WEF 2014

Konflikte zwischen Arm und Reich bedrohen Weltstabilität

Kluft zwischen Arm und Reich: Sao Paulo in Brasilien (Archiv)

Kluft zwischen Arm und Reich: Sao Paulo in Brasilien (Archiv)

Das soziale Sprengpotenzial in der Kluft zwischen Arm und Reich, Arbeitslosigkeit und die hohe Staatsverschuldung gehören zu den grössten Risiken auf der Welt. Sorgen machen sich Experten auch über den Fall, wenn das Internet massiv gestört oder ausgeknipst würde.

Wenige Tage vor Eröffnung des 44. Weltwirtschaftsforums in Davos hat das WEF eine Studie zu den grössten globalen Risiken veröffentlicht. Einkommensunterschiede, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Natur- und Umweltkatastrophen, der Klimawandel und Wasserknappheit sowie Cyberattacken rangieren ganz oben auf der Liste besorgniserregender Tendenzen.

Diese Risiken haben laut dem WEF nicht nur die schwersten möglichen Folgen, sondern treten auch am wahrscheinlichsten ein. Zu diesem Schluss kommen 700 Experten, die an der am Donnerstag publizierten Studie teilnahmen. Unter anderem koordinierten und unterstützten die Schweizer Versicherungskonzerne Zurich und Swiss Re die Studie.

Auch die Staatsverschuldung rangiert weiterhin weit oben auf der Liste. Die Folgen der Finanzkrise werden Regierungen, Notenbanken und Unternehmen weiter beschäftigen, weil sie das soziale Gefüge in vielen Ländern, vor allem im Westen, tangieren. Mit die stärksten Konflikte warten auf Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit.

"Infolge der Finanzkrise und Globalisierung sieht sich die jüngere Generation in den reifen Märkten mit immer geringeren Beschäftigungschancen konfrontiert, gleichzeitig muss sie aber die alternde Bevölkerung unterstützen", sagt David Cole, Risikochef der Swiss Re. Bildung und funktionierende Arbeitsmärkte nennt er als Mittel, um dieser sozialen Bombe den Sprengstoff zu nehmen.

"Cybergeddon"

Das Risiko eines Systemversagens der Informationsinfrastruktur ist laut den Experten dieses Jahr grösser sein denn je. Das Internet spielt eine immer zentralere Rolle bei der Erfüllung grundlegender Aufgaben.

Die NSA-Spionage- und Überwachungsaffäre, welche die Staatengemeinschaft seit Juni 2013 beschäftigt, hat aber das Misstrauen gegenüber dem World Wide Web erhöht. Als Folge könnte aufgrund nationaler Internet-Restriktionen und Datenschutzgesetzen die ursprünglich weltweit verbindende Funktion des Web behindert werden, heisst es weiter.

Die Studie spricht aber auch von der Gefahr, dass nicht Staaten und Geheimdienste, sondern Hacker und Kriminelle das Netz für ihre Zwecke nutzen. Das Szenario, in dem Hacker das Netz dominieren, wird in Anlehnung an biblische Verheerungen "Cybergeddon" genannt und würde das Vertrauen in das Internet massiv schädigen.

Schwache Entscheidungsträger und Reformstau

Der klassische, möglicherweise militärische Konflikt zwischen Staaten sowie Handelskriege bleiben eine Bedrohung für eine stabile Welt. Brodelnde Konflikte in den Schwellenländern könnten zu Instabilität führen, hält der Bericht weiter fest.

Von den vier grossen Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China ist nur Indien im vergangenen Jahr von soziale Unruhen verschont geblieben. Im Zentrum aller Risiken und Wahrscheinlichkeiten steht indessen das Versagen verantwortlicher Instanzen.

"Governance Failure" führt zu politischer, und gesellschaftlicher Instabilität, fördert den Terrorismus, lässt die Bedrohung durch Finanzkrisen steigen, lähmt die Funktionsweise von Institutionen und behindert den Willen, Klimaprobleme in den Griff zu bekommen.

In einer vernetzten Welt, in der sich Kräfteverhältnisse rasch verschieben, sind die Risiken immer enger miteinander verbunden, wie die Studie aufzeigen will. Reformstau und langsamer Fortschritt bei der Bewältigung von Krisen fördere Instabilität, heisst es.

Das viertägige Weltwirtschaftsforum wird am 22. Januar von Bundespräsident Didier Burkhalter und WEF-Gründer Klaus Schwab eröffnet. Das Motto lautet "Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft". Erwartet werden 2500 Teilnehmer.

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