Koffein-Knatsch
Neuer «Latte» sorgt für Kaffee-Knatsch: Lidl kopiert Emmis Blockbuster-Getränk

Caffè Latte ist seit Jahren das erfolgreichste Produkt im Sortiment des Luzerner Milchverarbeiters Emmi. Doch neuerdings verkauft Lidl einen Kaffee, der dem Original äusserst ähnlich ist. Das stösst Emmi sauer auf.

Benjamin Weinmann
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Lidl kopiert das beliebte Kaffegetränk von Emmi: Caffè Latte von Emmi, links, und Latte light von Lidl.

Lidl kopiert das beliebte Kaffegetränk von Emmi: Caffè Latte von Emmi, links, und Latte light von Lidl.

Alex Spichale / MAN

Der Stolz kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren spülen die Caffè-Latte-Verkäufe viel Geld in die Kassen von Emmi. Auch im Corona-Krisenjahr 2020. So heisst es im aktuellen Geschäftsbericht: «Caffè Latte ist Emmis bekannteste und erfolgreichste Marke.» Auch in ausländischen Märkten wie Deutschland, Österreich, Grossbritannien oder Spanien sind die Koffein-Getränke, die es seit 2004 gibt, ein wichtiger Umsatztreiber für den Luzerner Milchverarbeiter, der im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Franken erwirtschaftete. «Caffè Latte» - der Millionen-Blockbuster schlechthin im Emmi-Portfolio.

Kein Wunder, gelüstet es Konkurrenten, am Erfolg teilzuhaben. So auch den deutschen Discounter Lidl. Dieser hat schon seit längerem Kaffeebecher für den Sofortverzehr in den Kühlregalen. Doch neuerdings kommen diese optisch anders daher. Und zwar fast so wie das Original von Emmi.

«Ich dachte, das sei der echte Caffè Latte»

Und zwar steht das Wort Latte in weisser Schrift auf einem schwarzen Kreis. Nur das Wort «Caffè» fehlt, und die Schriftart ist eine andere. Auch die Kubatur des Bechers ist ähnlich, sowie die Bewerbung auf der Unterzeile, dass der Kaffee aus Arabica-Bohnen gewonnen wird. «Ich dachte, das sei der echte Caffè Latte», sagt eine Kundin denn auch in einer Zürcher Lidl-Filiale, angesprochen auf ihre Kaffee-Wahl. Angesichts der optischen Ähnlichkeit wird der Preis zum Hauptunterschied: Lidls in Deutschland hergestellter Kaffee kostet 99 Rappen, Emmis Schweizer Getränk 1.89 Franken.

Der Lidl-Latte (links) wird in Deutschland hergestellt, jener von Emmi in der Schweiz.

Der Lidl-Latte (links) wird in Deutschland hergestellt, jener von Emmi in der Schweiz.

Chris Iseli / THE

Emmi ist die Verpackung des Lidl-Bechers nicht entgangen, wie eine Sprecherin bestätigt: «Uns ist das Produkt bekannt.» Und obwohl die Lidl-Lattes schon einige Zeit im Verkauf sind, sind sie für Emmi alles andere als kalter Kaffee. «Optische Anlehnungen an unser Design werden immer durch unsere Rechtsabteilung geprüft», sagt die Sprecherin.» Wenn sich diese zu stark an unsere Wort-Bild-Marke und unser Design anlehnen, wird dies nicht toleriert.»

Im Ausland heisst Emmis «Caffè Latte» nicht immer gleich

Offenbar ist diese Abklärung noch am Laufen. Denn auf die Frage, ob man beim deutschen Händler wegen der grossen Ähnlichkeit intervenieren werde, sagt die Sprecherin, dass man dies «zum jetzigen Zeitpunkt» noch nicht beantworten könne.

Die Emmi-Sprecherin betont, «Caffè Latte» habe die Produktkategorie der gekühlten Milchkaffees in Europa quasi begründet. Heute sei das Produkt in mehreren europäischen Märkten Marktführer. «Deshalb ist es nur logisch, dass die meisten Nachahmerprodukte, insbesondere Eigenmarken, sich an diesem Produkt orientieren.» Tatsächlich gibt es im Ausland inzwischen viele Nachahmer, von Mövenpick, über Starbucks bis hin zu Nestlé – und manche davon nennen sich ebenfalls «Caffè Latte». Deshalb hat Emmi vor zwei Jahren damit begonnen, im Ausland teilweise den Namen «Republic of Blends» zu verwenden.

