Um den Schweizern das Einkaufen im Ausland zu erleichtern, gab die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) den Ratgeber «Zölle, Steuern & Co.: Grenzenlos einkaufen» heraus. Damit traf die SKS einen empfindlichen Nerv des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV). Denn der SGV versucht derzeit mit einer aufwändigen Werbekampagne, die Konsumenten daran zu erinnern, dass Einkaufen in der Schweiz Jobs sichert.

SGV-Vorstand und SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger glaubt, dass die SKS mit ihrer Broschüre den Einkaufstourismus noch anheize. «Bereits jetzt wandern Milliardenbeträge ins Ausland ab», sagt sie. Als Vertreterin der KMU könne sie den Ratgeber nicht akzeptieren. Zumal die Stiftung vom Bund subventioniert wird. Grundsätzlich begrüsse sie Informationen für Konsumenten, sagt Flückiger. Wenn es jedoch dahinführe, dass Steuergelder gegen die Interessen der Wirtschaft verwendet werden, stimme etwas nicht.

Flückiger reichte jetzt eine Interpellation ein, um zu erfahren, wie der Bundesrat zu den Geldern steht. Der Konsumentenschutz ist in der Verfassung verankert. Der Bund hat soeben die Subventionen für die Konsumentenorganisation von 750 000 auf 1 Millionen Franken pro Jahr erhöht. Davon kriegt die SKS rund 240 000 Franken, 17 Prozent ihres Budgets. Flückiger wartet die Antwort des Bundesrats ab. «Sie wird aufzeigen, ob die Gelder richtig eingesetzt werden oder ob sie gar gestrichen werden müssen.» Je nachdem reagiere sie mit einem weiteren Vorstoss.

«Mundtot machen»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS, versteht die Aufregung nicht: «Im Ratgeber stehen Informationen, die öffentlich im Internet zugänglich sind.» Die SKS habe diese lediglich gesammelt und verständlich dargestellt. Für den Ratgeber muss der Konsument denn auch 9.50 Franken hinblättern. Mit der Interpellation wolle der Gewerbeverband die SKS «mundtot machen».

Provoziert wurde die Aufregung durch einen Satz auf der SKS-Website: «Wer die Hochpreisinsel Schweiz verlässt und im Ausland einkauft, profitiert von deutlich tieferen Preisen.» Die SKS hat jetzt die Reizworte «Hochpreisinsel Schweiz verlassen» gestrichen. Laut Stalder entgegnete sie damit falschen Erwartungen: «Der Ratgeber enthält keine Tipps für Schnäppchenjäger», vielmehr gehe es «um Regeln und Vorschriften am Zoll, welche den Konsumenten am Ende noch eher vom Einkaufen im Ausland abschrecken als ihn dazu verführen».

In einem offenen Brief an SGV-Präsident Hans-Ulrich Bigler wirft Stalder ihrerseits dem SGV vor, er habe in der Gewerbezeitung selber die Mitglieder zum direkten Einkauf im Ausland ermuntert, als er schrieb: «Schweizer Unternehmer sollen vermehrt direkt aus dem Ausland importieren, um so Produktionskosten zu senken.»