Unterentfelden

KMU «zieht» die Schweizer Luftwaffe

Eine F/A-18 im Schjlepptau eines Elektrofahrzeuges von Klingler

Eine F/A-18 im Schjlepptau eines Elektrofahrzeuges von Klingler

Mit seinen Elektro-Spezialfahrzeugen holte sich der Kleinbetrieb Klingler einen Grossauftrag für die Luftwaffe. Es ist der grösste Auftrag, der das Unternehmen je gewonnen hat. Das KMU setzte sich gegen namhafte Konkurrenz durch

Landesweit bekannt wurde das Unternehmen vor etlichen Jahren mit den ersten Elektrotaxis für Hotelbetriebe in den autofreien Kurorten Zermatt und Saas Fee. Einen seiner bisher grössten Aufträge holte sich der Aargauer Nischenkünstler beim Bund, präzise: bei der Schweizer Armee. Diese orderte 30 Luftfahrzeugschlepper für die Luftwaffe.

Lange hätten sie sich um diesen Auftrag bemüht, blickt Firmenchef Willy Klingler mit Befriedigung zurück. Zum Umsatz will (und darf) sich Klingler nicht äussern. Er räumt ein, es habe sich um den grössten Auftrag gehandelt, der auch punkto Service eine interessante Grundauslastung bringe und da mit mithelfe, Arbeitsplätze zu erhalten. Aktuell zählt die Firma sieben mehrheitlich langjährige Beschäftigte.

Sieg in WTO-Ausschreibung

Die Konkurrenz war nahrhaft, damals vor drei Jahren, als der Beschaffungsauftrag im Rahmen einer WTO-Ausschreibung vergeben wurde. Gegen nationale und internationale Konkurrenten trat die W. Klingler Fahrzeugtechnik AG damals an. Im Mai dieses Jahres erfolgte die Auslieferung der ersten 15 von insgesamt 30 Luftfahrzeugschleppern. Bis Ende Jahr werden auch die restlichen Einheiten der zweiten Tranche übergeben. Mit diesem Beschaffungsauftrag werden dieselgetriebene Schlepper ersetzt, die seit dreissig Jahren im Einsatz stehen. Die neuen Luftfahrzeugschlepper sollen das Handling der Jets sicherer, umweltverträglicher und auch einfacher machen.

Konkret werden die Bugräder der Luftfahrzeuge über eine elektrohydraulische Winde auf eine Schaufel gezogen. «Auf diese Weise», erläutert Projektleiter Patrick Nyffenegger von Klingler, «entfällt der gefährliche und umständliche Umgang mit der schweren Schleppstange.» Ausserdem sei damit präzises Manövrieren auf engstem Raum möglich. Der Elektroantrieb erlaubt das Verschieben von Flugzeugen in Kavernen, Hallen und Unterständen ohne Beeinträchtigung durch Lärm oder Abgase. Der Luftfahrzeugschlepper Lektro ist universell für sämtliche Flugzeugtypen der Schweizer Armee einsetzbar.

Vor Jahren hat Klingler bereits für die Stanser Pilatus-Werke zwei Luftfahrtschlepper gebaut. Diese stehen in Irland im Einsatz. Die kundenspezifische Anfertigung von Spezialfahrzeugen ist ein zentrales Geschäftsfeld der Firma. Diese Fahrzeuge werden in Unterentfelden spezifiziert und montiert. Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld sind Handelsprodukte, die ebenfalls «in-house» nach Kundenwunsch modifiziert werden. «Mit dem Geschäftsgang sind wir zurzeit sehr zufrieden», erklärt Willy Klingler gegenüber der az. In den letzten Monaten habe die Firma einige Spezialfahrzeuge an Schweizer Gemeinden und Städte ausliefern können. Es sei festzustellen, dass das Qualitätsdenken und vor allem der Aspekt der Unterhaltskosten wieder an Bedeutung gewinnen würden.

Früherer Aebi-Mann neu an Bord

Der Luftwaffenauftrag markiert auch das Ende einer Ära: Gegen Ende Jahr zieht sich Willy Klingler nach 30-jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer aus dem Tagesgeschäft zurück, bleibt jedoch Haupteigentümer und Präsident des Verwaltungsrats. Als Nachfolger für den operativen Bereich hat Anfang August 2010 Peter Taeschler seinen Einstand gegeben. Taeschler war rund 10 Jahre lang in verschiedenen leitenden Funktionen für die Burgdorfer Maschinenbau-Gruppe Aebi tätig. Zuletzt war er Geschäftsführer einer Aebi-Tochter, die Fahrzeuge für den Kommunal- und Landwirtschaftsbereich herstellt.

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