Noch ist das Werk der Kies und Beton Regli AG in Zumdorf im Winterschlaf. Zumdorf gehört zu Hospental, der Nachbargemeinde von Andermatt (UR). Hier braucht es Beton ohne Ende. Denn Samih Sawiris lässt im Hochtal am Gotthardpass für 1,8 Milliarden Franken ein Ferienresort mit sechs Hotels, 25 Villen und 500 Wohnungen hochziehen.

Sawiris musste die Andermatter erst von sich überzeugen. Anfänglich glaubte auch Walter Regli, Anwalt und Verwaltungsratspräsident der Kies und Beton Regli AG, nicht an das ehrgeizige Projekt des Ägypters und Gründers der börsenkotierten Orascom Development Holding (ODH).

Ein Besuch in deren Resort in El Gouna am Roten Meer überzeugte ihn von den Ideen Sawiris. Regli beschloss, mit der für das Projekt zuständigen Andermatt Swiss Alps (ASA) zu verhandeln. Er wollte eruieren, ob er den nötigen Beton liefern konnte. Es ging Regli darum, nicht mit jedem einzelnen Bauunternehmer auf der Grossbaustelle einen Preis aushandeln zu müssen: «So konnte ich verhindern, dass mir Firmeninhaber den Preis drücken.»

Das Volumen des Auftrags ist gigantisch: 200 000 Kubikmeter Beton sind gefragt. Kostenpunkt inklusive Transport: 27 Millionen Franken. «Die Verhandlungen endeten mit einem Geben und Nehmen», sagt Regli. Er erhielt schliesslich den Auftrag und damit den gewünschten, einheitlichen Preis für seinen Beton. Dafür akzeptierte er, zwei Wohnungen im Resort für 2,5 Millionen Franken zu übernehmen. «Wir werden diese später wieder verkaufen», sagt Regli.

Aussergewöhnlich sei ein solcher Deal nicht: «Das ist auch im Mittelland bei Grossüberbauungen gang und gäbe. Wer einen Auftrag erhält, übernimmt auch Wohnungen.» Andere für die ASA tätige Firmen kauften ebenfalls Wohnungen.

Reglis Familienunternehmen mit sechs Festangestellten sowie drei Saisonarbeitern für den Betrieb im Sommer existiert seit 1943. Regli ist der Vertreter der zweiten Generation. Hätte er den Auftrag von der ASA nicht erhalten, wäre die eine oder andere Bauunternehmung mit einer eigenen Betonanlage auf die Baustelle gekommen. Dann wäre sein Werk nicht mehr ausgelastet gewesen.

Zwölf Millionen in Werk investiert

Aber Regli ging auch ein Risiko ein: Um den Auftrag ausführen zu können, musste er sein Kieswerk mit einer damaligen Jahreskapazität von 15 000 auf 80 000 Kubikmetern ausbauen. Die Investition belief sich auf zwölf Millionen.

Heute ist Regli von Sawiris begeistert: «Seine unternehmerische Leistung ist sensationell. Er steht voll hinter dem Projekt und wird es auch nicht fallen lassen.» Aber es dauere länger, bis es gebaut sei. «Er hat einfach viel Pech», sagt Regli. Zuerst sei die Finanzkrise gekommen, dann habe die politische Situation in Ägypten den Tourismus einbrechen lassen, und jetzt sei auch noch unklar, ob die Zweitwohnungsinitiative das Andermatter Projekt tangiere.

All dies führt dazu, dass der Wohnungsverkauf schleppend vorankommt. In den letzten zwei Jahren setzte die ASA 42 Apartments ab. 73 Wohnungen übernahm mit der Acuro Immobilien AG eine Firma, an der Sawiris beteiligt ist. Die Wohneinheiten befinden sich im Komplex des Hotels The Chedi, das im Dezember eröffnet werden soll.

Gestern gab nun ODH im Rahmen der Jahresmedienkonferenz bekannt, dass Sawiris nicht nur exekutiver Verwaltungsratspräsident der ASA wird, sondern neu mit 51 Prozent deren Mehrheitsaktionär ist. Er wandelt Kredite der ODH in Eigenkapital um. Die ODH ist noch mit 49 Prozent an der ASA beteiligt.

Deal senkt Verschuldung

Zudem garantiert Sawiris, mindestens 150 Millionen Franken in Form von Eigenkapital und nachrangigen Krediten zur Finanzierung der Grundinfrastruktur des Resorts am Gotthard sicherzustellen. Dazu zählt ein zweites Hotel, mehrere Apartmenthäuser, der Golfplatz samt Clubhaus, das Sportzentrum und der Ausbau der Skiarena Andermatt-Sedrun. Mit diesem Deal senkt Sawiris die Verschuldung der ODH. Obendrein verspricht der Ägypter, der ODH das für dieses Jahr erwartetete, operative Cash-Defizit von bis zu 60 Millionen Franken abzudecken.