohende Verschuldungswelle
Kreditinstitute hätten ihre Konditionen bereits angepasst und würden die Privatkredite derzeit mit maximal 9,9 Prozent verzinsen, sagt Bankenexperte Marc Parmentier des Internetvergleichsdienstes Comparis. «Die Kreditinstitute wollen die aktuelle Aufmerksamkeit für das Thema nutzen und bereits mit den günstigen Angeboten werben, um so neue Kunden zu akquirieren.» Kleinere Anbieter, wie zum Beispiel die Migros Bank— deren Maximalzins schon vorher tiefer lag – seien derzeit noch zurückhaltend mit weiteren Zinsanpassungen.

Interessant ist laut Parmentier vor allem, dass aktuell damit geworben wird, einen bestehenden Privatkredit abzulösen und durch einen neuen mit niedrigeren Zinsen zu ersetzen. Zum einen operieren solche Anbieter klar unter dem gesetzlichen Höchstzins, zum anderen bedienen sie ein Kundensegment mit einem tieferen Ausfallrisiko.
So strahlt derzeit die Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi von Plakatwänden und wirbt für Privatkredite der Cembra Moneybank. Als Marktführer hat das Institut bis anhin Kredite zu maximal 14,9 Prozent verzinst. Derzeit aber wirbt die Bank mit einer Verzinsung von nur 7,95 Prozent.

Unklare Folgen
Die tieferen Zinsen scheinen auf den ersten Blick wie ein Geschenk für den Kreditnehmer. Auf den zweiten Blick aber könnten die tiefen Zinsen auch zu einer Häufung der Schulden verführen. Droht mit der Zinssenkung also eine neue Verschuldungswelle? Barabara Zobrist, Stellenleiterin der Schuldenberatung Aargau – Solothurn winkt ab: «Der Rückgang des Höchstzinses führt klar zu einem Rückgang der Überschuldung, weil die Konsumenten weniger draufzahlen müssen.»

Zwar führe ein hohes Ausfallrisiko, wegen den schlechten finanziellen Verhältnissen der Schuldner, generell zu höheren Zinsen. «Aber durch die Reduktion der Zinsen wird es sich für die Kreditinstitute kaum mehr lohnen, Kredite an Personen zu vergeben, bei denen die Rückzahlung des Kredits überdurchschnittlich gefährdet ist.» Zudem schütze die Kreditfähigkeitsprüfung vor einer Überschuldung. Das Instrument müsse aber korrekt angewendet werden, so Zobrist.

Samuel Rutz, Projektleiter bei Avenir Suisse, kritisiert indes die bevorstehende Zinssenkung als fehlgeleitete Präventionsmassnahme: «Die Senkung des Höchstzinssatzes auf 10 Prozent dürfte gerade bei jenen, die man vor der Verschuldung schützen will, zu einer Abwanderung führen. Das heisst, sie weichen auf Kredite bei informellen Kreditquellen oder Bekannten aus.»

Die Charakteristiken der Bevölkerung mit mindestens einer Schuldenart

So machen Schweizer Schulden
Die letzten verfügbaren Daten über die Verschuldung der Schweizer Haushalte stammen zwar aus dem Jahr 2013. Die nächste Erhebung plant das Bundesamt für Statistik erst auf Ende 2018. Dennoch zeigen diese Zahlen eine Schweiz, wie man sie wenig kennt: Fast jede fünfte Person lebt in einem Haushalt mit Zahlungsrückständen, fast jede Zehnte in einem Haushalt mit Kontoüberzügen oder nicht bezahlten Kreditkartenrechnungen. Und immerhin fünf Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt, in dem mindestens ein erwachsenes Mitglied in den letzten 12 Monaten betrieben wurde.

Vor den Privatkrediten aber verschulden sich die Schweizer häufiger durch nicht bezahlte Steuerrechnungen, ausstehende Krankenkassenprämien und mit offenen Rechnungen bei Telekomanbietern.

Die Gründe für Kreditgesuche sind indes vielfältig: am häufigsten geht es um den Kauf eines Autos. Gleich danach verschulden sich Schweizer für den Möbelkauf. Laut internationalen Studien verschulden sich jene Personen häufiger, die über ein fehlendes Finanzwissen verfügen, die offene Rechnungen nicht mehr bezahlen können und bei denen Kredite mit impulsivem Kaufverhalten einhergehen.

Wofür Schweizer Schulden machen