Kommentar
Die Credit Suisse verliert ihren Präsidenten und damit die Hoffnung

Vor zwei Monaten verglich Thomas Gottstein noch UBS und Credit Suisse mit Real Madrid und Barcelona. Heute ist der schiefe Vergleich ungewollt aktuell.

Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel
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Hat als Hoffnungsträger bei der Credit Suisse schon nach neun Monaten ausgedient: Ex-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório.

Hat als Hoffnungsträger bei der Credit Suisse schon nach neun Monaten ausgedient: Ex-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório.

Facundo Arrizabalaga / EPA

Wie Real Madrid gegen Barcelona, so sei es auch mit der UBS und seiner Credit Suisse, meinte CEO Thomas Gottstein. Die spanische La Liga sei stärker, der Schweizer Finanzplatz auch, wenn es zwei grosse Player gebe. Eben, Real Madrid gegen Barcelona, das sei wie UBS gegen Credit Suisse. Den Vergleich zog Gottstein im November letzten Jahres. Er wurde von der Agentur Bloomberg interviewt, zusammen mit Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório. Es ist nur zwei Monate her, und doch schon Vergangenheit. Horta-Osório war der Hoffnungsträger, der nach Milliardenpleiten einen Kulturwandel herbeiführen sollte. Jeder Mitarbeitende sollte im Herzen ein Risikomanager sein.

Zwei Monate später ist die Hoffnung weg, Horta-Osório auch. Er managte seine Risiken nicht: Zweimal missachtete er Quarantäneregeln, davon einmal, um ein Tennisspiel in Wimbledon zu sehen. Ansonsten benutzte er offenbar den Firmenjet mehr als jeder andere vor ihm. Seine Glaubwürdigkeit war längst weg. Noch aktuell ist hingegen der schiefe Fussballvergleich, wenn auch ungewollt. Real Madrid ist top, Barcelona abgestürzt. Die UBS steht gut da, die CS muss wieder aufstehen.

Der UBS scheint die Neubesetzung der Spitze gelungen zu sein. Sie will sich digitalisieren, und hat einen CEO geholt, der das bei einer anderen Bank schon gemacht hat. Sie will in den USA wachsen und hat einen Verwaltungsratspräsidenten auserkoren, der das bei einer anderen Bank schon gemacht hat. Oder anders gesagt, die UBS hat einen Plan und sucht sich dazu das passende Personal aus. Ganz anders sieht es bei der CS aus. Der CEO der CS ist angeschlagen. Gottstein versprach eine neue Ära, als er neu im Amt war. Es folgten überaus teure Skandale. Und Axel Lehmann, der auf Horta-Osório folgt, wirkt nun wie eine Notlösung auf dem Posten des Verwaltungsratspräsidenten.

Die Börse weiss genau, wer am Zürcher Paradeplatz gerade Real Madrid ist und wer Barcelona. Die UBS wird mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Credit Suisse.

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