Der 2011 im Alter von 84 Jahren verstorbene Fernsehstar habe unter anderem Kontakte zu höchsten Kreisen genutzt, um in einer streng gesicherten psychiatrischen Heilanstalt sein Unwesen treiben zu können, heisst es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Wohltätigkeitsorganisation NSPCC. In der Klinik habe er sich bevorzugt an Kindern zwischen 13 und 15 Jahren vergangen.

"Es gibt keinen Zweifel, dass Savile einer der schlimmsten, wenn nicht der schlimmste Triebtäter ist, mit dem wir es bei NSPCC je zu tun hatten", sagte der für Kinderschutz zuständige Direktor Peter Watt. Savile habe "keine Gelegenheit verpasst, um wehrlose Opfer auszumachen und sie zu missbrauchen".

Die Erkenntnisse der von BBC in Auftrag gegebenen Untersuchung sollten am Abend (21.30 Uhr MESZ) ausgestrahlt werden. Dem Bericht zufolge liess sich Savile laut Regierungsdokumenten mithilfe eines einflussreichen Beamten zum Vorsitzenden einer Arbeitsgruppe ernennen, die 1988 in einem Streit zwischen der südenglischen Broadmoor-Klinik und Gewerkschaftern vermitteln sollte. Nach Polizeiangaben kam er so an Schlüssel zu dem Klinikgebäude.

Zungenküsse gegen Autogramme

Der ehemalige Klinikmanager Trevor Smith sagte aus, Savile habe junge Mädchen im Gegenzug für ein Autogramm zu Küssen genötigt. "Er legte seine Hand um ihren Nacken, zog sie an sich heran und gab ihnen praktisch Zungenküsse", erzählte Smith. Bis heute wurden nach Polizeiangaben 16 Missbrauchsanzeigen gegen Savile wegen der Vorgänge in Broadmoor eingereicht.

Erst nach Saviles Tod war bekannt geworden, dass er über vier Jahrzehnte hinweg hunderte Kinder und Erwachsene missbraucht haben soll. Seine Popularität als Moderator der Chartshow "Top of the Pops" und der Kindersendung "Jim'll fix it" (Jim wird's richten) nutzte Savile nach Erkenntnissen der Ermittler aus, um seine Opfer auf dem BBC-Gelände sowie in Schulen und Spitälern zu missbrauchen, wo er seine Fans besuchte.

Ein Jahr nach Saviles Tod erzählten schliesslich erstmals fünf Frauen im Fernsehen von Übergriffen auf sie und lösten damit eine Welle ähnlicher Berichte von mutmasslichen Opfern aus. Im Zuge des Skandals wurden mehrere Prominente festgenommen. BBC-Generaldirektor George Entwistle kostete das verkorkste Krisenmanagement seiner Einrichtung den Job.