Noch vor zwei Wochen griffen die SBB die BLS an. Damals ging es um die Konkurrenz im Fernverkehr. Gestern sassen die beiden Verkehrsbetriebe geeint am Tisch. Die Einigkeit kommt nicht von ungefähr. Auch wenn sich die beiden Firmen im Güterverkehr im Wettbewerb befinden, haben sie gemeinsame Ziele. Das wichtigste: Am liebsten würden SBB Cargo und BLS Cargo weniger zahlen für den Gebrauch der Schienen in der Schweiz. Und bei der Vergabe der Fahrzeiten nicht ständig zweite Geige hinter dem Personenverkehr spielen. Gemeinsame Forderungen, die einen. Und sich gemeinsam besser auf der politischen Agenda platzieren lassen.

Wer Güter von A nach B auf der Schiene transportieren will, muss für den Platz auf den Schienen einen sogenannten Trassenpreis bezahlen. Dieser fällt auch beim Personenverkehr an. Je nach Gewicht der Züge zahlen die Firmen höhere oder tiefere Trassenpreise. Bei schweren Zügen im Transitverkehr liege der Anteil dieser Trassenpreise bei rund 30 Prozent der Gesamtkosten. Im Binnenverkehr bei rund 10 Prozent, wie BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl gestern sagte. Und weil die Margen im Geschäft mit dem Güterverkehr nicht sonderlich hoch sind, drängen die Transporteure auf günstigere Trassenpreise.

Der Vorstoss kommt nicht von ungefähr. In Deutschland sollen die Trassenpreise um 50 Prozent sinken, wie das Bundesverkehrsministerium im letzten Jahr mitteilte. Damit will Deutschland die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schienen fördern. Nun wollen die Firmen, dass die Schweizer Politik nachzieht. Zwar profitieren auch sie im internationalen Geschäft von den günstigeren Tarifen in Deutschland. Doch: Für die Transporteure sind günstigere Tarife im Ausland auch eine Gefahr. Denn dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Güter nicht durch die Schweiz transportiert werden und so Aufträge verloren gehen.

Konkurrenz mit anderen Achsen

Die BLS Cargo hat bereits Aufträge wegen zu hoher Preise verloren. «Wir stehen grundsätzlich im Wettbewerb zum Güterverkehr auf der Strasse, aber auch im Wettbewerb gegenüber den anderen europäischen Nord-Süd-Transitachsen», sagt Stefanie Burri, Mediensprecherin von BLS Cargo, auf Anfrage. Da sei es in Vergangenheit auch schon vorgekommen, dass die BLS Aufträge an Transporteure verloren habe, welche auf den anderen Achsen, etwa über den Brenner, unterwegs sind.

Den Firmen geht es jedoch nicht nur um den Trassenpreis. Sondern auch darum, wie gut die Trassen sind. Das heisst, ob es möglich ist, in kurzer Zeit die Waren an den Zielort zu bringen. Und nicht etwa vom S-Bahn-Verkehr verdrängt zu werden. «Wir wollen den Güterverkehr und den Personenverkehr nicht gegeneinander ausspielen», sagt Ueli Stückelberger, Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV). Doch in Zukunft soll man nicht mehr ständig hinten anstehen, wenn es um die Vergabe der Trassen geht. Eine konkrete Forderung, etwa die Halbierung der Preise wie in Deutschland, machen der VöV, BLS und SBB nicht. «Am liebsten hätten wir natürlich beides», sagt Nicolas Perrin, Chef von SBB Cargo. Und meint damit günstigere Trassen und vor allem auch qualitativ bessere.

Der Hintergrund: Die Kosten im Güterverkehr in der Schweiz werden hauptsächlich von den Löhnen getrieben. Je länger ein Zug unterwegs ist, weil die Güterzüge anhalten, um etwa S-Bahn-Züge vorbeizulassen, desto teurer wird der Transport. Dem will nicht nur das Konglomerat aus VöV und Transportfirmen entgegenarbeiten, sondern auch der Bundesrat. Rund 11,5 Milliarden Franken will er investieren, um im Ausbauschritt 2035 die Bahninfrastruktur auszubauen. Mit diesem Schritt sollen auch sogenannte Express-Trassen für den Güterverkehr erstellt werden. So etwa eine zusätzliche Trasse für den Güterverkehr zwischen Basel über Olten nach Bern. Dadurch würde die Fahrtzeit verringert und somit auch die Kosten für die Transporteure.

Doch bereits zeigt sich in den Vernehmlassungsantworten zum Geschäft, dass es umstritten ist. Der Ausbau für den Güterverkehr dürfe nicht auf Kosten von S-Bahn-Linien, sprich des Personenverkehrs, gehen. Ein möglicher Konflikt, dem VöV und die Transporteure vorgreifen wollen. Heisst vor allem auch: Wenn man immer noch hinter dem Personenverkehr anstehen muss, dann wenigstens zu günstigeren Trassenpreisen.