Krebserkrankung
Bayer feiert einen Mini-Sieg für seinen Glyphosat-Unkrautvernichter – doch Zehntausende Kläger warten noch

Ein US-Gericht verneint im Fall eines kleinen Jungen die Kausalität zwischen Pestizid-Einsatz und Krebserkrankung. Doch auf Hersteller Bayer könnten trotzdem Kosten in Milliardenhöhe zukommen.

Daniel Zulauf
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Bayer gewinnt einen Prozess um das Glyphosat-Produkt Roundup.

Bayer gewinnt einen Prozess um das Glyphosat-Produkt Roundup.

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Der Unkrautvernichter «Roundup» war kein substanzieller Auslöser für die Krebserkrankung von Ezra Clark. Das Urteil eines Geschworenengerichtes in Los Angeles ist der erste Sieg, den der deutsche Chemiekonzern Bayer für den 2018 für 63 Milliarden Dollar erworbenen US-Agrochemiekonzern Monsanto erringen konnte.

Allerdings handelt es sich um einen Mini-Sieg, denn bei Monsanto sind noch 30’000 Klagen von Personen anhängig, die sich als Opfer des weitverbreiteten Spritzmittels sehen. Mit 96’000 Klägern hat Bayer bereits definitive Vergleiche gezogen und dafür mehr als sechs Milliarden Euro aufgewendet. In drei verschiedenen Gerichtsverfahren wurde der Konzern zu Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt.

Bayer sieht das Urteil als Bestätigung

Die Gerichte beurteilten dabei auch das Verhalten von Monsanto, mitunter etwa den Umstand, dass der Konzern den Unkrautvernichter seit Jahren ohne Gesundheitswarnung und ohne besondere Sicherheitsinstruktionen für die Anwender verkauft.

Im Fall von Ezra Clark hatten die Geschworenen aber lediglich die Frage über den kausalen Zusammenhang zwischen seiner Krebserkrankung und der Verwendung von Roundup zu beurteilen. Bayer kommentierte das Urteil als Bestätigung «der Einschätzung der zuständigen Regulierungsbehörden weltweit als auch der umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus vier Jahrzehnten».

WHO warnt vor Krebserkrankung

Bayer verweist stets auf Einschätzungen wie jene der US-Umweltbehörde EPA, nach der Roundup bei sachgerechter Anwendung keine Krankheiten verursache. Demgegenüber war die Weltgesundheitsorgansiation WHO 2015 zum Ergebnis gelangt, dass Glyphosat, die Hauptwirkungssubstanz in der Roundup-Formel, «wahrscheinlich krebserregend» sei.

Ezra war zum Zeitpunkt seiner Erkrankung erst vier Jahre alt. Bei vielen Roundup-Klägern vergingen aber zehn bis fünfzehn Jahre, bis es zur Erkrankung kam. Das Urteil im Fall Ezra ist also kaum repräsentativ. Wichtiger für Bayer ist deshalb der Verlauf des Berufungsverfahrens im Fall von Edwin Hardeman. Er war nach jahrelanger Verwendung des Unkrautvernichters an Krebs erkrankt.

Bayer hofft auf den Supreme Court

Ein Gericht in San Francisco hatte im Mai seine Schadenersatzforderung über 25 Millionen Dollar bestätigt – auch mit der Begründung, dass es Monsanto unterlassen habe, auf dem Produkt Warnungen anzubringen. Ungefähr zeitgleich mit dieser Niederlage hatte ein ebenfalls in Kalifornien ansässiges Gericht einen von Bayer ausgearbeiteten Vorschlag für einen Vergleich aller anhängigen und potenziellen Fälle im Wert von rund 12 Milliarden Euro als ungenügend zurückgewiesen.

In der Folge änderte die Beklagte ihre Strategie. Bayer hofft nun auf den wirtschaftsfreundlicheren Supreme Court, der den Fall Hardeman neu beurteilen soll. Allerdings ist noch überhaupt nicht klar, ob sich die höchste Gerichtsinstanz dem Verfahren überhaupt annehmen wird. Sollte Bayer eine Revision verwehrt bleiben oder käme es zu einer abermaligen Niederlage, müsste der Konzern einen teureren Pauschalvergleich anstreben oder die anhängigen und künftigen Fälle durchstreiten.

Dafür hat der Konzern 16 Milliarden Dollar zurückgelegt beziehungsweise teilweise schon ausgezahlt. Die Höhe der finalen Monsanto-Rechnung dürfte in zwei Jahren bekannt sein. Fast so lange läuft auch noch der Arbeitsvertrag von CEO Werner Baumann, der die fatale Akquisiton eingefädelt hatte.

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