Coiffeur

Kleine Geschäfte lassen Haare

Konkurrenz: Immer mehr Coiffeure buhlen um die Gunst potenzieller Kunden. (Bild: Oliver Menge)

Coiffeur

Konkurrenz: Immer mehr Coiffeure buhlen um die Gunst potenzieller Kunden. (Bild: Oliver Menge)

Nicht nur beim Essen heisst der Trend schneller und billiger. Viele Kunden wollen auch das Haareschneiden immer rascher hinter sich bringen. Grosse Coiffeurketten nutzen die Gunst der Stunde und dehnen ihr Angebot aus.

Martin Rupf

Es gibt sie zwar noch, die klassischen Coiffeure im Quartier, die ihre langjährigen Stammkunden mit einem Café Crème in ihren Salons begrüssen. Coiffeure, die für viele Kunden Haarschneider, Psychiater und wichtiger Ansprechpartner in einem sind. Doch diese Coiffeure sehen sich mit einer stetig wachsenden Konkurrenz grosser Ketten konfrontiert. Denn der Lauf der Dinge macht auch vor dem Haarschneiden keinen Halt. Mit billigeren Preisen und schnellen Abläufen sprechen die Coiffeur-Ketten ein breites Bedürfnis vieler Kunden an. So gibt es in Luzern und in
Ascona jetzt sogar ein «Hair-à-la-Minute-Geschäft», wo die Kunden pro Minute Arbeitszeit einen Franken bezahlen.

Viele Coiffeure finden keine Stelle

Zwar bestätigen Coiffeure im Einzugsgebiet dieser Zeitung die zunehmende Konkurrenz durch grosse Ketten. Doch es seien nicht diese, welche ihnen die grössten Sorgen bereiteten, sondern die immer grösser werdende Zahl so genannter «Badewannen-Coiffeusen». Hierbei handelt es sich um Coiffeusen und Coiffeure, die zu Hause schwarzarbeiten. «Diese Coiffeure schneiden die Haare massiv billiger als wir und stellen deshalb eine grosse Konkurrenz dar», sagt Peter Kurth, Sektionspräsident Solothurn vom Verband Schweizer Coiffeurgeschäfte. Auch Fredi Schmid, Sektionspräsident Aargau, bestätigt dies: «Weil diese Coiffeure oft keine Miete und keine Versicherungen zahlen, können sie so tiefe Preise anbieten. Schmid übt sich aber auch in Selbstkritik. Man habe in den letzten Jahren viel zu viele Coiffeure ausgebildet, die nun auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle fänden und sich deshalb in die Schwarzarbeit flüchteten.

Trotzdem richtet sich auch Kritik gegen die grossen Coiffeur-Ketten. So würden diese eine Lockvogel-Politik verfolgen. «Die Preise sind auf den ersten Blick tatsächlich tief», sagt Peter Kurth. Doch der Endpreis falle oft viel höher aus, «weil für jede zusätzliche Dienstleistung - dem Kunden oft noch aufgeschwatzt - extra bezahlt werden muss», so Kurth. Ein Vorwurf, den die Beschuldigten klar von sich weisen (siehe Text unten).

Der Türke geht nur zum Türken

Insgesamt sehen die Coiffeure der wachsenden Konkurrenz grosser Ketten gelassen entgegen. Denn, so Jeannette Mele, Sektionspräsidentin Baselland: «Wir haben eine Stammkundschaft, zu der wir über Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Nur wegen ein paar Franken weniger wechseln diese Kunde ihren Coiffeur nicht.»

Dies glaubt auch Robert Frei, Sektionspräsident Zürich Stadt und seit über 20 Jahren Coiffeur in Zürich. Er sieht denn auch ganz andere Herausforderungen: Zum einen die «Sippentreue», sprich viele Ausländer gingen nur zu einem Coiffeur der gleichen Nationalität. Zum anderen stösst ihm sauer auf, «dass namhafte Zürcher Coiffeur-Geschäfte in grossen Einkaufshäusern Gratis-Gutscheine abgeben, und so der Konkurrenz Kunden abwerben», sagt Frei.

Bleibt noch die Wirtschaftsflaute, die sich bis jetzt aber noch nicht sonderlich ausgewirkt habe. Fredi Schmid: «Wir haben nicht weniger Kundschaft, nur die Intervalle zwischen zwei Besuchen sind ein bisschen grösser geworden.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1