Konsum

Konsumentenschutz unterstellt Benetton Täuschung im Ausverkauf

Rabatte im Ausverkauf: Benetton soll mit falschen Preisschildern getrickst haben.

Rabatte im Ausverkauf: Benetton soll mit falschen Preisschildern getrickst haben.

In Schweizer Benetton Filialen sollen Kunden gemäss der Stiftung für Konsumentenschutz mit gefälschten Originalpreisschildern in die Irre geführt werden. Das italienische Modeunternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sind diverse Beschwerden von verärgerten Benetton-Kunden eingegangen. Klienten des italienischen Modehauses haben im Ausverkauf festgestellt, dass der Originalpreis auf dem Preisschild durch einen teureren Preis ersetzt worden war. Wird ein Kleidungsstück im Ausverkauf zu einem prozentual reduzierten Preis angeboten, geht der Kunde davon aus, dass die Prozente auf den ursprünglichen Preis gewährt werden. Wird nun der Ursprungspreis vor dem Preisabschlag künstlich verteuert, stellt dies eine Täuschung der Konsumenten dar, schreibt die SKS.

«Konsumenten werden getäuscht»

Die Konsumentenschützer überprüften die Vorwürfe der Benetton-Kunden und fanden etliche Kleidungsstücke mit überklebten oder überschriebenen Originalpreisen. «Durch die gefälschten Originalpreisschilder werden die Konsumenten über den wahren Preisnachlass getäuscht», sagt Sara Stalder, SKS-Geschäftsleiterin, der «Nordwestschweiz». Die SKS hat Benetton Schweiz deshalb aufgefordert, von dieser «konsumentenunfreundlichen» Preispolitik umgehend Abstand zu nehmen und für eine korrekte Kundeninformation in allen Filialen zu sorgen. «Es kommt selten vor, dass in einer solchen Form flächendeckend getäuscht wird», so Stalder. Es sehe so aus, als sei das ein bewusster Management-Entscheid.

Benetton empfindet Vorgehen als legitim

Benetton wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Weil wir in der Schweiz mit unabhängig geführten Partner-Läden zusammenarbeiten, schicken wir diesen unsere Kleider und anderen Accessoires mit einem Preisschild, das den von uns vorgeschlagenen Verkaufspreis angibt.» Die meisten belieferten Detailhändler würden dann anfangs Saison die Preise ändern, sprich erhöhen. Einige, indem sie die Originalschilder auswechseln und andere, indem sie den neuen Verkaufspreis einfach darüber schreiben. «Während der Verkaufssaison werden die Rabatte dann konsequenterweise auf die neuen Verkaufspreise angewandt», schreibt Benetton. Das Vorgehen der belieferten Partner empfinde man deshalb als legitim.

Die Benetton-Gruppe ist einer der bekanntesten Modekonzerne der Welt. Das Unternehmen verkauft seine Kleider in über 6500 Läden in 120 Ländern. Im Jahr 2011 machte Benetton über 2 Milliarden Euro Umsatz. Rund drei Viertel davon entfallen auf den Grosshandel – das heisst auf die Belieferung anderer Modeläden – und ein Viertel setzt man in den eigenen Filialen um. 2010 geriet das Unternehmen hierzulande negativ in die Schlagzeilen wegen einer Untersuchung der «Erklärung von Bern». Die Nichtregierungsorganisation hatte mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern unter die Lupe genommen. Benetton wurde dabei in die zweitschlechteste Kategorie («Nachlässige») von fünf Kategorien eingestuft.

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