Roviva
Korea-TV ist heiss auf Schweizer Betten

Ein koreanisches Fernsehteam filmte beim Matratzenhersteller in Wangen an der Aare. Grund: Roviva exportiert seit langem regelmässig nach Südkorea und unterhält dort auch eine Niederlassung.

hans mathys
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Firmenchef Peter Patrick Roth gibt Dolmetscherin Schaffner-Lim und Filmer Jung Auskunft.

Firmenchef Peter Patrick Roth gibt Dolmetscherin Schaffner-Lim und Filmer Jung Auskunft.

Solothurner Zeitung

Vier intensive Drehtage für eine halbstündige Sendung – auf diesen Nenner lässt sich der Besuch des koreanischen Fernsehens KBS (Korean Broadcast Services) beim Schweizer Matratzen- und Bettenhersteller Roviva bringen.

Als KBS bei Roviva-Geschäftsleiter Peter Patrik Roth anfragte, ob es dessen Firma vorstellen dürfe, sagte dieser spontan zu: Roviva exportiert seit langem regelmässig nach Südkorea und unterhält dort eine Niederlassung. So kann sich Roviva ins beste (asiatische) Licht rücken und gehört nun zu einer besonderen Gilde: «Company of 100 years».

Das Bett aus dem 18. Jahrhundert

Auch das koreanische Fernsehen muss sparen. So bestand das angekündigte «Fernsehteam» nur aus Produzent Sung Jun Jung und Übersetzerin In-Ock Schaffner-Lim aus Bern. Der erste Drehtag stand im Zeichen des Besuches bei Peter Paul Roth, dem Vater des heutigen Geschäftsleiters. Roth hatte 1958 die Arbeit bei der Roth & Cie aufgenommen und 2001 die Geschäftsleitung seinem Sohn übertragen. Jung filmte das aufbewahrte älteste Bett, das Firmengründer Johannes Roth im 18.Jahrhundert hergestellt hatte, bis ins kleinste Detail.

«Vorsicht, scharfes Messer!»

Am zweiten Drehtag verteilte Roviva-Betriebsleiter Andreas Stübe im Besprechungsraum den «Fahrplan», der die Rundgang-Details akribisch festhielt. Das Schild «Vorsicht, scharfes Messer!» vermochte den koreanischen Filmproduzenten (der deutschen Sprache nicht mächtig) ebenso wenig zu beeindrucken wie jener Sensor, der Unbefugte abhalten soll, der computergesteuerten Schneidmaschine zu nahe zu kommen.

Die Maschine «zaubert» mit einem rotierenden Messer komplizierte Konturen in den Schaumstoff. Filmer Jung war sichtlich fasziniert und nahm nach einigen Nahaufnahmen den Langenthaler Mirsad Deljc ins Visier, der mit der Oberflächenprofilierung von Schaumkernen an der Noppenschneidmaschine beschäftigt ist.

Öfter äusserte Produzent Jung auf Koreanisch Wünsche, welche die Dolmetscherin ins Deutsche übersetzte. «Ich heisse Regina Gräbner», beantwortete die in die Kamera blickende Einheimische die Frage nach ihrem Namen und zeigte, wofür sie bei der Matratzenverarbeitung verantwortlich ist. Filmproduzent Jung wurde in der Matratzenschliesserei erwartet – von drei Mitarbeiterinnen im roten Firmen-T-Shirt: Zorica Jovic und Mevljude Avdievska (beide 17 Jahre dabei) sowie Mejra Mujcinovic (9 Jahre). Auch die Nähmaschinen sind fest in Frauenhand. Matratzenhüllen werden hier genäht. Als Rolf Stalder (Holderbank SO), Produktionsleiter Matratzen, seine Uhr konsultierte, war der «Fahrplan» um genau eine halbe Stunde überzogen.

Mistelis «Tellerwäscher-Karriere»

Dem «Matratzen-Morgen» folgte der «Holz-Nachmittag» mit der Lattenrost-Bearbeitung. Erhard Misteli erzählte vor laufender Kamera seine «Tellerwäscher-Karriere» bei der Roviva, die er vor 39 Jahren als Einkäufer begann. Heute ist Misteli Mitglied der Geschäftsleitung. Auch ein Ehepaar und ein Vater mit seinem Sohn kamen zu Wort. Einblicke in die Spedition beschlossen den zweiten Filmtag. Am Morgen des dritten Drehtages gewährte Roth dem Fernsehmann Einblicke in die Entwicklungs-Abteilung. Am Nachmittag wurde eine Kundenfamilie besucht, danach stand der Besuch eines Fachgeschäfts in Rothrist auf dem Programm.

Der koreanische Produzent zeigte auch am vierten und letzten Drehtag keine Ermüdungserscheinungen: Es folgten Hotelbesuche in Interlaken und Zürich. Fazit: Für das Schweizer Unternehmen bot sich eine Plattform, den Bekanntheitsgrad im asiatischen Raum zu steigern, für Produzent Jung viel Aufwand für 30 Minuten «Dokumentarfilm». Er verliess die Schweiz, um als Nächstes bei einer Firma in Prag anzuklopfen.