Coop

Kleiner Spielraum für Coop-Pronto-Pächter

Tankstellen- und Conveniance Shops sind ein gutes Geschäft – das ist die landläufige Meinung. Für Pächter von Coop-Pronto-Shops trifft das nicht in jedem Fall zu.

Seit Mitte 2008 kam es zu 31 Konkursverfahren von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), die für den Betrieb von Coop-Pronto-Shops gegründet worden waren. Das schreibt der «Tages-Anzeiger» in seiner Montag-Ausgabe. Das sei auffällig viel bei rund 210 Shops. Grund dafür seien die Franchiseverträge von Coop Mineralöl AG (CMA). Im Auftrag von CMA führen Pächter die Pronto-Shops.

Die Verträge liessen den Pächtern wenig unternehmerischen Spielraum. Das Sortiment sei vorgegeben und die finanziellen Rahmenbedingungen schränkten stärker ein als bei Franchisesystemen üblich: Coop habe Zugriff auf das Bankkonto der GmbH. Bei der Gründung der GmbH schiesse der Franchisenehmer den grössten Teil des Kapitals und trägt so auch einen Grossteil des Risikos. Coop sorge für die Einrichtung der Läden und verrechne dem Pächter eine Ladenmiete.

Trotz geringer Kapitalbeteiligung habe Coop mit zwei von drei Zeichnungsberechtigten die Mehrheit in der GmbH. Die CMA wolle so bei systematischen Verstössen, die für die Marke Coop imageschädigend seien, reagieren können. In den vom «Tages-Anzeiger» recherchierten Konkursen war es immer ein CMA-Vertreter, der ausschied und so den Konkurs provozierte.

Fazit, so der Journalist Romeo Regenass: Der Franchisevertrag ist ein verkappter Arbeitsvertrag.

Noch keine Konkurse bei Migrolino

Wie handhabt die Konkurrenz Franchiseverträge für Tankstellen- und Conveniance-Shops? Bei Migrolino können die Franchisepartner die Form der Firma selbst wählen, wie Markus Länzlinger, Geschäftsführer der Migrolino AG, gegenüber a-z.ch ausführt. «Wir haben sämtliche Unternehmensformen bei uns im Portfolio: Einzelfirmen, GmbHs und sogar Aktiengesellschaften.»

Der Franchisepartner erhalte das Migrolino-Konzept zur Verfügung. An dieses Konzept muss er sich halten. 85 Prozent seien mehr oder weniger fixe Sortimentsteile, 15 Prozent seien variabel. Sämtliche Anspruchsnehmer des Konzeptes Migrolino, also die Tankstellenbetreiber, die Migrol AG, die Shell Schweiz AG sowie die Migrolino AG selbst investierten in die Betriebe. Der Franchisenehmer benötige ein Eigenkapital, eine Bankgarantie und übernehme die Erstbelieferung über den Lauf eines vollen Jahres.

Konkurse bei Migrolino-Läden habe es bisher glücklicherweise noch nicht gegeben, so Länzlinger. «Wir arbeiten sehr eng mit den Partnern zusammen». Mit zunehmender Grösse könnte es aber vorkommen, dass ein Franchisenehmer «das Eingenommene» im Betrieb als «sein Eigenes» betrachte und dies auf Grund der langen Zahlungsfristen der Lieferanten relativ lange nicht in Erscheinung trete. «Wir überprüfen die finanzielle Stabilität jedes einzelnen Betriebes jedes Quartal beziehungsweise bei den längeren Partnerschaften und bei stabilen Betrieben jeweils zum Halbjahr und zum Jahresende.»

Auch bei Valora, der Betreiberin der Avec-Läden, bemühte sich die a-z.ch-Redaktion um Infomationen, erhielt jedoch bis am Montagnachmittag keine Stellungnahme. (mu)

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