Der Geschäftshund heisst Rose, der Blumen- und Geschenkladen Verdissimo. Zwei Frauen betreiben das Geschäft in Zollikerberg ZH seit über 25 Jahren mit Geschick. Sie setzen nicht allein auf Blumen, sondern auf einen breiten Produktemix. Margenstarke Dekorartikel runden das Sortiment ab. Sonnenschirme, Hüte, Mosaiktische aus Marokko, Hochbeete für «Urban Gardening» zeugen vom Geschäftssinn. Ein Blumen-Café, ideal gelegen an der Durchgangsstrasse gleich beim Spital, ergänzt das Hauptgeschäft – und doch seufzt Mitinhaberin Andrea Leu: «Seit zwei, drei Jahren ist es echt schwierig geworden.» Nicht dass Umsätze schlagartig wegbrächen. Es ist eher eine schleichende Erosion, die Verdissimo zu schaffen macht. «Das Konsumverhalten hat sich verändert, es ist unberechenbar geworden», stellt die 58-Jährige fest. Heute so, morgen anders. Was über Kauf oder Nichtkauf entscheide, sei für sie nicht mehr nachvollziehbar. Wetter? Internet? Die Tageslaune? «Ich weiss es nicht».

Die veränderten Einkaufsgewohnheiten spürt auch Blumen Linder in Aarau, ein Geschäft an bester Lage gleich beim Bahnhof. «Dass man nach dem Einkaufsbummel in der Stadt auf dem Heimweg noch einen Blumenstrauss beim Floristen kauft, ist heute nicht mehr die Norm», sagt Inhaber Stefan Linder. Früher holte man sich einen Wochenstrauss aus dem Fachgeschäft, heute ist das Bouquet aus dem Blumenladen für spezielle Gelegenheiten bestimmt. Der 64-Jährige betont die positive Seite daran: «Für den Geburtstag oder für ein ernst zu nehmendes Geschenk geht man nach wie vor zum Floristen, da gibt es Qualität, Individualität statt Massenware, hochstehende Gestaltung und Prestige.»

Mehrere billigere Alternativen

Jedoch gibt es auch eine Kehrseite: Wer beim Einkauf im Coop oder Migros Rosen für 10 Franken sieht, greift dort zu. Oder im Gartencenter. Oder im Tankstellenshop. Laut Branchenschätzungen liegt der Anteil der Floristen am gesamten Blumenmarkt bei einem knappen Viertel, Tendenz leicht sinkend. Die oft stagnierenden, teilweise rückläufigen Umsätze können sich verheerend auswirken. Denn zugleich steigen die Kosten an. Viele Fachgeschäfte kämpfen daher um ihr Überleben.

Erhebungen des Schweizerischen Floristenverbands (SFV) zeigen, dass die Lohnkosten in den letzten 15 Jahren um 18  Prozent und die Mieten um 10 Prozent gestiegen sind. Ausgewertet wurden die Betriebszahlen von 76 Blumengeschäften in den Jahren 1999 bis 2014. «Vor allem die kleineren Geschäfte stehen unter enormem Druck», sagt SFV-Geschäftsleiter Urs Meier. Die Untersuchung zeigte, dass sechs von zehn Betrieben mit einem Jahresumsatz von weniger als 0,5 Millionen Franken Verluste schreiben. Das schlägt sich auch in schrumpfenden Mitgliederzahlen nieder. Die Zahl der Blumengeschäfte im SFV ist seit 2012 um fast 9 Prozent auf 568 gesunken.

Grund zur Sorge gibt vor allem das Ladensterben in den Innenstädten. Das hat damit zu tun, dass immer mehr Kunden ihre Kleider, Schuhe, Bücher oder Reisen lieber im Internet als im stationären Handel kaufen. Dadurch bleibt die Laufkundschaft auch bei den Floristen zunehmend aus. Eine ähnliche Wirkung hat der Einkaufstourismus. «Je näher am Rhein ein Betrieb liegt, desto härter hat er zu kämpfen», stellt Martin Erni fest, Co-Präsident des Floristenvereins Sektion Aargau und Inhaber eines Blumengeschäfts in Wettingen.

Seit vier Jahren rückläufig

Das Perfide daran: Der Trend zum Onlineshopping trifft die Floristen nur indirekt. Gegen die Abwanderung des eigenen Geschäfts ins Web sind sie nämlich gut gerüstet. Blumen Linder betreibt selbst einen Internetshop und profitiert zudem als Partner von Fleurop.ch davon, wenn die Online-Umsätze steigen. Fleurop arbeitet im Gegensatz zu anderen Onlinehändlern schweizweit mit lokalen Fachgeschäften zusammen. Doch nach Jahren starken Wachstums sind die Fleurop-Verkäufe seit vier Jahren rückläufig. 2016 wurden noch 30 Millionen Franken umgesetzt, 13 Prozent weniger als 2012. Auch bei seinem eigenen Shop kann Linder keinen Boom der Onlinebestellungen vermelden, Verdissimo macht ähnliche Erfahrungen. Beide Geschäftsleute trösten sich damit, dass die Internetpräsenz wichtig sei, weil sich Kunden ein Bild machen wollen, bevor sie – vielleicht – im Geschäft vorbeikommen.

Was tun? «Wir versuchen es mit viel Arbeit», sagt Andrea Leu. Stefan Linder erhöht die Flexibilität. Er stellt fest, dass der Direktverkauf im Laden zwar abnimmt, das Geschäft aber bei massgeschneiderten Dienstleistungen zulegen kann. So bringt er seine gestalterischen Fähigkeiten bei Begrünungen im Innen- und Aussenbereich ein, was anschliessend oft auch ein Pflegeabonnement zur Folge hat, oder überzeugt bei Jubiläen und Events durch ein pfiffiges gestalterisches Konzept – mit ermutigenden Erfolgen, wie er sagt. Sein Fazit: «Wir werden nach aussen aktiver.» Wenn die Kunden weniger häufig in den Laden kommen, so geht der Florist halt zu den Kunden.