NZZ-Verwaltungsrat Konrad Hummler musste am Freitagmorgen in seinem Leibblatt Neue Zürcher Zeitung NZZ schwere Kost lesen über sein Verhalten als Chef der Bank Wegelin. Unter dem Titel «Ein Lebenswerk verspielt» hält das Blatt kopfschüttelnd fest: «Vereinfacht ausgedrückt: Die Bank hat für einen Pappenstiel ihre Existenz verspielt.» Hummler muss sich in seiner NZZ «den Vorwurf gefallen lassen, in ihrem unternehmerischen Kerngeschäft, dem Umgang mit Risiken, Fehler begangen zu haben. Die zu wenig bedachte Übernahme toxischer Vermögen von mindestens 70 UBS-Kunden war fatal.»

Nicht nur in der Wirtschaftsredaktion des Weltblattes ist Hummler tief gefallen. Auch im Verwaltungsrat der NZZ wird er nur noch geduldet. Wie Recherchen der «Nordwestschweiz» ergaben, wollte Hummler nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident im Februar 2012 schon letzten Herbst wieder Nachfolger seines kurzfristig eingesprungenen Nachfolgers Franz Steinegger werden. Doch der Verwaltungsrat lehnte Hummler Ansinnen ab. Stattdessen schlägt der NZZ-Verwaltungsrat Etienne Jornod von der Galenica-Gruppe als seinen neuen Präsidenten vor. Franz Steinegger tritt zurück, weil er 70 wird und damit die statutarische Altersgrenze für dieses Gremium erreicht hat.

Hummler begründete seinen abrupten Abgang als NZZ-Präsident im Februar wie folgt: «Die rechtlichen Auseinandersetzungen im Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz erfordern den Einsatz sämtlicher physischen und intellektuellen Kapazitäten.» Deshalb habe er den Verwaltungsrat nachgesucht, das Amt des Präsidiums ad interim in andere Hände legen zu können. Schon damals hielt er ausdrücklich fest, dass seine Position als Verwaltungsrat davon unberührt bleibe.

Jetzt hat sich Hummlers Bank in seiner Anwesenheit vor einem New Yorker Gericht für schuldig erklärt, wissentlich Amerikanern geholfen zu haben, nicht deklariertes Geld vor dem US-Fiskus zu verstecken. Bleibt Hummler auch nach diesem Schuldeingeständnis NZZ-Verwaltungsrat? «Ich weiss nichts anderes», sagt Bettina Schibli, Leiterin Kommunikation der NZZ. Und ergänzt lakonisch: «Herr Hummler wurde 2011 von der Generalversammlung als Verwaltungsrat gewählt. Sein Mandat läuft 2015 ab. Daran hat sich für uns nichts geändert.» Dass Hummler sogar wieder VR-Präsident werden wollte, mochte Schibli hingegen weder bestätigen noch dementieren: «Ich habe keine Kenntnisse von den internen Diskussionen im Verwaltungsrat.» (wds)