Tabubruch am Himmel

Klatsche für die Swiss: Bund kommt arabischen Airlines entgegen

Etihad-Maschine im Anflug: Direktflüge nach Mexiko werden möglich.

Etihad-Maschine im Anflug: Direktflüge nach Mexiko werden möglich.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt wagt den Tabubruch und erlaubt den Arabern mehrere Direktflüge pro Woche von Genf nach Mexiko – ein Rückschlag für die Swiss, der Folgen haben könnte

Anfang des letzten Jahres wurde die Offensive bekannt: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Hort der Airlines Emirates und Etihad, hatten beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ein Gesuch eingereicht, um von der Schweiz aus Direktflüge nach Mexiko durchführen zu können. Für Kunden böte sich eine neue Langstrecken-Destination, da weder die Swiss noch andere Airlines das Land in Mittelamerika von der Schweiz aus anfliegen. Wie Bazl-Sprecher Urs Holderegger gegenüber der «Nordwestschweiz» bestätigt, wurde diesem Gesuch stattgegeben. Der Bund erlaubt den VAE neu, bis zu 14 Flüge von Genf nach Mexico City durchzuführen.

Nur schon das Gesuch hatte für grossen Wirbel in der Branche gesorgt. Bei der Swiss herrschte Alarm. Sie hatte vom Bund eine «restriktive Handhabung der Verkehrsrechte in fünfter Freiheit» gefordert. Darunter wird das Recht einer Airline verstanden, zwischen dem Heimatstaat und zwei fremden Staaten Flüge anbieten und Passagiere befördern zu dürfen, also zum Beispiel von Dubai oder Abu Dhabi via Schweiz nach Mittelamerika.

Expansion wäre nun möglich

Die Zurückhaltung bei der fünften Freiheit soll dafür sorgen, dass die direkte Anbindung der Schweiz ins Ausland wenn möglich nicht durch ausländische Airlines ausgeführt wird – mit dem Vorteil für die Swiss, dass der Preiskampf limitiert wird. Zwar ist im seit 1993 geltenden Luftfahrtabkommen der Schweiz mit den VAE der Grundsatz der fünften Freiheit festgehalten. Trotzdem braucht es für einzelne Anträge das Okay des Bundes.

Das Bazl liess sich mit seinem Entscheid Zeit. Noch letzten Herbst hiess es auf Anfrage: Noch kein Urteil gefällt. Nun sagt aber Bazl-Sprecher Urs Holderegger, dass die Verhandlungen mit den VAE bereits vor mehreren Monaten abgeschlossen worden seien. Eine aktive Kommunikation blieb diesbezüglich aus. Der Entscheid ist für die Swiss ein Rückschlag. Dabei liessen die Bazl-Stellungnahmen Anfang 2016 noch vermuten, dass die Swiss beim Bund mit ihren Bedenken Gehör erhalten würde: «Verkehrsrechte von Nicht-EU-Staaten für Anbindungen ausserhalb Europas werden nur sehr zurückhaltend gewährt», hiess es damals.

Das Entgegenkommen in Genf ist ein Präzedenzfall, denn nun könnten auch andere ausländische Airlines auf den Geschmack kommen, Direktflüge aus der Schweiz in Drittländer zu beantragen. Andererseits hätte es aus Swiss-Sicht noch schlimmer werden können, wenn Flüge vom Hub Zürich erlaubt worden wären.

Heute fliegen die beiden Golfstaaten-Airlines Etihad und Emirates fünfmal am Tag zwischen der Schweiz und den VAE. Kommt jetzt der grosse Ausbau? «Bis jetzt hat noch keine Airline Interesse gezeigt», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. Die Zeit, die sich der Bund beim Entscheid liess, hat der Swiss offensichtlich in die Hände gespielt, vorerst halten sich die Golf-Airlines, die inzwischen mit eigenen Problemen kämpfen, vornehm zurück.

So hatte Emirates-CEO Sir Tim Clark letzten Herbst in der «Schweiz am Sonntag» gesagt: «Ich könnte nicht garantieren, dass wir sofort Mexiko-Flüge anbieten würden, denn die Wirtschaftslage hat sich verändert.»

Auch Etihad zögert

Auch der Kanton Genf sei an Emirates herangetreten und habe die Airline gebeten, Direktflüge in die USA zu lancieren, sagte Clark. Er wolle nichts ausschliessen. «Aber vergessen wir nicht, dass die Swiss zu Lufthansa gehört. Das macht es komplizierter.» Er müsse davon ausgehen, dass von gewissen Leuten in der Schweiz Druck ausgeübt werde, damit dies nicht erlaubt werde. Die Lufthansa gehört zu den grössten Kritikern von Emirates und wirft der Airline regelmässig unfairen Wettbewerb vor.

Auch beim Konkurrenten Etihad Airways in Abu Dhabi heisst es auf Anfrage, man sei in keine Pläne involviert, bei denen es um Flüge von der Schweiz nach Mexiko gehe.

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