Klima des Vertrauens bei Alu-Aktionären

Alu in Menziken: Auch Sitz der Montana-Gruppe (André Albrecht)

Alu Menziken

Alu in Menziken: Auch Sitz der Montana-Gruppe (André Albrecht)

Montana will ihre Mehrheitsbeteiligung an Alu Menziken erhöhen. Die Chancen stehen gut, dass die Aktionäre das Tauschangebot annehmen.

Thomas Röthlin

Am Donnerstagabend in Reinach machte die Montana Tech Components den Minderheitsaktionären der Alu Menziken Holding ihr Angebot schmackhaft. Seit gestern Freitag kann eine Alu-Aktie in 24 Montana-Aktien umgetauscht werden. Die Montana-Generalversammlung beschliesst am 4. Dezember die nötige Kapitalerhöhung. Montana will ihren Alu-Anteil von 52,3 auf mindestens 90 Prozent steigern.

Heute deutet einiges darauf hin, dass der Deal bis 8. Januar 2010 - dann läuft die allfällige Nachfrist ab - zustande kommt. Erstens haben Gross- und Kleinaktionäre der Montana bereits 60 000 der 191 000 Alu-Publikumsaktien schriftlich zugesichert. Die 90-Prozent-Hürde liegt bei 151 000 Aktien.

Montana-Aktie «risikoärmer»

Zweitens empfahlen im Saalbau auch Vertreter ihren Minderheitsaktionären zu tauschen. Verwaltungsrat Heinz Stübi sagte, der Alu-Wert sei angesichts der «tiefen Rentabilität enorm zyklisch». Demgegenüber habe die Montana in ihren Wachstumsmärkten Potenzial, was die Aktie «risikoärmer» mache. Aus operativer Sicht seien Synergien zwischen Alu und Montana heute blockiert. Im vierköpfigen Alu-Verwaltungsrat sitzen zwei Montana-Vertreter.

Vermögensverwalter Martin Wipfli sprach von einem «fairen Umtauschverhältnis» und verwies auf ein unabhängiges Gutachten, gemäss dem 1: 24 sogar am oberen Ende der Skala liege. Erst recht nach der Finanzmarktkrise, die auch den Alu-Marktwerk einbrechen liess. Wipfli war Delegierter von Minderheitsaktionären für die Verhandlungen mit Montana. Nach dem Montana-Einstieg bei Alu im Sommer 2007 habe er noch «die Faust im Sack gemacht», erinnerte Wipfli. Tempi passati.

Entspannt wirkte auch Klaus Sernetz, diesmal in seiner Rolle als CEO der Montana. Ausführlich stellte er die Divisionen der jungen Gruppe mit Sitz in Menziken vor. Hoffnungsträger ist die Batterieherstellerin Varta. Leistungsfähige Energieträger für Autos und Handys seien «die Hype-Industrie des kommenden Jahrzehnts», ist Sernetz überzeugt.

Investieren statt ausschütten

Der Österreicher ist aber auch Verwaltungsratspräsident der Alu Menziken. Hier machen ihm die stranggepressten Industrieanwendungen, Hauptgeschäft am Standort Reinach/ Menziken, mit ihrem «gravierenden» Umsatzrückgang Sorgen. Bei den Flugzeugprofilen sei die Performance «respektabel». Dies auch dank dem soeben in Betrieb genommenen Werk in Rumänien, wohin ein Teil der Fertigung in Menziken verlagert wird.

Obwohl breiter abgestützt als bei der Alu Menziken, dürften auch Montana-Aktionäre auf die Schnelle «keine rasenden Dividenden» erwarten, mahnte Sernetz. Gewinne würden lieber reinvestiert. Und mit den Alu-Aktionären, die schon offerierten, habe man ein Stillhalteabkommen bis Mitte 2010 vereinbart, bestätigte er eine Frage aus dem Publikum. Diese wollen Montana also mindestens ein halbes Jahr treu bleiben.

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