Kommentar
Riedener ist der beste Kandidat für das Emmi-Präsidium

Die Wahl des amtierenden CEO ist aus Sicht der Corporate Governance nicht ideal. Aber sein Leistungsausweis ist überragend.

Maurizio Minetti
Maurizio Minetti
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Emmi-CEO Urs Riedener ist ohne Zweifel ein Erfolgsmanager. Zwei Mal galt er als möglicher Migros-Chef, auch bei Lindt oder Nestlé wurde er als Kandidat gehandelt. Begehrt ist Riedener unter anderem deshalb, weil er in den letzten 13 Jahren aus dem Schweizer Milchverarbeiter Emmi einen hochprofitablen und international ausgerichteten Nahrungsmittelkonzern geformt hat.

Riedener wechselt nun voraussichtlich drei Monate nach der CEO-Amtsübergabe auf den Stuhl des Verwaltungsratspräsidenten, wo er im Frühling 2023 Konrad Graber ersetzen soll. Ein solcher Wechsel von der operativen Spitze ins strategische Gremium ist eigentlich seit Jahren verpönt. In anderen europäischen Ländern entspricht dies nicht dem, was man unter guter Unternehmensführung versteht. Der Grund: Der Verwaltungsratspräsident muss eine kritische Distanz zum CEO haben, er muss die Machtbalance gewährleisten. Doch ist das bei einem Mann möglich, der selbst jahrelang und sehr erfolgreich CEO war?

Emmi muss sich den Vorwurf gefallen lassen, aus Sicht der Corporate Governance nicht die beste Lösung gewählt zu haben. Ein längerer Zeitabschnitt zwischen der CEO-Amtsübergabe und der Übernahme des Präsidiums wäre wünschenswert gewesen. Aus fachlicher Sicht ist Riedener aber der beste Kandidat für das Präsidium. Ihn ziehen zu lassen, wäre für Emmi ein enormer Verlust gewesen.

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