Die Tische vor den Cafés und Restaurants in den Innenstädten der Schweiz waren auch in der vergangenen Woche jeden Tag fast voll besetzt. In der Mittagspause oder am Nachmittag genossen die Gäste die Herbstsonne. Die meisten trugen noch ihr Sommer-Outfit: Sandalen, Trägerkleid oder kurze Hosen. Es sah aus, als wäre die Zeit irgendwann im August stehen geblieben.

Wetterpech für Modegeschäfte

Aber nicht alle freuten sich so sehr über den langen Sommer wie die Gäste in den Cafés. Zumindest nicht aus wirtschaftlicher Sicht. Zu ihnen gehört etwa Branko Gabriel, Besitzer eines Geschäfts für Männermode in Zürich. Die warmen Pullover und Herbstjacken in seiner Boutique bleiben an den Stangen hängen. «Es ist eine Katastrophe, ich kann das ganz klar so sagen», sagt er. Der warme September sorge dafür, dass sich die Herbstkollektion in seinem Laden nur schlecht verkaufe. Schon im Sommer hatte das Wetter ihm das Geschäft verdorben. «Es wurde schnell sehr heiss. Da ist vielen die Lust auf Shoppen vergangen.»

Auch im Laden «Tarzan» nebenan läuft nicht viel. «Die Nachfrage nach warmen Sachen ist tatsächlich sehr klein», so die Geschäftsführerin. «Die Kunden wollen Kleidungsstücke kaufen, die zu ihrem Gefühl in dem Moment des Kaufes passen. Derzeit sind das eher Shorts als Pullover». Immerhin könne sie auf Stammkunden zählen. «Die wissen, dass die Stücke einiger Labels schnell weg sind, und kaufen deshalb ein, sobald die Kollektion eintrifft.»

Der warme Herbst trifft die Modegeschäfte deshalb hart, weil schon die Umsätze im Frühling schlecht waren. Das zeigen Zahlen des Markforschungsinstituts GfK. Laut dem Institut haben sich alle Sparten des Non-Food-Bereichs im Detailhandel positiv entwickelt gegenüber dem Vorjahr, ausser die Modebranche.

«Der Fashion-Markt konnte sich im 1. Quartal 2018 nicht erholen. Die meist noch sehr kühlen Temperaturen im März konnten die Verkäufe der neuen Frühjahrskollektionen nicht positiv beeinflussen», stellt das Institut in einer Mitteilung im Mai fest.

Einbruch beim Onlinehandel

Die Inhaber der kleinen Geschäfte im Viadukt sind mit ihrer Hoffnung auf kühle Temperaturen nicht allein. Auch die Grossen teilen ihre Sorgen. So leidet etwa das Geschäft von Manor unter dem Wetter, wie das Warenhaus auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende sagt. «Der bisherige Start in den Herbst war eindeutig zu warm», so Manor.

Ob sich der schwache September Ende Jahr in der Jahresbilanz zeigt, kann Manor noch nicht sagen. Im Herbst sind verschiedene Marketingaktionen geplant, um den Verkauf anzukurbeln. Ganz aussergewöhnlich sei der schwache Umsatz aufgrund des Wetters aber nicht, wetterbedingte Schwankungen im Jahresverlauf seien im Detailhandel ein normales Phänomen. Jelmoli kann ebenfalls noch keine Angaben machen zu Auswirkungen auf die Jahresbilanz. Spezielle Marketingaktionen seien aber keine geplant, so Jelmoli.

Auch der Online-Handel bleibt von den Folgen des warmen Herbstanfangs nicht verschont. In einer Mitteilung gab Zalando bekannt, dass sich das Wetter auf das Umsatzwachstum und den Betriebsgewinn auswirken werde. Die hohen Temperaturen hätten den Start der Herbst- und Winter-Kollektion verzögert. Dadurch könne weniger Ware zum Vollpreis verkauft werden, so Zalando.