Lidl weicht Fragen aus

Lidl scheint die Geschichte auf jeden Fall unangenehm zu sein. Auf die grossen Ähnlichkeiten angesprochen, gibt eine Sprecherin keine Antwort. Sie sagt bloss, dass man eine langjährige Partnerschaft mit Emmi und zahlreiche Produkte der Firma im Sortiment habe.

Emmi-Chef Urs Riedener ist stolz auf die Umsätze seiner «Caffè Latte»-Produkte.

Emmi-Chef Urs Riedener ist stolz auf die Umsätze seiner «Caffè Latte»-Produkte.

Tanja Demarmels / SON

Nur: Die Sache hat eine Vorgeschichte. Lange Zeit gehörte Emmi zu jenen Schweizer Markenherstellern, die auf eine Belieferung des deutschen Detailhändlers mit Hauptsitz in Neckarsulm verzichtete, nachdem dieser 2009 in den hiesigen Markt eintrat. Einerseits dürften sich die beiden Firmen beim Preis nicht gefunden haben.

«Buebetrickli»: Der Discounter holt die Emmi-Becher aus Deutschland

Andererseits dürfte auch das Image eine wichtige Rolle gespielt haben: Der Millionen-Blockbuster «Caffè Latte» ist im Vergleich zu Eigenmarken oft doppelt so teuer und fährt grosse Marketingkampagnen, unter anderem mit Ski-Star Wendy Holdener oder in der Vergangenheit als TV-Sponsor von «Germany's Next Topmodel» mit Heidi Klum. Eine Platzierung beim Billiganbieter könnte da komisch wirken. Und dann wären da noch Emmis wichtigste Abnehmer in der Schweiz. Den beiden orangen Riesen Coop und Migros gefällt es nie, wenn es eines ihrer Markenprodukt auch bei den deutschen Discountern zu haben gibt.

Doch Lidl foutierte sich um Emmis Weigerung und wagte ein «Buebetrickli»: Denn nach Deutschland liefert Emmi sehr wohl «Caffè Lattes» an Lidl. Und von dort re-importiert der Händler die Getränke zu sich in die Schweizer Regale. Die Luzerner waren ausgetrickst, seither steht die Luzerner Premiummarke «Caffè Latte» in den Regalen des deutschen Billiganbieters.

Verschwindet bald der Plastik-Deckel?

Fest zur Wegwerfverpackung von Caffè Latte gehört seit der Lancierung der abnehmbare Plastikdeckel mit Trinköffnung. Darunter liegt eine Alufolie, die am Rand gefestigt ist. Bereits vor knapp einem Jahr kündigte Emmi gegenüber dieser Zeitung an, alle Stülpdeckel zu überprüfen mit der Absicht, diese aus ökologischen Gründen vermehrt wegzulassen. Das ist bei «Caffè Latte» noch nicht der Fall. Die Lidl-Kopie ist Emmi diesbezüglich einen Schritt voraus. Dort fehlt der Plastikdeckel neu. Stattdessen kommt nach Abziehen der schützenden Alufolie eine weitere dünne Folie mit Trinköffnung zum Vorschein. Lidl habe sich zum Ziel gesetzt, den Plastikeinsatz bis 2025 bei eigenen Produkten aus Umweltgründen um 20 Prozent zu reduzieren, sagt die Sprecherin. Bei Emmi heisst es, eine ähnliche Lösung setze man bei anderen Trinkprodukten ein. Für «Caffè Latte» halte man sie aber noch nicht für optimal. Der Stülpdeckel werde von vielen Konsumenten geschätzt und er habe eine wichtige Funktion. Er schütze das Produkt während der Lagerung und dem Transport. Dies sei insbesondere beim Transport auch im Sinne der Umwelt. Ohne Plastikdeckel müsste Emmi mehr Karton oder Zwischenlagen verwenden, um zu verhindern, dass die Alufolie beschädigt wird.

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